Planzenflüsterer und Gastro-Autor Nigel Slater

© /JONATHAN LOVEKIN

Gastro-Journalist
08/29/2014

Wie der Kolumnist Nigel Slater alle einkocht

Die Bücher des BBC-Kochs und Observer-Kolumnisten sind Küchen-Literatur zum Schwärmen.

von Barbara Mader

Nigel Slater stapelt gerne tief. "Ich bin kein Küchenchef und war nie einer. Ich bin ein Amateurkoch, der über Essen schreibt. Nicht einmal leidenschaftlicher Koch (was immer das sein mag), sondern nur einer, der still begeistert und ein bisschen gierig ist."

Seit mehr als 20 Jahren ist Nigel Slater Gastro-Journalist bei der britischen Wochenzeitung Observer, die zur Mediengruppe des Guardian gehört. Er schreibt aufwendig (von ihm selbst) gestaltete und auch stilistisch wunderschöne Küchen-Lesebücher, die gerne behaupten, Kochen sei die einfachste Sache der Welt. Seine Autobiografie Toast wurde 2011 mit Helena Bonham Carter verfilmt. Der Titel bezieht sich auf die enden wollenden Kochkünste seiner Mutter, die gerade einmal Toast hinbekommen habe. Slater selbst spielt darin einen Küchenchef. Erfahrungen vor der Kamera hat der 54-Jährige reichlich: Seit 1998 hat er seine eigene Küchenshow auf BBC – "Simple Cooking" ist bei uns unter dem Namen "Einfach kochen" auf dem Nischen-Sender Bon Gusto zu sehen. Credo: Die kulinarische Erfüllung liegt im Einfachen.

"Es ist dieser wundervolle Moment, wenn du merkst, dass du etwas aus nichts geschaffen hast," schwärmt Slater beispielsweise, während er liebevoll seinen Käse-Champignon-Toast betrachtet. Wohlgemerkt ist der Käse ein Taleggio, der Toast feines Roggenbrot, die Champignons sind Eierschwammerln. Von "nichts" kann also eher nicht die Rede sei.

Ähnlich wie bei Jamie Oliver, der Slater in dem ihm eigenen Idiom als "gottverdammtes Genie" bezeichnet, schaut das Kochen bei Slater sehr einfach aus. Dank präziser Angaben ist es das auch – Slaters Landsmann, der Schriftsteller Julian Barnes, der in seinem Küchenessay "Fein gehackt und grob gewürfelt – Der Pedant in der Küche" ungenaue Rezeptangaben moniert, ist ihm bestimmt dankbar.

Doch um die Rezepte allein geht es bei Slater gar nicht. In den Standard-Werken Tender-Obst und Tender-Gemüse beeindrucken Bilder und Geschichten so sehr, dass man aufs Kochen fast vergessen könnte.

Slater weiß, aus der Natur zu erzählen: Er lebt in Highbury im Norden Londons, wo er einen Küchengarten bewirtschaftet und jedes Kraut persönlich kennt. Auch im nun erschienenen Küchentagebuch könnte man vor Schauen und Lesen aufs Nachmachen vergessen, was schade wäre, denn die 250 Rezepte, die durch das Jahr begleiten, klingen wunderbar.

Und natürlich stellt sich Slater Fragen zur Herkunft der Produkte. Zwar geht er nicht so weit wie Sarah Wiener, Häschen selbst zu schlachten, doch auch er philosophiert darüber, ob man ein Kuscheltier essen darf (– Ja!). Ganz besonders gelungen ist sein ausschweifender Text über das Thema "Salatschleuder", der mit den Worten endet: "Ich würde meine nur ungern hergeben."

Info: „Tender Gemüse“, „Tender Obst“ (beide 41,10 €) und „Das Küchentagebuch. Mit 250 Rezepten durch das Jahr“ (41,20€), alle bei Dumont erschienen.

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