Wirtschaft 23.03.2012

Athen: Wenig Sonne für Helios-Projekt

Das sonnige Hellas soll mit Solarstrom-Exporten gutes Geld verdienen. Potenzielle Investoren sind äußerst skeptisch.

Die Sonne Griechenlands knallt rund 300 Tage auf die kargen hellenischen Böden. Dieser Sonnenreichtum macht das Land zu einer der beliebtesten Tourismusdestinationen der Welt. Was liegt aber näher, als dieses Potenzial auch energetisch zu nutzen?

Bisher fristet die Stromgewinnung aus Sonnenenergie (Fotovoltaik) in Griechenland ein Stiefmütterchendasein. Von den rund 10.000 Megawatt Energieleistung des Landes, entfallen gerade einmal 500 Megawatt auf Fotovoltaik. Mehr als 50 Prozent des Stromverbrauchs wird mit veralterten Braunkohle-Kraftwerken erzeugt.

Ein ehrgeiziges Großprojekt soll nun das vorhandene Potenzial nutzen. Der programmatische Namen: Helios, der Sonnengott der griechischen Mythologie. 10.000 Megawatt Strom sollen produziert werden und, so der Plan, zu einem Gutteil ins EU-Ausland exportiert werden. Vornehmlich nach Deutschland, das gemeinsam mit Griechenland an dem Projekt bastelt. Hintergrund: Athen braucht dringend frische Einnahme- und Berlin, wegen des geplanten Atomausstiegs, neue Energiequellen.

Investoren

Für die Umsetzung des 20-Milliarden-Euro-Projekts wird um Investoren geworben. Auch in Österreich. Auf einer Info-Veranstaltung der Außenwirtschaft Österreich wurde Helios am Freitag in Wien vorgestellt. Die zum Teil widersprüchlichen Darstellungen des Projektes von griechischen Vortragenden warfen leider mehr Fragen auf, als sie beantworten konnten.

In zahlreichen Wortmeldungen aus dem Publikum war die Skepsis potenzieller Investoren heraushören. „Zu wenig Planungssicherheit“, hieß es vielfach. Auf Fragen wie: „Wo liegen die Strom-Einspeisetarife und wie lang werden sie garantiert? Mit wem werden die Verträge abgeschlossen? Was passiert, wenn die Drachme wieder eingeführt wird?“, konnten kaum zufriedenstellende Antworten gegeben werden.

Griechenlands Umweltminister Giorgos Papakonstantinou gab sich in der Vorwoche dennoch zuversichtlich. Noch heuer sollen alle administrativen Vorbereitungen abgeschlossen sein, Ende 2013 die erste Solaranlage stehen. „Um zu zeigen: Es funktioniert.“ Ein Gesetz für einfachere Genehmigungen werde „in diesen Wochen“ verabschiedet, versicherte Papakonstantinou.

( Kurier ) Erstellt am 23.03.2012