Tageszeitungen einen Tag nach dem Terroranschlag in Paris

© APA/dpa/Kay Nietfeld

Presseschau
01/08/2015

"Ein Anschlag auf die Freiheit"

Die Titelseiten der Tageszeitungen tragen Trauer - oder zeigen Karikaturen.

von Mathias Morscher

Je suis Charlie" - "Ich bin Charlie". Dieses Zeichen der Solidarität mit den Opfern des Terroranschlags auf das Satiremagazin Charlie Hebdo liest man seit Mittwochnachmittag überall. Egal ob in sozialen Netzwerken oder auf den heutigen Titelseiten der Tageszeitungen. Damit soll ein Zeichen gesetzt werden: Gegen Angst, für die Meinungsfreiheit.

Der Anschlag ist weltweit ein Thema, er geht uns alle an.

Viele Zeitungen machen es wie eine der bedeutendsten Blätter Frankreich, die Libération und tragen Trauer. Andere wiederum lassen sich nicht einschüchtern und zeigen Charlie-Hebdo- oder eigenen Karikaturen.

"Sie haben Charlie angegriffen und damit die Toleranz, die Ablehnung von Fanatismus und Dogmatismus. Sie haben diese offene, religionsfreie und friedfertige Linke angegriffen, die sich sicherlich über den Zustand der Welt empört, sich jedoch lieber darüber lustig macht, als anderen ihren Katechismus aufzuzwingen. Die Fanatiker verteidigen keine Religion, weil Religion tolerant sein kann, und sie verteidigen nicht die Muslime, die in ihrer überwältigenden Mehrheit mit Entsetzen auf diese niederträchtigen Morde reagiert haben. Die Fanatiker greifen die Freiheit an. Alle Republikaner sind vereint gegen den Gegner. Dieser Gegner ist der Terrorismus, nicht der Islam, der Gegner ist der Fanatismus, keine Religion, und der Gegner ist der Extremismus. Der hat nichts zu tun mit unseren muslimischen Mitbürgern."

Die L'Équipe titelte mit "Freiheit:Barbarei - 0:12"

Le Figaro

"Uns wurde der Krieg erklärt: Der Krieg des islamischen Fanatismus gegen den Westen, gegen Europa und gegen die Werte der Demokratie. Uns muss klar sein: Wenn heute Frankreich im Visier der Verrückten Allahs steht, dann waren es vorher andere Länder, und morgen werden es weitere Staaten sein. Wir müssen uns moralisch gegen die niederträchtigen Verbrechen dieser Barbaren wappnen, die als Frömmler verkleidet sind. Und wir müssen uns politisch und juristisch wappnen. Zu lange sind wir im Namen eines irregeleiteten Humanismus unseren schlimmsten Feinden entgegengekommen. Wir müssen gegen diese Fanatiker hart durchgreifen, die sich offen gegen unser Land und unsere Sicherheit verschwören. Wenn es Krieg gibt, muss man ihn gewinnen." "Dies ist ein Krieg, ein wirklicher Krieg. Er wird nicht von schattenhaften Mördern geführt, sondern von methodischen und organisierten Killern, deren gelassene Rohheit uns das Blut in den Adern gerinnen lässt. (...) Gegen diese Killer müssen wir zuschlagen. Ohne Schwäche und Zaghaftigkeit. Wenn der Krieg da ist, müssen wir ihn gewinnen."

Deutschland

Die deutschen Medien reagierten unterschiedlich. Während einige die Titelseiten schwarz färbten und auch "Charlie sind", ließen andere die Karikaturen von Charb und seinen Kollegen sprechen .

Die Berliner Zeitung schreibt: "Wir bei der B.Z. können nicht über alles lachen, was da gezeichnet und geschrieben wurde. Manche von uns sind Christen, andere Moslems oder Atheisten. Einige mögen Merkel, andere Hollande und die Sozialisten. Trotzdem müssen und wollen wir nun auf unserer Seite Eins die Titelbilder der Kollegen aus Paris veröffentlichen, die starben, weil sie das wichtigste Grundrecht in Anspruch nahmen, was es gibt: Die Freiheit, zu sagen, zu zeichnen, zu schreiben, was man denkt. Dieses Recht zu verteidigen ist unsere wichtigste Aufgabe."

Die Bild schreibt was sich wahrscheinlich viele denken.

In England druckte angeblich keine einzige Zeitung die Karikaturen von Charlie Hebdo, dafür zeigten ihre Zeichner eindeutig was sie von den Terroristen halten.

"Alle Presseorgane, in der arabischen Welt ebenso wie im Westen, sollten die ermordeten Zeichner von "Charlie Hebdo" als Märtyrer betrachten. Sie sollten die Standfestigkeit dieser Satiriker als die wagemutigsten Journalisten in Europa würdigen, auch wenn ihre Veröffentlichungen anstößig sein könnten, so wie die Mohammed-Karikaturen 2011. Es war das Recht von "Charlie Hebdo", anstößig zu sein. Das Magazin war dabei gerecht: Katholizismus, Judaismus und Islam wurden gleichermaßen respektlos behandelt. Mit dem Erstarken islamistischer Terrorgruppen und Angriffen auf Zeitungsredaktionen haben andere Publikationen Rücksicht auf muslimische Empfindlichkeiten genommen. "Charlie Hebdo" hat dies trotz der Warnungen der Polizei abgelehnt."

New York Times

Natürlich war der Terroranschlag auch in den USA das Thema. So erinnert sich die New York Times an die Anschläge des 11. September 2001 und daran, dass die französische Zeitung Le Monde danach erklärte: "Wir sind alle Amerikaner" - jetzt also: "Wir sind alle Charlie". Weiter schreibt das Blatt: "Dieser Anschlag war ein Angriff auf die Freiheit überall."

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