Wirtschaft 24.01.2012

Athen: Jeder vierte Euro vorbei am Fiskus

© Bild: KURIER/Reinhard Vogel

Schwarzarbeit ist in Griechenland nach wie vor ein großes Problem. Sie macht ein Viertel des Inlandsproduktes aus.

Griechenland hat noch viel Arbeit im Kampf gegen die ausufernde Schwarzarbeit: Das Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) in Tübingen schätzt, dass die Schattenwirtschaft fast 25 Prozent des offiziellen Bruttoinlandsprodukts ausmacht. "Das trägt mit Sicherheit zu den großen Problemen bei, die Griechenland auf der fiskalischen Seite hat", sagte IAW-Geschäftsführer Bernhard Boockmann.

Zum Vergleich: In Deutschland prognostizieren die Experten für dieses Jahr in ihrer jüngsten Studie eine Schattenwirtschafts-Quote von 13,4 Prozent. Unter Schattenwirtschaft versteht das IAW vor allem Schwarzarbeit, aber auch alle kriminellen Aktivitäten. Österreich ist, was die Schattenwirtschaft anbelangt europäischer Musterknabe: Mit einem BIP-Anteil von 7,9 Prozent wird nur in der Schweiz weniger gepfuscht als in Österreich (8,01 %).

Günstige Gegebenheiten für Schwarzarbeit

"In Griechenland gibt es viele Ausgangsbedingungen, die die Schattenwirtschaft begünstigen", sagte Boockmann. "Es gibt eine sehr komplexe Bürokratie und ein extrem komplexes Steuersystem. Um die vielen bürokratischen Hürden zu umgehen, führen viele ihr Unternehmen dann lieber illegal, anstatt es anzumelden."

Auch die Wirtschaftsstruktur in Griechenland sei ein Grund für die ausufernde Schwarzarbeit. "In Griechenland gibt es wesentlich mehr Selbstständige als in Deutschland. Vor allem gibt es sehr viele kleine Betriebe - und in diesem Bereich ist die Schattenwirtschaft sehr viel weiter verbreitet als in größeren Unternehmen."

Höhere Steuern – mehr Schwarzarbeit

Wenn die griechische Regierung nun zur Sanierung des Staatshaushalts Steuern und Abgaben erhöhe, leiste das der Schwarzarbeit aber zunächst einmal Vorschub. "Wenn die Abgaben auf den Faktor Arbeit erhöht werden, dann vergrößert sich die Schere zwischen Bruttoeinkommen und Nettoeinkommen - und damit steigt der Anreiz für Schattenwirtschaft", sagte der Volkswirt.

Entscheidend sei deshalb, dass Griechenland eine effektive Strafverfolgung für Steuersünder aufbaue und bürokratische Hürden für reguläres Arbeiten abschaffe. Allerdings habe das Land einen weiten Weg vor sich, um auf das Niveau anderer Industrienationen zu kommen. "Die Steuermoral der Menschen hat sich natürlich über viele Jahre entwickelt und etabliert. Da kann es lange dauern, bis Schattenwirtschaft in der Gesellschaft nicht mehr so stark toleriert wird."

Erstellt am 24.01.2012