„Unter Verdacht – Im Visier der Geheimdienste“ läuft um 20.15 auf ORFeins. Lukas Sturm führte Regie

© ORF

TV-Doku
12/04/2014

Spione in der Tasche

Hanno Settele führt durch Lukas Sturms ORFeins-Doku "Unter Verdacht".

von Alexandra Seibel

Hanno Settele steht unter Beobachtung. Aber nicht nur er, sondern auch wir, die Zuseher: Wir alle stehen unter Beobachtung. Und zwar ununterbrochen. Eine ganze Gesellschaft ist ins Visier der Geheimdienste geraten – und das alles unter dem Vorwand der persönlichen Sicherheit.

So lautet die These der Doku "Unter Verdacht – Im Visier der Geheimdienste" (Donnerstag, 20.15 Uhr, ORFeins), in der Hanno Settele durch die Welt der Spionage führt. Und die ist bei weitem allumfassender, als man glauben möchte.

Der erste Spion sitzt bereits in unserer Tasche – etwa in Form eines Smartphones: "Ein Smartphone erzählt alles über unser Leben", sagt Lukas Sturm, der Regisseur von "Unter Verdacht" im KURIER-Interview: "Wo wir sind, was wir machen, jedes Spiel, das wir herunterladen, unsere Gesundheitsapp, die Freunde, die wir haben... auf all diese Daten kann durch einen Geheimdienst zugegriffen werden. Es ist schlimmer als Orwell."

Und selbst wenn wir uns nicht durch terroristische Umtriebe verdächtig machen, lässt sich durch diese Datenerfassung ein Persönlichkeitsprofil erstellen. Das wiederum gibt Aufschluss – etwa über unsere Gesundheit (was Versicherungen sehr interessiert) oder über unsere Kreditwürdigkeit: "Den meisten Menschen ist gar nicht bewusst, dass sie ein digitales Spiegelbild haben", weiß Sturm. Etwas besseres als Facebook konnte den Geheimdiensten daher also gar nicht passieren. Alles, was man einst mühsam recherchieren musste, findet man heute Online.

9/11

Der große Paradigmenwechsel fand durch den Anschlag auf das World Trade Center im September 2001 statt. Die Terroristen kamen aus der Mitte der Gesellschaft – und ab da wurden die Suchscheinwerfer der Geheimdienste auf die gesamte Bevölkerung gerichtet.

"Dieser Anschlag war ein Geschenk für den US-Nachrichtendienst NSA", sagt Thomas Drake im Interview mit Hanno Settele: "Ab da bekamen sie alles Geld, das sie wollten." Thomas Drake ist einer der hochkarätigen Auskunftspersonen, die in "Unter Verdacht" zu Wort kommen. Drake arbeitete für die CIA, das Pentagon und die NSA; und er war einer der ersten Whistleblower: "Drake wollte die Entwicklungen des Überwachungsstaates thematisieren – auf legale Weise", erzählt Sturm: "Doch er bekam die volle Latte ab – von der Hausdurchsuchung bis zur Anklage. Edward Snowden kannte seinen Fall und wusste, wie schwer es war, auszusteigen. Deshalb hat er es geheim gemacht."

Auch der Politiker Peter Pilz nimmt in der Doku Stellung: Wien sei nach New York ein Hotspot für die NSA, weiß Pilz. Das liegt daran, dass in Wien so viele internationale Organisationen sitzen – von der UNO bis zur OPEC.

Auf Wiener Boden begrüßt Hanno Settele auch eine ehemalige Agentin des britischen Geheimdienstes, Annie Machon – ebenfalls eine berühmte Whistleblowerin. Machon wurde vom Security Service MI 5 als Nachrichten-Offizier rekrutiert – "und es war erstaunlich, wie schnell man sich daran gewöhnt, in anderer Leute Privatsphäre einzurdringen", erinnert sich die Ex-Agentin an ihren Job: "Nach drei Wochen war es für mich ganz normal."

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