Athen: Juncker gesteht Fehler ein

Jean-Claude Juncker
Foto: APA OLIVIER HOSLET Bei Griechenland wäre es "logischer gewesen, von Anfang an auf Wachstum zu setzen", so Jean Claude Juncker.

Bei der Rettung Griechenlands habe man sich zu sehr auf die Sanierung des Haushalts versteift, räumte der Eurogruppenchef ein.

Die Eurozone hat sich nach Worten von Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker bei der Lösung der Schuldenkrise in Griechenland zu sehr auf die Sanierung des Staatshaushalts konzentriert und zu wenig auf Wachstum. "Ich denke, wir haben dem Aspekt des Wachstums nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt", sagte Juncker der griechischen Zeitung Kathimerini vom Sonntag.

Griechenland befinde sich im fünften Jahr der Rezession, deshalb wäre es "logischer gewesen, von Anfang an auf Wachstum zu setzen". Er bedaure die Verschlechterung der Lebensbedingungen in Griechenland. Weitreichende Lohn- und Pensionskürzungen, die Griechenland seit 2010 von der Eurozone und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) im Gegenzug für Finanzhilfen auferlegt wurden, haben die Rezession im Land weiter vorangetrieben.

Der IWF hatte am Donnerstag weitere Finanzhilfen für das hoch verschuldete Land im Umfang von 28 Milliarden Euro beschlossen und erklärt, Athen könne seine Ziele zur Schuldenreduzierung erreichen, wenn weiterhin am rigorosen Sparkurs festgehalten werde.

"Task Force": Tourismus wird 2012 „weniger gut"

Anfang März äußerte das Athener Kultur- und Tourismusministerium die Befürchtung, dass dieses Jahr etwa eine Million Touristen weniger Griechenland besuchen könnten als im Jahr davor.  Eine Einschätzung, die die EU-Task Force teilt. "Im vergangenen Jahr hat sich der Sektor sehr gut entwickelt. Für dieses Jahr sieht es weniger gut aus als 2011", sagte der Chef des EU-Expertenteams, Horst Reichenbach, dem Handelsblatt von Montag.

Möglicherweise zeigten dabei auch antideutsche Kampagnen in Griechenland Wirkung. "Die Zahl deutscher Touristen ist in der Tat rückläufig. Da mag die Stimmung im Land eine Rolle spielen." Die Entwicklung habe aber sicher auch damit zu tun, dass Nordafrika nach der Stabilisierung der Lage dort wieder als Reiseziel infrage komme.

Die Task Force will dem krisengeschüttelten Land helfen, seine am Boden liegende Wirtschaft wiederzubeleben. Außerdem soll der marode Staatsapparat mit Reformen auf Vordermann gebracht werden. Insgesamt hatte die "Task Force" 180 Projekte in den Sektoren Verkehr, Tourismus und Energie sowie Landwirtschaft ins Visier genommen. Dorthin könnten Gelder aus EU-Fonds fließen.

Reichenbach: Griechenland macht große Fortschritte

Reichenbach würdigte indes, dass das Land mit seiner Sparpolitik und dem jüngst nach monatelangem Ringen abgeschlossenen Schuldenschnitt das Fundament für Fortschritte gelegt habe. "Griechenland hat Einzigartiges geleistet. Man ist an die Grenzen dessen gegangen, was die Menschen zu tragen bereit sind." Große Fortschritte macht Reichenbach bei der Ausgabenkontrolle aus: "Die Fortschritte bei der Budgetkontrolle sind erstaunlich. Es gibt inzwischen erstmals einen kompletten Überblick über die Ausgaben des Landes, sowohl auf zentraler Ebene wie auch in den Regionen und im Lokalen."

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(apa, afp, dpa / js) Erstellt am
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