AMS bietet Akademikern neue Kurse an

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Foto: KURIER/Jeff Mangione

Das Programm für Akademiker und Führungskräfte ist vorerst zeitlich begrenzt.

Nach massiver Kritik an den sogenannten Aktivierungskursen von Jobsuchenden (300 Beschwerden im Vorjahr) macht das AMS Wien diesen mit November den Garaus (mehr dazu lesen Sie hier). Für arbeitsuchende Akademiker kommt dafür ein neues Service: In einem Akademikerzentrum in Wien-Donaustadt werden Unikurse mit Wirtschaftsfokus und spezielle Betreuung für Personen mit Studienabschluss oder Führungserfahrung angeboten.

Zwar ist mit 3,4 Prozent der Anteil der Jobsuchenden unter Akademikern vergleichsweise niedrig, allein in Wien aber sind derzeit 7000 von ihnen auf der Suche nach einem Job. Das Angebot richtet sich sowohl an Studienabsolventen als auch an Menschen mit vergleichbaren Qualifikationen wie etwa langjähriger Führungserfahrung. Voraussetzung seien jedenfalls sehr gute Deutschkenntnisse, wie Thomas Wychodil, Geschäftsführer des Dienstleisters alea + partner, der das neue Programm mitentwickelt hat, sagt.

Controlling & Co.

Seit Dezember 2013 können sich Akademiker entweder für eine wirtschaftliche Fortbildung auf Uni-Niveau - kooperiert wird hier mit der Universität Graz - eine siebenwöchige Coaching- und Orientierungsbegleitung oder eine externe Fachqualifizierung bei einem anderen Anbieter entscheiden.

Beim AMS stehen Kurse in Controlling, Business Assistance, Vertriebsmanagement und Projektmanagement zur Auswahl. "In diesen Bereichen gibt es derzeit noch viele offene Stellen", erklärt Wychodil die Auswahl. 1,6 Millionen Euro lässt sich das AMS die spezielle Akademikerbetreuung kosten, das Programm läuft bis Februar 2015. Dann wird - je nach Erfolg - über eine Verlängerung entschieden.

Die Uni-Kurse dauern zehn Wochen. Um ein Zertifikat zu erhalten, müssen nicht nur Prüfungen absolviert, sondern auch eine Teilnahmequote erfüllt werden. Zusätzlich sollen die Jobsuchenden bei Bewerbungsaktivitäten unterstützt werden und sich gegenseitig sowie mit potenziellen Arbeitgebern vernetzen.

"Inzwischen könnte man fast Weiterbildungsservice statt Arbeitsmarktservice sagen."

Zwar ist der Fokus ein sehr wirtschaftlicher, doch wolle man sich auch an Juristen oder Geisteswissenschafter wenden, sagt Wychodil: "Die brauchen diese Unterstützung ganz besonders, um in der Arbeitswelt zu bestehen." Denn laut Franz-Josef Lackinger, Geschäftsführer des BFI Wien, gehört es inzwischen zu einer normalen Arbeitslaufbahn, drei- bis fünfmal das Berufsfeld zu wechseln. "Inzwischen könnte man fast Weiterbildungsservice statt Arbeitsmarktservice sagen."

Für SP-Sozialminister Rudolf Hundstorfer sind arbeitslose Akademiker aber nicht die einzige Baustelle: "Wir wollen uns besonders auf Menschen ab 50, die länger als sechs Monate arbeitslos sind, konzentrieren." Eine Investition von 100 Millionen Euro in diesen Bereich müsse nur noch vom Nationalrat abgesegnet werden. Grundsätzlich halte er viel von Schulungen, um der Arbeitslosigkeit entgegenzusteuern. "Natürlich hat es in der Vergangenheit Fehler gegeben, aber die muss man auch in der Relation zu österreichweit einer Million AMS-Kunden sehen".

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(apa / aho ) Erstellt am
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