Charly Hübner als Grenzer Harald Jäger

© MDR/Nik Konietzny/MDR/ Nik Konietzny

Mauerfall
11/05/2014

TV-Film über Mauerfall: Wie ein antikes Drama

Die Tragikomödie "Bornholmer Straße" erzählt den Mauerfall aus der Sicht der Grenzer (20.15, ARD).

von Anna Gasteiger

Der Abend des 9. November 1989 fängt nicht gut an am Grenzübergang Bornholmer Straße. Harald Jäger hat Magenprobleme. Ein herrenloser kleiner Hund ist aus Westberlin in das Gelände der Grenzübergangsstelle eingedrungen und bringt alles durcheinander. Und dann kommt auch noch die völlig absurde Meldung daher, dass jetzt angeblich jeder in den Westen reisen darf.

"Wie, jeder?" fragt ein Grenzer-Kollege. "Keene Ahnung. Der Schabowski (Sekretär für Informationswesen in der DDR; Anm.) hat gesagt, das gilt ab sofort." "Wie, ab sofort?" "Unverzüglich hat er gesagt." "Was machen wir jetzt?" "Das ist die Frage."

Christian Schwochows TV-Film "Bornholmer Straße", der am MIttwoch um 20.15 Uhr in der ARD erstausgestrahlt wird, erzählt den Mauerfall aus Sicht der Grenzbeamten. Harald Jäger, im Film großartig gespielt von Charly Hübner, war der Mann, der in jener historischen Nacht den Befehl gab, die Grenzkontrollen einzustellen – und damit quasi die Berliner Mauer zu Fall brachte. Auch wenn er das, wie er in diversen Interviews zu Protokoll gab, etwas anders sah. Sein Verdienst sei "nur", dass es ohne Blutvergießen ausgegangen sei.

Tragischer Held

Jäger ist bei Schwochow, der selbst in der DDR geboren wurde und zum Zeitpunkt des Mauerfalls elf Jahre alt war, ein tragischer Held. Seine Geschichte, schreibt der Regisseur in einem Begleittext zum Film, musste erzählt werden, denn so "erzählt sich die ganze Absurdität der DDR und ihrer Grenze – aber auch der Anfang eines neuen Deutschland. Die Geschichte des Mannes, der die Mauer öffnete, trägt für mich die Dimension eines antiken Dramas." "Bornholmer Straße" versucht Jägers Leistung abzubilden, ohne die Sicherheitsorgane der DDR zu idealisieren – eine Herausforderung, der die Filmemacher durch die tragikomische Überhöhung begegnen. Schwochow: "Absurdität und Dramatik, beides lag in jenen Stunden dicht beieinander. Das will der Film erzählen." Die historischen Fakten reicht im Anschluss an den Spielfilm die Dokumentation "Die Nacht des Mauerfalls" (21.45 Uhr) nach.

Den 9. November begeht die ARD mit einem Thementag zu "25 Jahre Mauerfall": Ab 10.00 Uhr wird eine Gedenkveranstaltung zum Jahrestag übertragen, es folgen u. a. ein Gespräch mit dem deutschen Bundespräsidenten Joachim Gauck und Zeitzeugen sowie diverse Livesendungen aus Berlin.

"ZiB 2 History"

Der ORF krönt seinen Programmschwerpunkt zum Thema Mauerfall mit einer Sonderausgabe der "ZiB 2" am kommenden Freitag : Armin Wolf begrüßt das Publikum in "ZiB 2 History" live vom Brandenburger Tor (22.30). Zu Gast sind der langjährige Präsident des deutschen Bundestags, Wolfgang Thierse, und der Historiker Michael Stürmer. Anschließend zeigt ORF 2 den zweiten Teil der "Universum History"-Reihe "Die Berliner Mauer" (23.10 Uhr) und den Spielfilm "Das Wunder von Berlin" (23.55 Uhr). Am Jahrestag des Mauerfalls ist im ORF u.a. der dok.Film "Liebte der Osten besser? Sex im geteilten Deutschland" (23.05 Uhr) zu sehen.

Lesen Sie, wie KURIER-Redakteure den Mauerfall erlebt haben: kurier.at/mauerblog

Bilder: Der Tag, an dem Deutschland wieder zusammenwuchs

Harald Jäger, 1943 in Sachsen geboren, war 1989 Oberstleutnant der Passkontrolleinheit und stellvertretender Leiter der Grenzübergangsstelle Born- holmer Straße. Nach der Wende arbeitete er u. a. in einem privaten Wachschutzunternehmen.

Er begleitete die Dreharbeiten des Film als Berater.

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