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1955 - 2013
11/22/2013

Starjournalistin Marga Swoboda ist tot

Nachruf auf eine Schreiberin mit Hintersinn: Die Kolumnistin und Erfolgsautorin ist am Mittwoch im Alter von 58 Jahren gestorben.

Die ehemalige KURIER-Starjournalistin Marga Swoboda (58) ist tot. Die Koluministin und Autorin, die zuletzt in der Kronen Zeitung wirkte, war in der heimischen Medienszene enorm beliebt, ihre herzliche und humorvolle Art wurden von vielen Kollegen sehr geschätzt. In ihren Kolumnen verstand sie es meisterhaft, haarscharf an der Grenze zum Kitsch entlang zu spazieren – im direkten Kontakt überraschte die glühende Keith-Richards-Verehrerin mit hintersinnigem Schmäh. Deutlich wurde dies etwa bei der alljährlichen „Nacht der Kolumnisten“ im Wiener Rabenhof-Theater: Swoboda zog während ihrer Lesung ihren Pullover aus. Darunter kam ein T-Shirt mit der Aufschrift „Boulevard-Schlampe“ zum Vorschein. Die Lacher hatte sie auf ihrer Seite.

Durchbruch beim KURIER

Ihren Durchbruch als Schreiberin schaffte sie in den 1980er Jahren im KURIER, wo sie die Sonntagausgabe verstärkte. In ihrer Laufbahn arbeitete Swoboda auch bei derVorarlberger Tageszeitung,Wienerin,Trend, und derGanzen Woche. Ihren Wechsel zurKrone erklärte Swoboda derNeuen einmal so: „Für elitäre Magazine zu schreiben bedeutet auch, nur von einem elitären Kreis gelesen zu werden. ,Eine Krot zu schlucken’ hat man überall.“ Am Mittwoch starb die Journalistin nach kurzer, schwerer Krankheit.

Erinnerung an die Neue in der KURIER-Sonntagredaktion

Es war in den 80er Jahren und das kleine Team des Sonntag-KURIER suchte einen neuen Porträtschreiber. Was damals nicht irgendein Job war. Das war schlicht der Job beim Sonntag, das Aushängeschild der Ausgabe. Und während wir noch nachdachten, wer von uns in Frage kommen könnte, war ganz plötzlich sie da: Klein, zart, quirlig, mit Vorarlberger Akzent. „Ich bin die Marga und soll jetzt das Porträt der Woche schreiben“, sagte sie, strahlte jeden an, wuselte weiter und ließ eine Männerrunde recht ratlos zurück.

Naja, und dann kam das, was in solchen Fällen immer kommt: Die Frage, ob sie das wirklich stemmen könne und ob ihre Schreibe auch gut genug wäre. Die Antwort bekamen wir freilich umgehend, als wir die ersten Manuskripte lasen: Ja, sie schaffte es stets, interessante Gesprächspartner zu finden. Ja, sie konnte schreiben. Und nicht nur das: Waren wir bisher eher einen rotzig-frechen Stil gewohnt, so überraschte Marga mit klaren Sätzen, die nie an Wärme und Gefühl missen ließen und trotzdem nicht gefühlsduselig wirkten. Die KURIER-Leser honorierten die einfühlsamen Beschreibungen und später auch ihre KURIER-Kolumne „Stille Post“ – in dieser Zeit kratzte der KURIER an der Millionen-Leser-Grenze. Adieu Marga.