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Fiktiver Spot
08/25/2013

Klein Hitler wird vom Auto überfahren

Filmstudenten lassen in einem inoffizieller Mercedes-Spot den kleinen Adolf Hitler überfahren.

Auf den ersten Blick könnte man denken es ist die neue Werbekampagne von Mercedes. Eine ihrer Nobelkarossen fährt durch ein kleines Dorf in Österreich. Dank der intelligenten Bremshilfen, bremst das Luxusauto vor einer Gruppe spielender Kinder selbstständig ab. Doch das nächste Hindernis will das Auto nicht erkennen.

Eine kleiner Bub rennt mit einem Luftballon in der Hand durch das idyllische Land - bis er vom Mercedes angefahren wird und regungslos liegen bleibt. Die Mutter schreit nur "Adolf" und läuft auf ihn zu. Das Auto fährt einfach weiter und verlässt die Ortschaft, bei der es sich laut dem Schild um Braunau handelt.

MCP from dath - Tobias Haase on Vimeo.

Kreiert haben den "unautorisierten Spot" der Jung-Regisseur Tobias Haase, der zusammen mit Lydia Lohse, Holger Bergmann, Gun Aydemir, Jan Mettler und Helmar Jungmann das kurze Filmchen als Abschlussarbeit an der Filmakademie Baden-Württemberg präsentierten. "MCP" tauften sie ihn und mussten auf Druck des Stuttgarter Autohersteller etliche Hinweise in den Spot einbauen, dass es kein offizieller Mercedes-Clip ist.

"Ich verstehe das", sagte Regisseur Tobias Haase der Nachrichtenagentur dpa. "Es hat dem Film aber auch nicht geschadet, auch wenn er vorher schöner war." Der Werbespot ist für den Deutschen Nachwuchspreis First Steps nominiert, den Mercedes-Benz unterstützt.

Mercedes distanziert sich

Mercedes-Benz distanziere sich ausdrücklich vom Inhalt des Spots, erklärte Daimler auf dpa-Anfrage. "Wir sind der Überzeugung, dass es unangemessen ist, den Tod eines Menschen beziehungsweise eines Kindes sowie Inhalte mit einem Bezug zum Nationalsozialismus in einem Werbespot zu verwenden." Dass es sich dabei um eine fiktive Werbung handle, sei unerheblich. In das Video mussten die Macher daher Hinweise wie "Unautorisierter Spot! Keine Verbindung zu Mercedes-Benz / Daimler AG" einfügen.

Zwiespältige Reaktionen

Im Netz löste der Spot zwiespältige Reaktionen aus: Nutzer der Videoplattform Vimeo, auf der der Film zu sehen ist, bezeichnen ihn als "nicht witzig" und "deutliche Kaltschnäuzigkeit". Andere loben den Film als "geniales Stück" oder schlichtweg "großartig". Offen bleibt die Frage: Darf man mit Hitler Werbung machen - und in einem Film ein unschuldiges Kind überfahren lassen?

Zumindest sollten sich deutsche Autobauer in Sachen Werbung mehr trauen, findet Macher Haase. "Es gibt unglaubliches Potenzial, tolle Filme zu machen, aber die Firmen wollen zumeist ihre technischen Neuerungen gezeigt haben. Das ist langweilig", sagte er.

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