Milborn: "Locker 500.000 Seher"

Milborn: "Locker 500.000 Seher"
Puls 4-Infodirektorin Corinna Milborn über die Wahlkampfpläne des Senders und wieso die Politik gern kommt.

KURIER: Frau Milborn: Wie schwierig war es denn, den Bundeskanzler ins Privatfernsehen zu bekommen? Bei der letzten Wahl war Werner Faymann fast nur im ORF zu sehen.

Corinna Milborn: Der Kanzler ist in diesem Wahlkampf gleich drei Mal bei uns. Das beantwortet vielleicht die Frage. Wobei die Schwierigkeit eher war, den Kanzler in eine Elefantenrunde einzuladen. Da hat er nicht nur uns, sondern allen abgesagt.

Zählen Privatsender in der Politik mittlerweile mehr?
Genauso wie bei Zeitungen braucht es natürlich auch bei elektronischen Medien Medienvielfalt. Wir können als Privatsender völlig unabhängige Information bieten. Und: Dieser Wahlkampf ist ein TV-Wahlkampf. Es gab kürzlich eine Umfrage von Karmasin, wonach 43 Prozent der Österreicher TV-Debatten für die wichtigste Entscheidungsgrundlage im bevorstehenden Wahlkampf sehen.

Warum wollen die Leute Politiker eigentlich im TV anschauen?
Vor der Wahl kommt die Masse dazu, die das ganze unterm Jahr nur halb verfolgt und dann aber doch wissen will: Was sind das für Menschen? Da will man die Person auch live erleben: Ihre Gesten, ihre Stimme.

Kommt es vielleicht auch darauf an, wie sehr man als Sender einen Event daraus macht?
Wir konzentrieren uns auf Inhalte und die Fragen der Bürger. Aber natürlich ist es ein Event, wenn ein Politiker eine Stunde oder mehr live im Fernsehen auftritt. Das ist sehr unmittelbar.

Sie haben 42 Tage Marathon angekündigt. Was läuft alles?
Wir haben am 26. August das erste Kanzlerduell und eröffnen damit die heiße Phase des Wahlkampfs. Schon ab 19. August kommt jeder Spitzenkandidat in die Wahlarena, die wir eigens gebaut haben. Da sitzen rund hundert Leute drinnen, hauptsächlich normale Durchschnittsbürger. Die Kandidaten stellen sich eine Stunde lang deren Fragen und denen der Moderatoren – jeden Montag live im Hauptabend. Am 15. September veranstalten wir eine Oppositionsrunde. Am Wahltag selbst senden wir am Vormittag vier Stunden live in „Café Puls“ und abends mit „Guten Abend Österreich“ und „Pro und Contra“ eine mehrstündige Sondersendung. Dazu kommt intensive Berichterstattung in allen unseren Info-Sendungen.

Puls 4 hat ein recht junges Publikum. Was muss man den Sehern bieten, damit sie bei Politik nicht wegzappen?
Einerseits den Eventcharakter, also die Person live zu erleben. Bei einer Wahl geht es um etwas und da will man mitbekommen, wie die Politiker auf die Fragen von normalen Menschen reagieren. Wir legen einen ganz starken Fokus auf Fragen, die sich die normalen Leute stellen.

Wenn ein Politiker im ORF auftritt, hat er oft das Vielfache an Sehern. Die Sendeplätze sind begehrt. Was bieten Sie?
Einerseits eine deutlich jüngere Zielgruppe. Und unsere Reichweite ist nicht zu verachten: Wir spielen Ausschnitte auch auf ProSieben, Sat.1 und in „Café Puls“. Mit einem Auftritt bei uns erreicht ein Politiker also locker über 500.000 Seher.

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