Wehrhafte Trafikantin: Frau D. geht mit der Glock arbeiten

© ORF

Hochrüstung
09/04/2014

Bewaffnete Österreicher: Bericht aus dem Schießkeller

Herr und Frau Österreicher sind manchmal bis auf die Zähne bewaffnet. "Am Schauplatz" berichtet von der privaten Front.

von Philipp Wilhelmer

Was steckt hinter der Leidenschaft am Schießen? Wer sind die Waffensammler und Hobbyschützen? Rambos? Verängstigte Bürger? Fanatiker oder einfach Realisten? Waffenfans stehen nicht gern vor der Kamera. "Am Schauplatz"-Reporterin Kim Kadlec ist es für die Reportage "Die Waffen hoch" (21.05 Uhr, ORF2) trotzdem gelungen, einen Einblick in die Szene zu erhalten.

Etwa beim Floridsdorfer Herbert R., der sich nach einem Stück Freiheit sehnt und daher am Wochenende in Cowboy-Montur als Wyatt H. auftritt. Seinen Traum vom Wilden Westen trägt er beim "Cowboy Action Shooting" aus. Warum die Leute Angst vor Waffen haben, versteht er nicht. Für ihn ist der Schießplatz "der sicherste Ort der Welt." Das Auto sei "eine gefährlichere Waffe als eine Pistole".

Auch Frau D. hat hochgerüstet: Die Trafikantin im 15. Bezirk trägt bei der Arbeit eine geladene Glock-Pistole. Ihre Bewaffnung sei der Grund, warum es in ihrer Trafik noch nie einen Überfall gegeben habe, ist Frau D. überzeugt. Skrupel, einen Angreifer zu verletzen, hat sie nicht, wie sie dem "Schauplatz"-Team sagt: "Warum soll mir der leidtun? Tu ich ihm etwa leid?", fragt sie. Sie würde ohne zu zögern feuern, wenn sie oder eine ihrer Mitarbeiterinnen bedroht würden, sagt Frau D. Im Ernstfall laute die Frage "Mein Leben oder seines?"

Mehr als 830.000 registrierte Waffen finden sich offiziell in Österreichs Privathaushalten. Die Dunkelziffer gehe in die Millionen, glauben Experten. In Wien nimmt die Anzahl der Anträge auf waffenrechtliche Dokumente seit Jahren zu. Das habe mit der Unsicherheit in der Bevölkerung zu tun, glaubt Waffenverkäufer Michael F.: Dass sich Leute bewaffnen, findet er gut. "Es ist vernünftiger, sich vorher Gedanken zu machen, als im Affekt zu sagen, jetzt habe ich nichts zu Hause und deshalb ist meine Frau gestorben oder mein Kind entführt worden."