ORF-Fernsehdirektorin Kathrin Zechner hofft weiter auf die Gebührenrefundierung

© KURIER/Christandl Jürg

ORF-Sparkurs
11/14/2013

Kathrin Zechner: "Wir sind nicht mehr autark"

ORF-TV-Direktorin Kathrin Zechner über die Sparzwänge und warum die Nachfolge von Eugen Freund nicht entschieden ist.

von Philipp Wilhelmer

KURIER: Frau Direktor, angesichts des Milliardenlochs im Budget scheint eine zusätzliche Auszahlung der Gebührenrefundierung sehr zweifelhaft. Welche Argumente haben Sie gegenüber der Politik noch?

Kathrin Zechner: Ich habe immer gesagt, dass ich nicht verstehe, dass Unternehmen ungleich behandelt werden. Etwa, dass bei den ÖBB die Refundierung ein nicht diskutierter Anspruch ist und bei uns verhandelt wird. Auf der anderen Seite ist der ORF natürlich professionell genug, um zu sagen: Mit den Ressourcen geht man um und kommt aus.

Was müssen Sie wirklich streichen, wenn Sie keine Refundierung bekommen?

Wir können die gesamte Bandbreite der Genres erhalten. Aber: Nachdem wir schon mit Personalabbau mit weniger Ressourcen mehr machen mussten, müssen wir jetzt in die Quantität gehen: Das ist zum Beispiel nicht mehr die volle Folgenanzahl bei den neuen eigenproduzierten Serien, wie die „Cop Stories“.

Das ist ein starker Einschnitt bei der Unterhaltung. Das betrifft Teile bei der Volksmusik, das betrifft große Shows, das betrifft sehr stark das Kinderprogramm, wo wir Eigenproduktionen kürzen müssen. Genauso betrifft das den Spartenkanal Sport+, den wir radikal kürzen mussten, und Streichungen bei den Dokumentationen.

Der ORF steht immer öfter vor der Situation, sich die Rechte bei Eigenproduktionen nicht mehr im vollen Umfang sichern zu können. Wie wirkt sich das aus?

Wir können nicht ausschließlich selbst produzieren, sondern müssen koproduzieren und da nicht mit einem Ko-Partner sondern mit mehreren. Zusätzlich müssen wir mehr Förderungen beantragen.

Die Finanzierung von Sendungen ist zeitaufwendiger und durch die Vielzahl an Partnern, die man ins Boot holen muss, unsicherer geworden, auf der anderen Seite ist es komplizierter zu klären, wann man ausstrahlt und wem welche Rechte für DVDs oder Videoplattformen zustehen. Wir sind nicht mehr autark in den neuen Vertriebswegen und Weiterverwertungsketten. Das ist der Hintergrund, der noch nicht sichtbar ist, uns aber radikal einschränkt.

Wann wird das schlagend?

Das ist zum Teil schon schlagend geworden: Allein der „Universum“-Topf war im letzten Jahr von Walter Köhler (er wechselte 2011 zu ServusTV, Anm.) doppelt so hoch wie jetzt. Die jetzige Mannschaft muss Gigantisches leisten, um die Zahl der Produktionen bei weniger Budget zu halten. Das wird noch schwieriger werden.

Braucht der ORF angesichts des Spardrucks aus Ihrer Sicht Formel 1 und Champions League? Die Premiumrechte sind nicht gerade billig.

Der ORF braucht die volle Bandbreite, die die Zuseher zu Recht erwarten: Auf der einen Seite international relevante große Sportereignisse, ob das jetzt Olympische Spiele, Weltmeisterschaften oder die internationalen Klassen wie Champions League oder Euro League, Skifahren und Formel 1 sind, auf der anderen Seite wollen wir in den Randsportbereichen weiter dort arbeiten, wo wir schon auf Sport+ erfolgreich waren. Die Quadratur des Kreises gelingt aber nicht nur uns nicht: Ich sehe in ARD und ZDF keine Randsportarten, aber dafür die Schließung des Theaterkanals. Wir werden – egal, unter welchen Bedingungen – das Beste leisten. Die Kreativität und Qualität wird nicht sinken, sehr wohl aber die Quantität der neuen Sendungen. Wir, aber auch die Privatsender und auch die Zeitungen stehen gemeinsam unter einem hohen Spardruck. Mein Appell an die zuständigen Entscheidungsgremien ist, nicht zu vergessen, dass wir die Identität Österreichs sind.

„Wetten, dass ..?“ kommt nicht mehr in die Gänge. Unterhaltungschef Edgar Böhm hat 25 Prozent Marktanteil als Mindestschwelle für die Show genannt. Das ist verfehlt worden. Ein möglicher Streichkandidat?

Ich habe vor dieser Show den allergrößten Respekt. In einem Konkurrenzumfeld von Trash-Shows, Castingshows, Modelshows die Qualität zu halten, ist eine Leistung. Das ist eine Show, die bei der Zielgruppe der 12- bis 29-Jährigen immer noch bis zu 28 Prozent Zuschauer hat. Heute auf diese Reichweite zu kommen, ist höchst respektabel. So lange wir so hervorragende Quoten haben, möchte ich daran festhalten.

Die wichtigste Sendung von den Quoten und der Relevanz ist die „Zeit im Bild“. Warum tut sich der ORF so schwer, da eine Entscheidung über die Nachfolge von Eugen Freund zu treffen?

Wir überlegen uns sehr genau, wer in der wichtigsten Nachrichtensendung des ORF der richtige Nachfolger ist. Dazu gibt es zwei Kandidaten, die das Licht der Öffentlichkeit erblickt haben, aber sicher auch drei bis vier hervorragende Moderatoren, die auch infrage kommen.

Sie dürften diese Personalie alleine entscheiden. Warum spricht der Generaldirektor in dieser Frage eigentlich mit?

In einem ersten Schritt einigen sich der Chefredakteur und ich auf eine Auswahl, die einer Potenzialanalyse unterzogen wird. Diese stimme ich mit dem Generaldirektor ab. Nicht weil ich muss, sondern weil ich will. Ich scheue mich nicht, Entscheidungen zu treffen, die nicht konsensual sind, aber den Konsens suche ich im ersten Schritt immer.

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