Disney-Filme vermitteln verklärtes Bild von Armut

© Bild: Walt Disney Studios Home Entertainment Austria

Es wird eine falsche Botschaft sozialer Ungleichheit verbreitet.

Der Vorwurf, Disney-Filme würden Kindern unrealistische Vorstellungen von Liebe vermitteln und dadurch Mitverantwortung an erwachsenen Dauersingles tragen, ist wohl so alt wie die Filme selbst. Laut einer Studie der Duke University in North Carolina ist das aber nicht der einzige Aspekt, der an den Filmen kritisiert werden sollte. Diese würden Kindern ein falsches Bild von Armut, sozialer Ungleichheit und Aufstiegschancen vermitteln, so das Ergebnis.

Im Rahmen der Untersuchung haben sich die drei Soziologinnen Jessi Straub, Miryea Ayala und Colleen Wixted 36 Filme von Disney und Pixar angesehen, die jeweils mehr als 100 Millionen Dollar eingespielt haben. Darunter befanden sich unter anderem Klassiker wie "Mary Poppins" oder "Schneewittchen und die sieben Zwerge". Insgesamt wurden 100 Haupt- und Nebencharaktere in den Filmen auf ihre Zugehörigkeit zu einer sozialen Schicht untersucht.

Legitmation sozialer Ungleichheiten

Das Ergebnis: Nur vier Prozent von ihnen stammen aus ärmlichen Verhältnissen. In der Realität leben aber 25 Prozent der amerikanischen Kinder in Armut. 16 Prozent der Filmfiguren sind laut Studienergebnis der Arbeiterklasse zuzurechnen, 55 Prozent der Oberschicht oder der oberen Mittelschicht. In Amerika gehören aber nur rund 15 Prozent der Bevölkerung zur Oberschicht oder oberen Mittelschicht.

Somit sind arme Menschen und Menschen aus der Arbeiterklasse in Disney-Filmen unterrepräsentiert, wodurch die Realität in diesen verzerrt dargestellt wird, so die Soziologieprofessorin Jessi Streib. Sie kritisiert zudem, dass Kindern in den Filmen vermittelt wird, dass Armut nicht schlimm sei. Dadurch werden vorherrschende soziale Ungleichheiten als legitim eingestuft und sogar verfestigt.

Der Mythos des "Amerikanischen Traums"

Außerdem würden die Filme den Mythos des "Amerikanischen Traums" reproduzieren und Kindern vermitteln, dass sie den sozialen Aufstieg schaffen können, wenn sie sich nur genug dafür anstrengen. "Es geht darum, dass Ungleichheit als unproblematisch dargestellt wird", so Streib auf dem Forschungsblog der Duke University. "Arm zu sein ist kein großes Ding. Der Arbeiterklasse anzugehören macht dich glücklich. Jeder der vorankommen möchte, ambitioniert ist und einen guten Charakter hat, wird es schaffen. Und die reichen Menschen sind für alle anderen da. Offensichtlich ist das nicht, wie die Welt funktioniert."

Zum Schluss der Studie wird festgehalten, dass es schwierig ist, Armut in Kinderfilmen zu thematisieren. Denn einerseits sollte in diesen die Realität nicht verzerrt dargestellt werden, andererseits die Kinder aber auch nicht entmutigt werden.

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( kurier.at , elmo ) Erstellt am 15.03.2016