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Kuppel-Show
07/19/2013

"Catch the Millionaire": Alles für den Schein

TV-Kritik: Schein zählt mehr als Sein. Es geht um Geld und um Trash-TV.

von Karl Oberascher

18 Frauen, einkaserniert in einer Villa, und ein Millionär. Kommt ihnen irgendwie bekannt vor? "Catch the Millionaire" feierte zwar erst gestern auf ProSieben Premiere – ist aber bereits so alt wie der Nudelsalat von vorgestern – und riecht dabei auch noch streng nach Trash-Format. ProSieben hat für seine neue Serie einfach RTLs „Bachelor“ kompostiert.

Falsche Prinzen

Statt neuem Nährboden für clevere Unterhaltung, erblühte gestern aber wieder nur der gewohnte Trash. Einzige Neuerung: Die Damen müssen diesmal aus drei vermeintlichen Millionären wählen – nur einer ist der Prinz – zwei bleiben Frösche. Immerhin.

Neben originellen Einfällen ließen zum Start übrigens auch die Quoten zu wünschen übrig. Nur 940.000 der 14- bis 49-Jährigen wollten die Kuppel-Show in Deutschland sehen. Das entspricht einem Marktanteil von 10,8 Prozent und liegt damit sogar unter dem neuen Reality-Format „Wild Girls“ von RTL, das ebenfalls enttäuschte.

Schein(e)

Dennis (der echte Millionär) will seine erste Million mit 25 oder 26 erwirtschaftet haben. So genau weiß er das nicht mehr. Sehr glaubwürdig – ProSieben wird sich doch wohl nicht auch noch das unrühmliche Ende der RTL-Show abgekupfert haben? Damals soll sich der Original-Bachelor Marcel als Schein-Millionär herausgestellt haben.

"Die richtige Frau fürs Herz zu finden fällt mir genauso schwer wie jedem anderen auch", weiß Self-Made-Mann Dennis jedenfalls ein Klagelied zu singen. Ein Glück, dass er auf seiner "emotionalen Reise" in ein "verschlafenes Dorf in der Toskana" zwischen 18 Frauen wählen kann, die natürlich allesamt die wahre Liebe suchen.

"Geld ist geil, weil Geld glücklich macht"

Womit wir bei den Kandidatinnen wären: Vom Model zur Messehostess über die Hairstylistin (Isabell: „Ich bin ein liebenswertiger Mensch“) zur Betriebswirtin mit Nebenberuf Gogo-Tänzerin war eine breite Palette an Schönen-Schein-Berufen abgedeckt.

Programmierte Zickenkriege natürlich inklusive. Die gehören ja mittlerweile zum guten Ton eines jeden Unterhaltungs-Formats mit Trash-Ambitionen. Die auf Konflikt gecasteten Frauen ließen sich dann auch nicht lange bitten. Mit Almira und Melanie gingen sich nach der ersten Entscheidung (sechs Damen wurden in Folge eins nach Hause geschickt) schon die ersten beiden "Ladies" an den Kragen.

Die Chauvi-Falle

Neben den Kandidatinnen könnten diesmal auch die Herzbuben für Zündstoff sorgen. Und das nicht nur, weil Medien und Publikum mittlerweile sensibler auf Sprüche wie "Sie ist eine Kandidatin, die ich auf meiner inneren Checkliste etwas höher positionieren werde" reagieren, als das noch beim Original-Bachelor Anfang der Nullerjahre der Fall war. Freilich ist die Alternative zu allzu offensichtlich auf äußere Werte abgestimmte Sager auch nicht besser. Wenn Millionär Dennis von der großen wahren Liebe spricht, möchte man ihn am liebsten an seinem Polo-Kragen packen und ordentlich wachschütteln.

Die Vorschau zur nächsten Sendung (Donnerstag, 26. Juli, 20.15) lässt darüber hinaus auch unter den Männern erste Unstimmigkeiten und Eifersüchteleien erahnen, wenn sich einer der falschen Millionäre mit einer Kandidatin zurückzieht. Leider der interessenteste Aspekt eines ansonsten farblosen Konzepts.

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