epa02264025 (FILE) A file picture taken on 28 October 2009 shows the Aldi company logo before a cloudy sky in Gelsenkirchen, Germany. According to a press statement released by the company group 'Aldi North', Albrecht died in his birthplace Essen on 24 July at the age of 88. According to the magazine Forbes, Albrecht who was very reclusive, was ranked as the worldës 31st richest person in 2010, with a net worth of 16.7 billion dollars. EPA/FRISO?GENTSCH

© APA/FRISO?GENTSCH

Diskonter
12/07/2012

Aldi-Erbe Berthold Albrecht gestorben

Der Erbe des Diskontkettengründers Theo Albrecht ist tot. Wie der Familien-Clan mit dem Diskont-Prinzip einen Kassenschlager erzielte.

Berthold Albrecht, ein Erbe des 2010 gestorbenen Aldi-Mitbegründers Theo Albrecht, ist tot. Er starb im Alter von 58 Jahren, bestätigte eine Sprecherin des Lebensmitteldiscounters Aldi Nord in Essen der Nachrichtenagentur dpa.

Am Freitag waren in zahlreichen Tageszeitungen große Todesanzeigen von Familie und Unternehmen erschienen. Demnach fand die Beisetzung bereits im November statt.

Reichste Deutsche

Nachdem ihr Vater Theo im Sommer 2010 im Alter von 88 Jahren gestorben war, zählten Bertold Albrecht und sein Bruder Theo Albrecht jr. zu den reichsten Deutschen.

Strategiewechsel

Aldi verkauft seit Oktober auch Coca-Cola. Daneben verhandle Aldi auch mit zahlreichen anderen Herstellern von Markenprodukten über den Verkauf ihrer Produkte. Demnach spricht der Kosmetikkonzern Beiersdorf mit dem Diskonter über eine Listung von Produkten der Marke Nivea. Außerdem gebe es Hinweise, dass Aldi Haarshampoo der Marke El Vital von L'Oréal und Persil-Waschmittel von Henkel verkaufen könnte.

Aldi hat bisher nur wenige Markenprodukte im Sortiment. Beim Erzrivalen Lidl ist das Marken-Sortiment deutlich größer. Mit der vermehrten Listung von Markenartikeln könnte Aldi versuchen, seine Stellung im Lebensmitteleinzelhandel auszubauen

In Österreich setzt die Aldi-Tochter Hofer schon längst nicht mehr nur auf Eigenmarken, sondern schlichtet eine Marke nach der anderen in die Regale. In Deutschland befürchten Experten nun ähnliche Preisschlachten wie in Österreich.

Der Albrecht-Clan

Billige Butter, preiswerte Konserven und kostengünstiger Sekt: Die Geschichte der beiden Brüder und Aldi-Gründer ist die Ruhrpott-Variante des amerikanischen Traums eines Aufstiegs vom Tellerwäscher zum Millionär.

Aus einfachen Verhältnissen

Theo Albrecht und sein Bruder Karl wuchsen in einfachen Verhältnisse auf. Der Vater war Bergmann und musste wegen einer Staublunge später eine schlechter bezahlte Arbeit in einer Brotfabrik annehmen. Die Mutter eröffnete im Essener Arbeitervorort Schonebeck einen Lebensmittelladen.

Die beiden Söhne traten nach dem Besuch der Mittelschule in ihre Fußstapfen. Gesund aus dem Zweiten Weltkrieg zurückgekehrt, übernahmen sie 1946 das unbeschädigt gebliebene elterliche Geschäft und bauten daraus Stück für Stück eine kleine Ladenkette auf. Schnell entdeckten die Brüder, dass auch mit kleinen Preisen gutes Geld zu verdienen war.

Dortmund, 1962

Spätestens mit der Eröffnung des ersten Aldi-Marktes 1962 in Dortmund verschrieben sie sich kompromisslos dem Diskont-Prinzip: Wenige Artikel, Verzicht auf aufwendige Ladeneinrichtungen - und günstige Preise. Die beiden Aldi-Gründer teilten Anfang der 60er Jahre die Firma in Aldi Nord und Aldi Süd auf. Was nur wenige wissen: Das Kürzel Aldi steht für Albrecht-Discount.

Der Erfolg gab ihnen recht: Die Umsätze explodierten. Inzwischen betreiben Aldi Nord und Aldi Süd nach eigenen Angaben allein in Deutschland zusammen mehr als 4.000 Filialen. Aldi gibt es aber nicht nur in der Bundesrepublik: In ganz Europa, in den USA und sogar in Australien gibt insgesamt mehrere Tausend Filialen.

In Österreich heißt Aldi Hofer

In Österreich ist Aldi unter der Marke Hofer mit mehr als 400 Filialen vertreten. Das Unternehmen gehört - ganz nebenbei - zu den größten Textilhändlern Deutschlands. Und als Aldi begann, Computer zu verkaufen, wurde der Diskonter quasi über Nacht auch zum größten Computerhändler der Republik - zumindest eine Zeit lang.

Allein in Deutschland verdient Aldi jährlich einen Betrag in zweistelliger Milliardenhöhe. Dabei haben die Brüder ihr "Weltreich" säuberlich untereinander aufgeteilt. Als Trennungslinie zwischen Theos Aldi Nord und Karls Aldi Süd gilt die Ruhr.

Albrechts leben zurückgezogen

Während das Firmenlogo Aldi inzwischen fast weltweit präsent ist, ist über das Privatleben der Gründer kaum etwas bekannt. Dies galt insbesondere für Theo Albrecht, nachdem er im November 1971 entführt worden war. Erst nach 17 Tagen kam der Unternehmer damals gegen Zahlung eines Lösegeldes von sieben Mio. DM (3,6 Mio. Euro) frei.

So gibt es heute nur wenige Bilder von den beiden Brüdern. Und bei Fragen nach dem Firmenchef hieß es in der Konzernzentrale stets: "Herr Albrecht wünscht keine Berichterstattung über sich." Aus dem operativen Geschäft hatte sich Theo Albrecht seit langem zurückgezogen. 1993 übertrug er die Führung von Aldi Nord auf seine Söhne Berthold und Theo junior. Als Vorsitzender der Theo-Albrecht-Stiftung, der er schon in den 70er Jahren die Mehrheit an seinem Imperium übertrug, behielt der Firmengründer allerdings eine einflussreiche Position. Das Unternehmensvermögen ist nach Angaben von Aldi Nord in Stiftungen gebunden, die nicht auflösbar sind.

Theo Albrecht starb im Juli 2010 in Essen nach schwerer Krankheit im Alter von 88 Jahren.
 

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.