© Reuters/Alessandro Bianch, Titanic

Satire-Magazin
02/05/2014

"Titanic" verspottet Schumacher und Lauda

Sogar der britische Boulevard empört sich über das aktuelle Titelblatt des deutschen Satire-Magazins.

von Peter Temel

Das deutsche Satire-Magazin Titanic landete wieder einmal einen PR-Coup. Nachdem es den Spaßmachern bereits 2012 gelungen ist, den damaligen Papst Benedikt XVI. zu juristischen Schritten zu bewegen, spaltet gerade wieder ein Titanic-Cover Deutschland - und auch Österreich. Denn mit dem aktuellen Titelblatt werden gleich zwei Formel-1-Legenden in einem Aufwaschen verspottet: Der weiterhin schwer verletzt im Krankenhaus liegende siebenfache Weltmeister Michael Schumacher und der dreifache Weltmeister Niki Lauda.

"Exklusiv! Erstes Foto nach dem Unfall", heißt es auf dem Cover. Und: "So schlimm erwischte es Schumi". Zu sehen ist aber das narbenbesetzte, vom Unfall auf dem Nürburgring gezeichnete Gesicht von Niki Lauda.
Nun sind Scherze über das Gesicht und die Ohren des österreichischen Ex-Rennfahrers nichts Neues und seit langem Klassiker in Kabarettprogrammen und Comedy-Shows. Aber die Kombination mit der tragischen Situation von Michael Schumacher lässt die Emotionen überkochen.

Briten berichten über Satire

Losgetreten wurde die Aufregung in der U-Bahn-Zeitung heute: "Deutsches Magazin beleidigt Niki Lauda!", titelt die Zeitung, und Niki Lauda beschwerte sich laut dem Gratisblatt folgendermaßen: "Das Cover ist eine bodenlose Frechheit, absolut indiskutabel und völlig pietätlos. Wer bitte druckt so einen Schwachsinn?"

Sogar der britische Boulevard beschäftigt sich mit dem grenzwertigen Gag. Während der Mirror eher nüchtern die Fakten referiert, erinnert die Daily Mail an einen früheren Rechtsstreit der Titanic mit den britischen Eltern des vermissten Kindes Maddie. Solche Auseinandersetzungen würden dem deutschen Satiremagazin mehr bringen als schaden, schreibt das Blatt.

Boulevard als Zielscheibe

Und so hat auch Titanic-Chefredakteur Tim Wolff nur Häme für den Boulevard übrig. In einer Aussendung vom Dienstag schrieb er: "Die Kritik von Herrn Lauda macht uns betroffen. Immerhin gelang es uns, als erstes Boulevardmedium noch vor 'Bild', 'Bunte' und der 'Tagesschau' ein Foto des verunfallten Nationalhelden Michael Schumacher zu veröffentlichen." Weiters heißt es in der Mitteilung: "Wir haben unter Einhaltung der üblichen journalistischen Moralstandards einen Investigativ-Reporter als Krankenschwester verkleidet und in die Grenobler Klinik geschickt. Sollte es dabei zu einer tragischen Verwechslung mit einem anderen prominenten Crashpiloten gekommen sein, bedauern wir das ein bisschen."

Der Spott des Magazins richtet sich also hauptsächlich gegen die Berichterstattung über Schumachers Unfall in den Medien und die Belagerung des Krankenhauses in Grenoble. Im Blattinneren wird das Humorverständnis aber noch weiter auf die Probe gestellt. So sind dort etwa Grafiken abgedruckt, wie Eltern ihren Kindern den Schumacher-Skiunfall "mit Spiel und Spaß" erklären können. Dazu gehört ein Helm-Puzzle ("Bereitet wenig Kopfzerbrechen!"), ein Fehlersuchbild, das Schumacher mit verbundenem Kopf zeigt, und ein Labyrinth-Rätsel: der falsche Weg über ein felsiges Gebiet führt ins Spital.

Bilder: Die provokantesten "Titanic"-Cover

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