APA13299632-2 - 19062013 - WIEN - ÖSTERREICH: ZU APA 0240 SI - THEMENBILD - Illustration zum Thema "Alpine": Bauarbeiter gehen an einem Absperrzaun an dem einem Logo des Baukonzerns Alpine hängt am Mittwoch, 19. Juni 2013, auf einer Baustelle in Wien vorbei. Die Alpine Bau GmbH hat einen Insolvenzantrag eingebracht. Die Pleite dürfte rund 2.000 Jobs kosten. APA-FOTO: HELMUT FOHRINGER

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Tirol & Salzburg
06/30/2013

Alpine: Regionale Lösungen auch im Westen

Alpine-Pleite: Auch für Salzburg und Tirol konnten regionale Auffanglösungen gefunden werden.

Nach der Pleite des Baukonzerns Alpine wurden dem Gläubigerausschuss nun auch regionale Auffanglösungen für Baustellen in Tirol und Salzburg zur Genehmigung vorgelegt.

Die Hans Bodner Baugesellschaft hat ein Angebot für die Baustellen der Alpine in Tirol sowie den Industriebau in Salzburg gelegt. Der Tiefbau in Salzburg soll an die G. Hinteregger & Söhne Baugesellschaft gehen.

Bereits am Freitag hatte der Gläubigerausschuss für drei regionale Lösungen grünes Licht gegeben und die Angebote der oberösterreichischen Bauunternehmen Habau und Swietelsky sowie der Salzburger Hinteregger angenommen.

"Auch diese Vereinbarungen ermöglichen aus der Sicht der Masse eine optimale Verwertung des beweglichen Anlage- und Umlaufvermögens auf den erfassten Baustellen in Tirol und Salzburg", hieß es in dem Schreiben", teilte Alpine-Masseverwalter Stephan Riel am Sonntag in einer Aussendung mit.

"Aufarbeitung wird Jahre dauern"

"Ein solch fatales Desaster hat immer mehrere Gründe." Das sagte Arnold Schiefer, bis zuletzt Kurzzeit-Chef der insolventen Alpine, zur größten Pleite der Zweiten Republik Sonntagnacht im ORF-Fernsehen. "Die Aufarbeitung wird Jahre dauern." Als er die Alpine Anfang April übernommen habe, sei diese schon "klinisch tot gewesen". Der ehemalige Böhler-Uddeholm-Chef Claus Raidl meinte, in der Alpine habe es "offensichtlich schwere Managementfehler" gegeben.

Schiefer sagte, die Struktur der Alpine sei so verwoben gewesen, dass man "einzelne kranke Teile" gar nicht herauslösen habe können im Zuge der Rettungsversuche im April, als man noch eine 400-Millionen-Euro-Spritze bekommen hatte. "Es ist alles über Haftungen vernetzt gewesen. Es war nur alles oder nichts zu retten."

Kurze Hoffnung

Noch am 17. Juni habe es dann für eine neuerliche Rettung gut ausgeschaut. Banken hätten noch einmal 160 Mio. Euro zugesagt, die Garantien am Tag darauf ausgestellt. Nur dann kam die zugehörige Geldspritze - 200 Millionen Euro - aus Spanien nicht. "Die Spanier haben über Jahre Hunderte Millionen Euro investiert. Dann konnten sie nicht mehr - das Ergebnis sehen wir", so Schiefer.

"Schließlich haben wir die Lieferanten nicht mehr bezahlen können", so Schiefer. Die Aufarbeitung des "fatalen Desasters" werde mehrere Jahre dauern. "Im Management hat es Kontrollversagen, Selbstüberschätzung" gegeben"

Nun sei es wichtig, dass die Baustellen möglichst schnell weiterlaufen würden. Es sei realistisch, "in den nächsten Wochen, 60, 70 Prozent" der Alpine-Arbeiter weiterzubeschäftigen. Bei Großprojekten "appelliere ich an die großen Auftraggeber, die Nachfolgeunternehmen die Aufträge abarbeiten zu lassen", so Schiefer. Er hoffte, es werde nicht allzu viele Zulieferfirmen treffen.

Insgesamt sei er aber "zu kurz im Unternehmen gewesen", sagte Schiefer.

"Schwere Managementfehler"

Der ehemalige Böhler-Uddeholm-Chef Raidl sagte, "die Alpine ist nicht pleitegegangen, weil sie zu wenige Aufträge hatte, sondern offensichtlich schwere Managementfehler passiert sind." Bezüglich einer Anleihe der Alpine Holding in Höhe von 100 Mio. Euro, die 2012 begeben worden war, sagte Raidl: "Da wird es sicher noch Probleme geben. Für beteiligte Banken und die Firma selbst."

Er sprach sich gegen ein Konjunkturpaket für die "überdimensionierte Bauwirtschaft" aus, forderte vielmehr die Wiedereinführung der Zweckbindung der Wohnbauförderung.

In Sachen Auffanglösungen für die Alpine-Baustellen in den Bundesländern sagte der Chef der Gewerkschaft Bau-Holz, Muchitsch, "die steirische Lösung ist die Beste." Dort werden alle Alpine-Mitarbeiter vom Lehrling bis zur Angestellten übernommen.

Ungeklärte Zukunft

Die "große Frage" für Muchitsch ist allerdings, "was ist, wenn die Alpine-Baustellen dann abgearbeitet sind". Die österreichische Bauwirtschaft sei aber nicht überdimensioniert.

Hans-Georg Kantner vom KSV 1870 erinnerte an die Problematik der vielen Zulieferfirmen, "die oft mittelständische Familienbetriebe sind und wenn sie Aufträge behalten, mit massiven Verlusten rechnen müssen. Ich bin überzeugt, dass es Folgeinsolvenzen geben wird."

Die Firma sei "überraschend unvorbereitet in die Insolvenz gegangen", so Kantner, was Schiefer auch bejahte.

Margit Schratzenstaller vom Wifo sagte allgemein, das aktuelle Konjunkturpaket sei mehr ein "Paketchen und sehr überschaubar".

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