Alternativen zum teuren Sprit

AP** ARCHIV ** Ein Zapfhahn fuer Erdgas, aufgenommen am 14. September 2005 bei der Internationalen Automobil Ausstellung IAA in Frankfurt. Die Umruestung des eigenen Wagens auf Autogas zahlt sich im Schnitt erst nach 51.000 Kilometern aus. So lange dauere
Foto: AP Elektro- und Erdgasautos spielen in Zeiten wie diesen ihre Stärke aus.

Angesicht der hohen Treibstoffpreise gewinnen Strom- und Erdgasautos zunehmend an Attraktivität. Noch fristen sie aber ein Nischendasein.

Verwandtenbesuch zu Ostern in Innsbruck: Die Strecke von Wien bis in die Tiroler Landeshauptstadt beträgt 480 Kilometer. In Zeiten hoher Spritpreise ein finanzieller Jammer. Zwar schafft ein VW Golf die Distanz rein rechnerisch locker mit einer Tankfüllung. Die Praxis sieht jedoch anders aus, wie auch der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) weiß. "Pkw brauchen im realen Verkehr deutlich mehr Treibstoff, als die Hersteller versprechen", sagt VCÖ-Experte Markus Gansterer. "Bei den aktuell hohen Spritpreisen schlägt der Mehrverbrauch für Österreichs Autofahrer mit 740 Millionen Euro zusätzlichen Spritkosten im Jahr zu Buche." So wird auf der Autobahn nach Tirol mit einem VW Golf mehr verbraucht als vom Hersteller angegeben. Der Benziner benötigt einen Gutteil der Tankfüllung von 55 Litern. Das schlägt sich mit rund 70 Euro zu Buche.

Grafik Foto: KURIER

Der KURIER sucht daher nach Alternativen.

 - E-Auto In Österreich sind erst ein paar Hundert Stück zugelassen – kein Wunder. Die Preise sind hoch, die Technik steckt noch in den Kinderschuhen. Das mussten auch Tester des ÖAMTC zur Kenntnis nehmen. Sie fuhren vergangenen Sommer mit einem Mitsubishi iMiEV von Wien nach Tirol. Für die Reise benötigten sie 38 Stunden. Um häufiges Nachladen zu vermeiden (für maximal 160 Kilometer muss das Auto sieben Stunden an der Steckdose hängen), wurde auf Klimaanlage und Gebläse verzichtet. "Unsere Kleidung war waschelnass", berichten die Tester. Auch aufs Überholen wurde nach einem Versuch verzichtet. "Die Rest-Reichweite quittierte das Manöver mit Selbst-Halbierung." Wer die Geduld aufbringt, fährt freilich unschlagbar billig. Die Stromkosten für die 480 Kilometer betragen gerade einmal vier Euro.

 - Reichweitenverlängerer Um die genannten Probleme zu vermeiden, sind einige E-Modelle, wie etwa der Opel Ampera, mit einem sogenannten Range Extender ausgestattet. Bei niedrigem Akkustand wird die Batterie des E-Antriebs mit Benzin gespeist. So schafft der Ampera im Test der KURIER-Motorredaktion eine Reichweite von 546 Kilometern bei einem Verbrauch von 6,4 Litern/100 km. Das wären für die Strecke Wien–Innsbruck rund 50 Euro an Spritkosten.

 - Erdgas Eine weitere Alternative sind Erdgasautos. Neben besseren Umwelt-Werten als herkömmliche Verbrennungsmotoren, punkten diese mit niedrigen Betriebskosten. Ein Kilogramm Erdgas kostet derzeit rund 1,1 Euro. Eine Faustregel besagt, dass ein Kilo Erdgas 1,5 Litern Benzin oder 1,3 Litern Diesel entspricht. Der mit Erdgas betriebene Fiat Punto (70 PS) verbraucht laut Herstellerangaben 4,2 Kilogramm pro 100 km. Die Strecke Wien–Innsbruck kostet demnach rund 22 Euro. Aber auch bei Erdgasautos bringt der Praxistest zumeist weit höheren Verbrauch.

Nachteil sind die Anschaffungskosten. Der Erdgas-Punto kostet 15.400 Euro. Als Benziner bekommt man ihn um 3000 Euro, die Diesel-Variante um 500 Euro billiger. Unterm Strich rechnen sich Erdgasautos also vor allem für Vielfahrer.

Auch die Tankstellendichte ist mit rund 170 Standorten noch nicht berauschend. Wien–Innsbruck auf der Autobahn sollte aber kein Problem sein.

Spritpreise bleiben auf Rekordniveau

Am Dienstag erklommen die Spritpreise ihre Jahreshöchststände, bei Eurosuper sogar das Allzeithoch. Danach gab’s zwei Tage lang leichte Entspannung. Am Karfreitag ging es dann wieder munter nach oben – auch wenn die absoluten Rekorde nicht erreicht wurden. Der Liter Superbenzin kostete laut Autofahrerclub ARBÖ im österreichweiten Durchschnitt 1,51 Euro, Diesel 1,43 Euro – was wohl auch beim Festtagsessen für Gesprächsstoff sorgen wird.

Gemessen an den internationalen Großhandelspreisen sollte Superbenzin derzeit um sechs Cent billiger sein, Diesel um zwei Cent, meint ÖAMTC-Expertin Elisabeth Brandau. Das Problem sei, dass sich die Ölfirmen darauf verständigt hätten, sich am Großhandelspreis, der an einer Börse in Rotterdam festgesetzt wird, zu orientieren, sagt ARBÖ-Generalsekretärin Lydia Ninz. Der Wettbewerb zwischen den Tankstellen sei deshalb eingeschränkt. Ninz will aber nicht von Preisabsprachen reden.

Ölkreislauf

Warum sich die Tankstellenbetreiber im Gegensatz zu anderen Branchen für ihre Preise rechtfertigen müssen, sehen die Autofahrerclubs in der großen gesamtwirtschaftlichen Bedeutung begründet. "Öl ist ein Schlüsselprodukt, vergleichbar mit dem menschlichen Blutkreislauf", sagt Ninz. Die Festlegung eines amtlichen Höchstpreises sei trotzdem nicht zielführend, denn "dann verlangen alle nur den Höchstpreis".

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(kurier / Robert Kleedorfer, Markus Stingl ) Erstellt am
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