Wirtschaft
07.06.2012

Altes Speiseöl wird zu Biodiesel

Das Wiener Familienunternehmen Münzer Bioindustrie hat ein eigenes Sammelsystem für Altöle kreiert.

Lebensmittel in den Tank." Diesem Vorwurf, mit dem sich Bio-Treibstofferzeuger seit Jahren konfrontiert sehen, will das Wiener Familienunternehmen Münzer Bioindustrie künftig entgehen. "Wir wollen vermehrt alte Speiseöle zur Erzeugung von Bio­diesel nutzen", sagt Firmenchef Ewald-Marco Münzer.

Schon jetzt produziert Münzer etwa ein Viertel des Biodiesels aus alten Speiseölen. Dafür hat das Unternehmen ein eigenes Sammelsystem kreiert: Lkw mit einer Supersauger-Einrichtung holen die Altöle aus den Sammelbehältern, die Münzer bei Großverbrauchern, Hotels und Gastro-Ketten aufgestellt hat, und liefern sie ins Münzer Biodieselwerk am Wiener Ölhafen in der Lobau. 5000 Tonnen Altöle und Fette pro Jahr verarbeitet Münzer schon jetzt. "Das sind etwa 500 Sattelschlepper voll Öl", erklärt der Firmenchef. Im Werk wird das Öl gereinigt und daraus Biodiesel produziert. Über eine Pipeline wird dieser Diesel dann direkt ins nahe gelegene Öllager der OMV gepumpt. Diese mischt den Biodiesel herkömmlichen Diesel bei. Der an Österreichs Tankstellen verkaufte Diesel besteht zu sieben Prozent aus Bio-Anteilen.

Münzer verwendet zur Produktion des Diesels neben den Altölen auch Raps und Soja. Insgesamt 140.000 Tonnen Biodiesel erzeugt das Werk pro Jahr. Gegenüber dem herkömmlichen Diesel wird damit 35 Prozent eingespart. Münzer: "Laut der neuen EU-Regelung müssen wir diese Einsparung nachweisen. Und wir dürfen nur zertifizierten Raps kaufen."

Wachstum

Das Potenzial bei der Nutzung von Altölen ist noch groß. Einer Studie der Universität Graz zufolge fallen im Jahr 60.000 Tonnen Altöle in Österreich an. Münzer will den Anteil dieser Öle an der Biodiesel-Erzeugung von derzeit einem Viertel in den nächsten Jahren auf die Hälfte steigern.

Er appelliert dazu an die Gemeinden, entsprechende Sammelsysteme einzuführen. Damit könnten sie auch Geld verdienen. Immerhin kostet die Tonne Altöl rund 500 Euro.

Die vermehrte Nutzung von Altstoffen zur Energiegewinnung unterstützt auch Landwirtschaftskammer-Präsident Gerhard Wlodkowski. Damit könnten teure Energieimporte ersetzt werden.