Wirtschaft
28.01.2012

Auch für die Gutachter ist die Causa Hypo ein Paradies

Die Hypo selbst hat in den vergangenen Jahren rund 60 Millionen Euro im Jahr für Consulter-Honorare ausgegeben.

Der Fall Hypo-Alpe-Adria-Bank ist zu einem wahren Dorado für Gutachter geworden: Nicht nur die verstaatlichte Bank selbst hat in den vergangenen Jahren offenbar keine finanziellen Grenzen gekannt, wenn es um die Bestellung von Expertisen gegangen ist, auch bei der Staatsanwaltschaft sitzt der Gutachter-Euro locker.

Die Experten stehen bei der Staatsanwaltschaft Schlange, wiederum zahlt der Steuerzahler. Einer der Spitzenverdiener darunter ist Wirtschaftsprüfer Karl Hengstberger, der rund 460.000 Euro für Hypo-Gutachten erhielt. Durchleuchtet hat Hengstberger für die Justiz insbesondere die Vorgänge rund um die Ausgabe von Vorzugsaktien im Jahr 2004. Für das heftig umstrittene Gutachten hat er der Staatsanwaltschaft sogar einen Nachlass gewährt: Statt seiner üblichen 390 Euro die Stunde verrechnete er "nur" 310 Euro.

Dagegen scheint sein Gutachter-Kollege Rudolf Nikolaus Kellermayer geradezu supergünstig: Für die Überprüfung der Hypo-Kapitalerhöhung im Jahr 2006, bei der Vorzugsaktien mit wahrscheinlich ungesetzlichen Nebenabsprachen ausgegeben wurde, hat er nur 120 Euro je Stunde in Rechnung gestellt. Gut ins Geschäft mit der Staatsanwaltschaft in Sachen Hypo kommt gerade der prominente Wirtschaftstreuhänder Karl Bruckner. Er soll unter anderem die Hypo-Prüfungen der Nationalbank durchleuchten – die Prüfer werden also wieder überprüft.

Selbstbedienungsladen

Viele Gutachten enden sinngemäß mit: "Um Genaueres feststellen zu können, ist eine weitere Expertise nötig." Die Hypo selbst hat in den vergangenen Jahren rund 60 Millionen Euro im Jahr für Consulter-Honorare ausgegeben.

Hypo-Aufsichtsrats-Chef Johannes Ditz wurde dieses Berater-Dorado schon Mitte 2011 zu bunt. Er forderte öffentlich ein Ende dieses Selbstbedienungsladens. Als Aufsichtsratschef werde er keiner neuen Auftragsvergabe mehr zustimmen. Doch schon wenige Wochen später bekam der Grazer Gutachter Fritz Kleiner den Auftrag von der Finanzprokuratur, die Zeit der Hypo nach dem Einstieg der Bayerischen Landesbank zu durchleuchten. Kosten: zwei Millionen Euro, die wiederum die Hypo schultern muss. Dass zuletzt auch der Rechnungshof ankündigte, er wolle sich die Sache nochmals anschauen, verwundert nicht.

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