Presserat-Rüge für "Falter": Illustratorin erklärt Köln-Cover

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Foto: APA/dpa/Markus Boehm Die Silvesternacht in Köln.

Die Illustratorin berichtet über persönliche Erfahrungen mit sexueller Belästigung.

Nach den Vorfällen in Köln zeigte der Falter Anfang Jänner auf seinem Cover eine Zeichnung, auf der fünf weinende Frauen von Männern sexuell belästigt werden. Außerdem darauf zu sehen ist ein Polizist, der weggedrängt wird. Nach dem Erscheinen dieses Titelbildes wandte sich eine Leserin an den österreichischen Presserat, weil die Männer ihrer Ansicht nach als "spezifisch nordafrikanisch portraitiert" würden. Alles Fremde würde dabei degradiert, Sexismus würde ausschließlich als muslimisches und fremdes Problem gesehen.

Gegen den Ehrenkodex verstoßen

Nun teilte der Presserat mit, dass die Zeichnung wegen Pauschalverunglimpfung und Diskriminierung gegen den Ehrenkodex für die österreichische Presse verstoßen habe. Die Illustration weise ein "generalisierendes Element" auf. "Die dargestellten Männer werden alle mit dem mehr oder weniger gleichen grimmigen Gesicht, dunklen Haaren und markanten dunklen Augenbrauen dargestellt", zitiert Falter-Herausgeber und Chefredakteur Florian Klenk die Begründung des Presserats auf Facebook.

Dadurch werde "Ein Prototyp eines Mannes aus dem nordafrikanischen bzw. arabischen Raum konstruiert". Die Zeichnung könnte der Anschein erweckt werden, als würden sich alle Männer aus dem nordafrikanischen Raum in Europa Frauen gegenüber nicht entsprechend korrekt verhalten, so der Presserat.

"Plakative Illustration der Realität"

Die Zeichnerin Bianca Tschaikner habe aber auf dem Cover lediglich plakativ illustriert, was in Köln geschehen war: eine Taharrush Gamea, ein Sexmob gegen Frauen im öffentlichen Raum, so Klenk auf Facebook. In der damaligen Falter-Ausgabe hat Tschaikner zudem ihre Erfahrungen in nordafrikanischen Ländern in Form eines Gastkommentares beschrieben. In einer Passage des Textes heißt es: "Zu leugnen, dass dies große Probleme in der muslimischen Welt sind, und diejenigen, die sie ansprechen, mit reflexartigen Rassismusvorwürfen mundtot machen zu wollen, ist ein Schlag ins Gesicht aller, die in diesen Ländern für Menschenrechte und gegen sexuelle Gewalt kämpfen."

Konfrontation mit sexueller Belästigung

Im Rahmen des Vortrages "Zuwanderung und Frauenrechte" am 12. April im Aktionsradius in Wien berichtete die Illustratorin über ihre Erfahrungen mit sexueller Belästigung auf ihren Reisen. Die 30-Jährige, die ursprünglich aus Vorarlberg kommt, hat in den vergangenen Jahren ein Nomadenleben geführt und viele Länder in Nordafrika, dem Nahen Osten, Südamerika und Asien bereist.

Egal, welches muslimische Land Tschaikner bereiste, sie konnte immer eine Gemeinsamkeit feststellen. Die Religion und die daraus resultierende patriarchal ausgerichtete Gesellschaft, in der Frauen unterdrückt werden. Besonders in als konservativ  geltenden Städten erlebte sie auffallend viele Belästigungen auf der Straße: "Wenn man religiös ist, belästigt man anscheinend gerne Frauen", sagte Tschaikner sarkastisch zum KURIER. Das Problem mit der Belästigung sei im Iran nicht anders gewesen als in Marokko, wo Tschaikner zwei Jahre gelebt hat. Dass ihr diese negativen Erfahrungen oftmals von "antirassistischen, weißen, feministischen Frauen" abgesprochen werden, empfindet sie als arrogant.

Für Tschaikner ist das Falter-Cover eine Abbildung des Sachverhaltes. Sie habe die Männer nicht als "spezifisch nordafrikanisch" portraitiert, vielmehr sei das die Art, wie sie zeichne. Die Reaktion auf die Illustration konfrontiere die Menschen mit ihrem eigenen Rassismus, so Tschaikner, da jeder seine eigenen Ressentiments in diese hineinprojiziere. "Diese Reaktion wirft uns auf uns selbst zurück. Und da jeder weiß, dass das Cover die Vorfälle in Köln darstellt, identizifiert der Betrachter selbst die Männer als Nordafrikaner. Wenn diese Illustration ein halbes Jahr vor den Ereignissen in Köln erschienen wäre, hätte niemand Nordafrikaner in den Männern gesehen." Sie ist davon überzeugt, dass die Zuwanderung von Menschen aus patriarchalen Kulturen Auswirkungen auf unseren Alltag, vor allem den der Frauen, haben wird.

Gewaltpotenzial des "Typus Köln"

Jüngst würden ihr immer mehr Bekannte und Freundinnen von sexueller Belästigung in der Disko oder in der U-Bahn durch Asylwerber erzählen. Diese Männer bezeichnet Tschaikner als den "Typus Köln", Männer, die Frauen erniedrigen, um sich selbst besser zu fühlen. "Wir haben uns hier ein riesiges Gewaltpotential ins Land hereingeholt. Diese Männer sind wahnsinnig frustriert und sie werden ihren Hass an Frauen auslassen." Das Hauptproblem sieht Tschaikner derzeit darin, dass die Politik nicht auf die Probleme der Bevölkerung eingeht. So entstünde das Gefühl, es werde etwas vertuscht, was wiederum rechten Parteien in die Hände spielt.

Auf Facebook kündigte Klenk an, dass die Wiener Stadtzeitung in ihrer nächsten Ausgabe zum Urteil des Presserats Stellung nehmen werde

(kurier) Erstellt am
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