v.l.n.r im Vordergrund: Ex - ORF-Generalintendant Gerd Bacher, Peter Huemer und Peter Bochskanl (Präsident Concordia).

© APA/HERBERT PFARRHOFER

Auszeichnung
04/24/2014

Gerd Bacher und Josef Barth mit Concordia-Medienpreisen ausgezeichnet

Petra Ramsauer erhielt Preis für Menschenrechte und wies auf die "nicht mehr erträgliche" Situation für Auslandsjournalisten hin.

Kriegsreporterin Petra Ramsauer, Josef Barth und das Team des "Forum für Informationsfreiheit" sowie der ehemalige ORF-Generalintendant Gerd Bacher wurden am Donnerstag im historischen Sitzungssaal des Parlaments mit den Concordia-Medienpreisen ausgezeichnet. Den Ort der Verleihung nutzte nicht nur Barth als Bezugspunkt in seiner Rede, in der er sich vehement für ein Transparenzgesetz aussprach.

Als "Mensch mit Widerspruch" bezeichnete der Publizist Peter Huemer den Empfänger des Preises für das Lebenswerk: Der dreimalige ORF-Generalintendant Bacher habe das heutige Erscheinungsbild des Senders maßgeblich geprägt. "Er hat ganz bewusst den Eindruck erweckt, er wolle mit dem Kopf durch die Wand. Genau so wollte er gesehen werden. Gleichzeitig kannte er aber die österreichische Realverfassung und wusste, dass er nicht mit dem Kopf durch die Wand kommt. Jedenfalls meistens."

Ohne praktische Vernunft hätte Bacher schließlich nichts bewegen können. "Aber genau darum ging es ihm: etwas bewegen", wie Huemer darlegte. Mit dem ORF habe Bacher viel zur Veränderung des Landes beigetragen. Zum Schluss kam Huemer, der auch Teil der "Arbeitsgruppe ORF-Reform" war, auf die aktuelle Situation des Medienunternehmens zu sprechen: "Der ORF kann nur überleben, wenn er im Konkurrenzkampf seinen Auftrag als öffentlich-rechtliches Medium wirklich ernst nimmt." Andernfalls verliere er seinen Sinn und den Gebührenanspruch. "Wenn er weg ist, werden wir wissen, was wir verloren haben."

Preis für transparenzgesetz.at

Beinahe philosophisch mutete Alfred Nolls Laudatio auf Barth und das "Forum für Informationsfreiheit" an. Sie wurden für ihre Initiative transparenzgesetz.at mit dem Concordia-Preis für Pressefreiheit ausgezeichnet. Der Medienexperte und Rechtsanwalt Noll illustrierte das "elementare Recht auf Wissen, freie Rede und Information" aller Bürger. Anstatt Transparenz und Offenheit sei aber die Demokratie in Österreich "von der abgestanden Luft des Amtsgeheimnisses geprägt". Geheimnisse widersprechen letztlich "jeglicher demokratischen Ethik und zerstören den demokratischen Prozess".

"Wir hätten nicht damit begonnen, hätten wir nicht das Gefühl gehabt, zu müssen", skizzierte Barth im Anschluss den Antrieb zur Initiative. Zwar habe man zum Start vor gut einem Jahr positive Signale der Regierungsparteien erhalten, allerdings sei danach nichts mehr passiert. "Österreich ist eine Informationsmonarchie", wobei die Auskunft nicht nach rechtlichen, "sondern vielmehr soziologischen Regeln" erfolge. "Und Informationskontrolle ist Machtkontrolle", betonte Barth, gerade weil auch Information "politisch gefiltert" werde. Letztlich sei es eine gewisse Ironie, dass im historischen Sitzungssaal das Amtsgeheimnis in die Verfassung geschrieben wurde und nun hier jene geehrt werden, "die es abschaffen wollen".

Kategorie Menschenrechte an Petra Ramsauer

Krisen- und Kriegsreporterin Ramsauer wurde in der Kategorie Menschenrechte ausgezeichnet. Ihr gelinge es mit ihren Reportagen "den Blick auf das vermeintlich Kleinere zu lenken", wie ORF-Journalistin Cornelia Vospernik in der Laudatio festhielt. Ihre Texte würden zeigen, "dass der Zusammenbruch von Ordnung immer mit dem Zusammenbruch von Menschenrechten einhergeht". Ramsauer selbst, für die es als freie Journalistin "ungewohnt ist, Feedback zu bekommen", freute sich über diese Bestätigung ihrer Arbeit.

Gleichzeitig wies sie aber darauf hin, dass sich die Auslandsberichterstattung seit Beginn der Medienkrise in einer mittlerweile "nicht mehr erträglichen" Situation befinde. Schließlich koste sie viel Zeit und Geld, wobei scheinbar immer weniger Medienhäuser zu diesen Investitionen bereit seien. Ramsauer sprach sich vehement gegen Lohndumping bei freien Journalisten aus und schlug außerdem eine Koppelung der Presseförderung für jene Medien und Redaktionen vor, die sich dem Auslandsjournalismus annehmen.

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