Athen: Stromexport ohne Leitungen

AP** ARCHIV ** Ein Arbeiter kontrolliert einzelne Modulverschraubungen auf dem Dach der Neuen Messe in Freiburg am 13. November 2000. Dort steht das groesste Solarkraftwerk Baden-Wuerttembergs. Auf einer Gesamtmodulflaeche  von ueber 3.700 Quadratmetern
Foto: AP

Das staatliche Solarstromprojekt Helios soll Griechenlands Staatskassen füllen. Ein Teil des Stroms wird "statistisch" exportiert.

Die griechische Regierung setzt große Hoffnung auf das staatliche Solarstromprojekt Helios. Das Projekt werde "etwa 60.000 Arbeitsplätze schaffen", sagte der zuständige Energieminister George Papakonstantinou der Zeitung Die Welt in ihrer Ausgabe von Montag. Er rechnet außerdem damit, dass Athen aus dem Verkauf von Solarstrom "bis zu 15 Milliarden Euro an Staatseinnahmen erlösen kann, die zum Schuldenabbau verwendet werden können". EU-Energiekommissar Günther Oettinger lobte das Programm bereits im Vorfeld: "Helios ist eine Riesen-Chance für Griechenland und andere EU-Länder. Für Griechenland, weil es Jobs und Wachstum bringen wird. Für die mittel- und nordeuropäischen Länder, weil sie Solarenergie kostengünstig importieren können."

Über Helios sollen 10.000 Megawatt Strom produziert werden und, so der Plan, zu einem Gutteil ins EU-Ausland exportiert werden. Griechenland selbst will geradeeinmal zehn Prozent der erzeugten Energie selber nutzen. Das Problem: Für den Export fehlen Hochspannungsleitungen über den Balkan und die Alpen. Die Lösung: Ein Teil des im Land erzeugten Stroms soll "statistisch" exportiert werden.

Statistischer Export

"Etwa zehn Prozent werden wir nur statistisch exportieren", sagte der Minister. "Das ist das erste Mal, dass jemand von der Möglichkeit des virtuellen Exports Gebrauch macht", so Papakonstantinou gegenüber der Welt.

Wie das funktioniert? "Die Energie wird in Griechenland verbraucht, aber in der Energiebilanz der Käuferländer berücksichtigt", erklärt Papakonstantinou. Eine EU-Verordnung aus dem Jahr 2009 ermöglicht diesen Kunstgriff und könnte die Klimabilanz bestimmter europäischer Länder aufbessern.

"Wir sind in Gesprächen mit Italien und Luxemburg", bestätigte Papakonstantinou. "Und auch mit Deutschland, das seine Ziele zwar erreicht, das aber die Chance sieht, seine Energiekosten durch den Import griechischen Solarstroms zu senken, ob der nun physisch oder statistisch geschieht."

Noch ist Helios freilich nur ein Projekt. Aber Griechenland drückt aufs Gas: Bis Ende 2013 soll die erste Anlage mit 300 Megawatt in Betrieb gehen. Das Hauptproblem ist laut dem Energieminister "die Projektfinanzierung". "Aber mit den Abkommen, die wir schließen, ist das Risiko des Investors kein griechisches, sondern ein deutsches oder italienisches, weil dort die Energie verbraucht wird."

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(apa, rts / js) Erstellt am
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