Die in den letzten Jahren erstarkende Marktposition der Gratiszeitungen hinterlässt Spuren.

© KURIER/Franz Gruber

Medienstudie
09/21/2015

Qualitätsprobleme auf dem Boulevard

Die tagesaktuelle Information in Österreichs Medien erhält großteils ein positives Zeugnis.

von Christoph Silber

Über nichts wird in der österreichischen Medienbranche so gern debattiert wie über die Qualität des Journalismus. Nun gibt es mit der Studie "Qualität des tagesaktuellen Informationsangebots in den österreichischen Medien" den Versuch, dieser Debatte einen wissenschaftlichen Boden zu geben.

Bei deren Präsentation am Montag stellt Studien-Autor Josef Seethaler vom Institut für Medien- und Kommunikationsforschung der Akademie der Wissenschaften fest: "Der österreichische Journalismus sieht sich generell der Qualitätsnorm verpflichtet."

Die Ausnahme ist der von der Politik mit Inseraten-Millionen gefütterte Boulevard. Seethaler: "Bedauerlicherweise sind die Boulevardmedien bei fast allen Qualitätsindikatoren im unteren Drittel bis Viertel anzusiedeln, sodass hier ein Nachhol- und Nachdenkbedarf besteht."

Defizit

Die im Auftrag der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH erstellte Studie nennt hierzu heute, Krone, Österreich und oe24.at. Sie hält auch fest, hier könne von einem "Qualitätsdefizit gesprochen werden, das durch die in den letzten Jahren erstarkende Marktposition der Gratiszeitungen verstärkt worden ist."

Für die Studie wurden 36 österreichischen Medien aus Print, TV, Radio und Online. Insgesamt wurden über 25.000 Beiträge an 24 zufällig ausgewählten Tagen des Jahres 2014 analysiert.

In den in der Qualitätsforschung unbestrittenen Kriterien wie Urheber- und Quellentransparenz ist der KURIER sehr gut platziert. In der Kategorie Meinungsvielfalt liegt der KURIER sogar an der Spitze. Positiv fiel die Studie auch punkto Objektivität aus. "Das journalistische Selbstverständnis definiert sich in Österreich zu einem Großteil über die Objektivitätsnorm", berichtete Seethaler. Top platziert sind da gleich acht Programme des ORF.

Seethaler mahnte aber auch ein, größeres Augenmerk auf den Austausch und die Beteiligung ihrer Konsumenten zu legen. Als positives Beispiel nannte Seethaler Kronehit. An der Spitze liegt hier ATV.