Blick zurück ohne Zorn – Alfred Ötsch war der letzte Österreicher an der Spitze der AUA.

© KURIER/Jeff Mangione

Serie: Was wurde eigentlich aus?
08/30/2014

Alfred Ötsch: Ex-Airliner als Angel-Investor

Heute unterstützt der ehemalige AUA-Chef Alfred Ötsch junge Unternehmen.

von Andrea Hodoschek

Das passiert ihm öfter. Als er kürzlich einen Termin absolvierte, kündigte ihn die Sekretärin an: "Herr Ötsch von derAUA ist da." Alfred Ötsch hat damit kein Problem. Der 61-Jährige, nach einer Top-Position im Siemens-Management knapp drei Jahre lang Chef der AUA, blickt ohne Verbitterung zurück. Mit der Übernahme durch die Lufthansa ging Ötsch im Jänner 2009 von Bord. Er sollte der letzte Österreicher an der Spitze der ehemaligen Staats-Airline gewesen sein. Dem nicht immer fair mitgespielt wurde.

Trotzdem will Ötsch keine Abrechnung im Nachhinein. Im Gegenteil: "Ich habe viele positive Erinnerungen. Das war eine tolle, spannende Zeit. Manchmal wundere ich mich über meine damalige Leistungsfähigkeit." Nachsatz: "Und auch über meine Robustheit."

Heute braucht Alfred Ötsch kein dickes Fell mehr. Er ist unter die Business Angels gegangen – das sind jene Manager, die mit ihrer Erfahrung und ihrem Geld junge, aufstrebende Unternehmen unterstützen. Dass ihm diese neue Aufgabe Spaß macht, sieht man dem immer noch sehr sportlichen, energiegeladenen 61-Jährigen an.

Hightech

Über die Austrian Angel Investors Association (aaia), eine Plattform für Investoren und Start-ups, lernte Ötsch Dynamic Perspektive kennen. Er beteiligte sich mit knapp über 25 Prozent und steht der achtköpfigen jungen Truppe nicht operativ, aber beratend zur Seite.

Irgendwie hat Ötsch dabei wieder mit der Fliegerei zu tun. Das Unternehmen entwickelte einen Gimbal. Dieses Gerät stabilisiert über fünf Achsen fliegende Kameras und filtert Vibrationen weg. Eingesetzt wird der Dyna X5 in Drohnen, Helikoptern und Gyrocoptern (Helis mit Autorotation) – für TV-Direktübertragungen, in der hochkarätige Filmindustrie und in der Messtechnik. "Die Entwicklung ist abgeschlossen. Das Gerät ist leichter, präziser, hat deutlich höhere Stabilitätswerte und ist kostengüstiger", hofft Ötsch auf einen erfolgreichen Start. Für die Markteinführung braucht es jetzt noch eine Kapitalerhöhung.

Seine Technik-Affinität kann Ötsch auch als Miteigentümer der Neovoltaic AG ausleben. Das Start-up, dessen größter Aktionär und Aufsichtsratspräsident der ehemalige OMV-Boss Wolfgang Ruttenstorfer ist, bietet privaten Haushalten die Installation von Solaranlagen samt Speicherbatterien an. "Das läuft unabhängig von Förderungen. Der Haushalt ist zu 90 Prozent Eigenversorger, die Investition rechnet sich ab zehn Jahren."

Ein drittes, "sehr spannendes und sehr technisches Projekt" ist in den Endverhandlungen, weshalb Ötsch lieber noch keine Details preisgeben will.

Außerdem übernimmt er in Wiener Neustadt ein kleines Foto-Fachhandelsgeschäft. Damit will Ötsch beweisen, "dass man mit erstklassiger Beratung der Kunden durchaus Chancen gegenüber den großen Einkaufszentren am Stadtrand hat". Auf die Idee dürfte ihn seine Tochter Birgit gebracht haben, die in dem Laden als Fotografin arbeitet.

Wie lebt es sich als ehemaliger Konzernmanager damit, nicht mehr mit hohen Millionenbeträgen zu kalkulieren, sondern mit Summen, die man früher aus der Portokasse zahlen ließ? "Die Nullen hinter den Zahlen werden weniger, sonst ist da kein Unterschied", hat Ötsch kein Problem mit den Größenordnungen.

Ganz lässt Ötsch, der jetzt mehr Lebensqualität hat und seine Zeit freier einteilen kann, die Vergangenheit als Airliner doch nicht los. Gegen Ende des KURIER-Gesprächs landen wir wieder bei der AUA. Den Satz, "die AUA ist saniert", der ihm bis heute nachhängt und viel öffentliche Häme bescherte, hat Ötsch nämlich so nie gesagt. Was der KURIER bestätigen kann.

Der zweite Teil des Statements, in dem er diese Aussage sehr deutlich relativierte, ging damals unter und wurde nie mehr zitiert. Von der Politik und der Staatsholding ÖIAG hatte Ötsch damals den klaren Auftrag, die AUA im Alleinflug zu sanieren. Vor dem Hintergrund der damaligen Wirtschaftskrise bald ein hoffnungsloses Unterfangen. Dass sich die Lufthansa dann ein neues Management suchte, sei bei Konzernen eben üblich.

Über die ÖIAG, die sich damals bei ihm als Sündenbock für das eigene Versagen abputzte, regt sich Ötsch längst nicht mehr auf. Vielmehr freut es ihn, wenn ihm auf AUA-Flügen ehemalige Mitarbeiter sagen, wie sehr sie ihn als Chef schätzten. Und heute noch ist Ötsch stolz darauf, dass es ihm gelang, den Gourmet-Konzern DO&CO unter Attila Dogudan als Caterer an Bord der AUA zu holen.

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