Adele Neuhauser und Harald Krassnitzer beim Dreh in Mautern

© ORF/Hubert Mican

Lokalaugenschein
04/23/2014

Ein Altersheim als "Tatort"

Ihr neuer Fall führte Adele Neuhauser und Harald Krassnitzer ins beschauliche Mautern.

von Karl Oberascher

Wie ein Symbol steht das Haus mit der Nummer 7 am Mautner Hauptplatz. 15 Jahre schon steht es leer. 15 schwierige Jahre – auch für das 1800-Seelen-Dorf in der Obersteiermark. "Die Jungen ziehen alle ins nahe gelegene Graz", erklärt Bürgermeister Andreas Kühberger die Situation. 30 Abgänge müsse er jedes Jahr verkraften.

Vergangenen März kam noch einer dazu – zumindest vor den Fernsehkameras: Im zum Altersheim umfunktionierten Haus mit der Nummer 7 rief eine Leiche die österreichischen "Tatort"-Ermittler Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) auf den Plan. Ihn ihrem elften gemeinsamen Fall "Paradies" (2015 im ORF) ermitteln die beiden unter der Regie von Harald Sicheritz gegen kriminelle Senioren – mit dabei ist auch Peter Weck, der dafür erstmals nach dem Tod seiner Frau vor bald zwei Jahren wieder vor der Kamera stand.

Auf Busfahrten nach Ungarn schmuggeln die Pensionisten Drogen über die Grenze, um sie an die Heimbewohner zu verkaufen und sich so ein kleines Zubrot zu ihrer Rente zu verdienen.

Das durch die längst abgewanderte Schwerindustrie geprägte Dorf im Liesingtal hält Harald Krassnitzer dabei für das ideale Motiv. "Wir wissen ja, dass das ein Tal ist, das es nicht einfach hat, wir wissen, was hier einmal war und was nicht mehr ist." Der Kontext der Altersarmut wird mit dem beschaulichen Dorf in der Obersteiermark gleich mitgeliefert.

Dass sich die beiden Ermittler auch in "Paradies" wieder einem gesellschaftlich relevanten Thema annehmen, ist für den Publikumsliebling, der wie seine Kollegin Adele Neuhauser auch bei der diesjährigen ROMY nominiert ist, dabei ganz natürlich: "Jede Form von Kriminalität ist ja in eine gewisse gesellschaftliche Situation eingebettet. Ob das nun Prostituion, Menschenhandel oder Geldgeschäfte sind."

Einzelfall mit System

Krassnitzer selbst erhebt auch gar nicht den Anspruch, einen sozialkritischen Fall daraus zu machen. "Wir machen ja auch hier wieder nur eine punktuelle Beleuchtung. Diesmal eines Altenwohnheims, das eben zufällig in Mautern ist. Wir sind dann aber natürlich froh, wenn es diese Assoziationen gibt", sagt der 53-Jährige augenzwinkernd.

Besonders gut gelang das zuletzt mit der Episode "Angezählt", die Anfang April mit dem deutschen Grimme-Preis ausgezeichnet wurde. Darin stiegen Bibi Fellner und Moritz Eisner tief in die Wiener Sexindustrie ab. Für das Drehbuch zeichnete Martin Ambrosch verantwortlich.

Der Fall geht der Adele Neuhauser bis heute nahe, wie sie im Gespräch mit dem KURIER verrät. "Da bin ich froh, dass diese Geschichte in Mautern etwas ruhiger ist."

Von der Brisanz des Themas ist aber auch die 55-Jährige überzeugt: "Einerseits leben wir doch in einem sehr reichen und geschützten System, andererseits ist Altersarmut verbreiteter, als man denkt. Ich empfinde es wirklich als unsere Pflicht, brisante Themen aufzugreifen und sozialkritisch damit umzugehen." Eine bessere Plattform als den "Tatort" gebe es dafür gar nicht.

Und was erhofft sich Bürgermeister Kühberger vom Besuch dieser TV-Institution in seiner Gemeinde? "Einen Aufschwung für unser Mautern". Es wäre nicht der erste Verdienst des österreichischen "Tatorts".

Tipp: Ostermontags-"Tatort"

Am Ostermontag wird in Luzern ermittelt. In "Zwischen zwei Welten" untersucht Kommissar Reto Flückiger (Stefan Gubser) den Mord an der spirituellen Heilerin Donna Müller. ORF 2 und ARD, 20.15 Uhr.

KORREKTUR: In der ursprünglichen Version des Artikels wurde Uli Brée als Drehbuchautor für "Angezählt" geführt. Tatsächlich zeichnete jedoch Martin Ambrosch für das Grimme-Preis-geehrte Drehbuch verantwortlich. Uli Brée schrieb das Drehbuch zum neuen Tatort "Paradies".

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