Netflix-Star Kevin Spacey: „House of Cards“ ist der große Serienhit

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Online-Videodienst
06/29/2014

Netflix: Der Algorithmus macht Programm

Der Internet-Sender startet heuer in Österreich. Seine Zielgruppe: Alles, was sich berechnen lässt.

von Philipp Wilhelmer

Der größte Hype im Fernsehgeschäft ist zweifellos das Ausstrahlen von Inhalten über das Internet. Kaum ein Sender, der ohne eine eigene Mediathek auskommt, die am Computer, Tablet oder Smart-Gerät abrufbar ist. Der radikalste Marktteilnehmer in dieser Hinsicht ist ohne Zweifel der US-Internetsender Netflix, der heuer auch nach Deutschland und Österreich kommen wird. Wann der Start genau erfolgt, ist zwar noch streng geheim, man darf sich aber wohl darauf einstellen, dass noch vor Weihnachten auch in der Alpenrepublik bereits die ersten Serien und Filme über die Server des US-Unternehmens laufen werden.

Mit Netflix zieht zugleich der Paradigmenwechsel im TV-Land Österreich ein. Die Programmplanung übernimmt dort nämlich der Computer. Ein Algorithmus bestimmt, wer die Zielgruppe ist und berechnet sich sein Publikum vollautomatisch und hocheffizient selbst. Lohnt es sich, die Rechte für eine obskure Krimiserie zu kaufen? Andernorts mögen die Programmplaner den Zeigefinger in den Wind halten, Netflix vermisst die Publikumslandschaft millimetergenau. Ist genug Abnehmerschaft in Sicht, wird gebucht. Willkommen beim Fernsehen 3.0.

Technik und Programm

Netflix stammt halb aus dem Silicon Valley, halb aus der Einflugschneise der Filmstudios, Los Angeles. Der eine Flügel in der Brutstätte der digitalen Moderne kümmert sich um die aufwendige Technik, die Herrschaften im Moloch L.A. verhandeln mit den Produzenten. Gegen eine monatliche Grundgebühr darf sich der Konsument dann via Internet in den digitalen TV-Strom einklinken.

Der spannendste Aspekt von Netflix steckt wie bei allen IT-Unternehmen im Maschinenraum. Der Internetsender hat nämlich einen umfassenden Schlagwortkatalog geschaffen, der in Film und Fernsehen keine Lücke offenlässt. Ein Reporter von Atlantic.com hat die verschiedenen Kategorien mit einem selbstgebastelten Programm abgefragt und kam auf sage und schreibe 76.897 Genres. Für die Zuordnungen ist ein eigenes Team professioneller Film- und Fernschauer tätig, das Material sichtet und nach einzelnen Aspekten kategorisiert. Wer sich etwa für Spionage-Action-Filme aus den 1930ern erwärmen kann, wird vom Computer mit Vorschlägen aus diesem Bereich versorgt, wer auf Chinesische Liebesfilme steht, ebenso. Schauen Sie gerne Hollywood-Blockbuster aus den 90ern? Netflix hat sicher eine eigene Kategorie für Sie.

Für den Seher bedeutet das: Individuelles Programm für jeden. Sobald der Algorithmus den eigenen Geschmack erkannt hat, wird man mit Vorschlägen versorgt, die üblicherweise tatsächlich den Geschmack des Kunden trifft. Der Algorithmus regiert überall: Wenn Netflix eine eigene Serie produziert, etwa "House of Cards", wertet der Computer aus, ob die Seherschaft dafür vorhanden ist. Das Inhalte-Geschäft Fernsehen automatisiert sich so ein Stück weit selbst.

In den USA verfügt bereits jeder dritte Haushalt mit Breitbandanschluss über ein Konto bei Netflix. Europa wartet.

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