honorarfreie lilli gruber

© Cesare Cicardini

Lilli Gruber
08/04/2013

Der Weg einer Unbestechlichen

Als die RAI unter Silvio Berlusconis Diktat geriet, ging die Journalistin Lilli Gruber in die Politik, danach zum TV-Sender LA 7. Der aber jetzt dem "Kleinen Berlusconi" gehört.

von Luise Hahn

Wie Sie Fernsehen machen, ist nicht objektiv. Sie haben die gesamte Zeit nur dazu benützt, mir Fragen zu stellen, die Angriffe waren.“ Mit dieser Verbalattacke auf Lilli Gruber beendete Silvio Berlusconi im Jänner 2013 seinen aus Selbstbeweihräucherung-Monologen bestehenden Auftritt in der Talk-Sendung „Otto e Mezzo“.

Damals war La 7 Italiens einziger großer privater TV-Sender, der nicht zu Berlusconis Einflussbereich gehörte. Und Lilli Gruber brauchte in Bezug auf brisante Fragen an Berlusconi und andere Politiker keine „freiwillige Selbstzensur “ auszuüben.

Doch jetzt ist La 7 im Medien-Imperium eines Mannes mit dem Spitznamen „Der kleine Silvio“. So heißt Urbano Cairo aus zwei Gründen: Er war vierzehn Jahre lang in Berlusconis Marktgiganten tätig. Unter anderem als „Silvios“ Assistent und als Chef des Mondadori-Verlags.

Die zweite Wurzel des Spitznamens: Cairo hat seit 1995 gemäß Vorbild seines Mentors Berlusconi eine eigene Verlagsgruppe aufgebaut, was die guten Kontakte zwischen den beiden Großunternehmern aber keineswegs beeinträchtigt hat.

Aus diesem Grund fragen sich in Italien nun viele Menschen, welcher Art künftig die Programme des von der Telekom Italia an Cairo verkauften Senders La 7 sein werden. Und vor allem, ob Lilli Gruber weiterhin ihren spannenden Polit-Talk führen wird.

Ausschnitt aus „Otto e Mezzo“ vom Jänner

Lilli la Rossa

Denn „Lilli la Rossa“(„Lilli, die Rote“), wie sie nicht nur wegen der roten Haare seit Beginn ihrer steilen Karriere bei der öffentlich-rechtlichen RAI hieß, genießt aus diversen Gründen eine ungeheure Popularität im Land. Unter anderem, weil Gruber als erste Frau bei der RAI das „Telegiornale“ (Nachrichten) im Hauptabend präsentiert hat. Weil sie dann eine legere Sitzhaltung beim Moderieren eingeführt hat . Aber nicht zuletzt auch, weil sie gescheit, eloquent und als Journalistin nicht „käuflich “ ist.

Weshalb sie wegen Berlusconis Einflussnahme auf die RAI den Sender verließ und 2004 mit mehr als einer Million Stimmen sozialdemokratische EU-Abgeordnete wurde.

Buchautorin

Grubers Ausflug in die Politik währte die Legislaturperiode bis 2009, dann ging sie zu La 7. Schon vorher sind in Italien etliche gesellschaftspolitische Bücher der Journalistin erschienen. Und jetzt auch in deutscher Sprache „Das Erbe – Die Geschichte meiner Südtiroler Familie“, eine Mischung aus Roman, berührenden Tagebuchaufzeichnungen ihrer Urgroßmutter aus dem Zeitraum 1902 bis 1939 und Fakten zu den für Südtirol einschneidenden historischen Entwicklungen der Epoche.

KURIER-Wertung: **** von *****

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