GMD Franz Welser-Möst, Orchestervorstand Clemens Hellsberg

© APA/HERBERT PFARRHOFER

Wiener Philharmoniker
06/28/2014

Musik für den Frieden

Die Wiener Philharmoniker spielen am 100. Todestag Franz Ferdinands in Sarajewo. 30 Länder übertragen.

von Gert Korentschnig

Es könnte keinen symbolträchtigeren Ort für dieses Konzert geben als die "Vijećnica" in Sarajewo, das ehemalige Rathaus bzw. die heutige Nationalbibliothek. Am 28. Juni 1914 wurde sie von Thronfolger Franz Ferdinand besucht – zwischen dem ersten Attentatsversuch gegen ihn und dem anschließenden tödlichen Drama. Viele Jahre später, im Bosnienkrieg 1992, wurde die "Vijećnica" schwer beschädigt und erst am 9. Mai dieses Jahres wieder eröffnet.

Dort spielen die Wiener Philharmoniker heute, Samstag, exakt 100 Jahre nach dem Attentat, das in Folge den Ersten Weltkrieg auslöste. 330 Gäste sind geladen, darunter Bundespräsident Heinz Fischer. Es ist definitiv kein Gedenkkonzert für Franz Ferdinand, sondern ein Konzert für den Frieden, für Versöhnung in aller Welt. Franz Welser-Möst, Generalmusikdirektor der Wiener Staatsoper, steht am Pult.

Vor vier Jahren hatte Philharmoniker-Vorstand Clemens Hellsberg bei einem Treffen mit Vertretern der EBU (europäische TV-Stationen) in Genf die Idee dazu. In 30 Ländern ist das künstlerische Ereignis zu sehen (3 SAT überträgt live um 18.15, ORF 2 zeitversetzt um 21.20 Uhr). Das Fernsehen von Bosnien-Herzegowina ist der lokale TV-Produzent, ZDF und France 2 sind die Partner.

Das Programm

Die Auswahl der Stücke hat freilich mit diesen Ländern, ehemaligen Kriegsgegnern, zu tun, erzählt Hellsberg im KURIER-Interview. "Es ist eine Reise durch die Zeiten und durch die menschliche Seele".

Eröffnet wird mit der Nationalhymne von Bosnien und Herzegowina. Danach gibt es den zweiten Satz aus dem "Kaiserquartett" von Joseph Haydn. Der Komponist schrieb dieses kurz nach der Kaiserhymne. Hellsberg: "Wenn der größte Komponist seiner Zeit so etwas macht, hat das eine zentrale Bedeutung. Da geht es nicht nur um die schöne Melodie, sondern um ein Werk für die diffizilste, intimste, sensibelste musikalische Form, das Streichquartett. Das hat mit nationalem Pathos nichts zu tun."

Danach spielen die Philharmoniker Schuberts Unvollendete. Hellsberg: "Das ist seine populärste Symphonie, aber oft missverstanden. Hier erkennt man auch die Abgründe der menschlichen Seele, es ist eine Wanderung, wie immer bei Schubert." Alban Bergs "Drei Orchesterstücke" (gespielt wird Nr. 3: Marsch), 1914 komponiert, stehen für eine Vision vom Schrecken und Leiden der Menschen, Brahms’ "Schicksalslied" nach Hölderlin für den vom Komponisten im Nachspiel gesetzten Trost (es singt der Opernchor des Nationaltheaters Sarajewo).

Ravels "La Valse" wiederum ist nicht nur eine Hommage an den französischen TV-Partner, sondern auch an den Wiener Walzer und ein Kommentar zum alten Europa. Als mögliche Zugabe ist der Josef-Strauß-Walzer "Friedenspalmen" angedacht, ehe das Konzert mit Ludwig van Beethovens "Europahymne" endet.

Über Kritiker, die diese Programmierung (vor allem das "Kaiserquartett") zuletzt moniert hatten, sagt Hellsberg: "Entweder sie kapieren die große Linie nicht oder wollen sie nicht kapieren."

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