Wirtschaft 18.01.2012

Akropolis zu vermieten

Athen sucht neue Geldquellen, doch die Rating-Agentur Fitch rechnet bereits fix mit einer Pleite. Der Staatschef kündigt Neuwahlen an.

Die Akropolis, Wahrzeichen der griechischen Hauptstadt und oft verwendetes Symbol für die Schuldenkrise des Staates: Sie und andere antike Stätten des Landes werden nun frei nach dem Motto „Kleinvieh macht auch Mist“ gegen Gebühr für Werbefilme vermietet. Das war früher undenkbar, Filmaufnahmen an diesen quasi heiligen Orten waren nur unter strengen Auflagen möglich. Ab sofort ist ein Drehtag um 1600 Euro zu buchen. Doch selbst bei größtem Interesse der Werbebranche ist diese Einnahmequelle nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, der 350 Milliarden Euro an Staatsschulden schwer ist.

Die privaten Gläubiger sollen zwar auf die Hälfte ihrer Schulden von 200 Milliarden Euro verzichten, doch die Verhandlungen darüber spießen sich. Am Mittwoch setzte dazu der Internationale Bankenverband seine in der Vorwoche abgebrochenen Gespräche in Athen fort. Die Zeit für eine Lösung drängt. Denn am EU-Gipfel Ende Jänner sollte das zweite, 130 Milliarden Euro umfassende Hilfsprogramm der EU und des Währungsfonds, beschlossen werden. Ohne dieses Paket geht der Regierung unter Ministerpräsident Lukas Papademos am 20. März das Geld aus.

Gläubiger-Verhandlung

Papademos will, wenn nöig, per Gestz vorgehen.
© Bild: EPA

Bedingung für die Hilfe ist eine Einigung mit den Privatgläubigern wie Banken, Versicherungen und Hedgefonds. Gerade Letztere wehren sich gegen eine Ausfallsquote von 50 Prozent. Diese könnte sich sogar auf 70 bis 80 Prozent erhöhen. Denn die alten Staatsanleihen sollen zum Teil in neue, geringer als bisher verzinste umgetauscht werden. Auch fordern die Banken, aber ebenso Experten, eine Beteiligung der Europäischen Zentralbank am Schuldenschnitt. Die EZB hält Staatsanleihen im Ausmaß von 60 Milliarden Euro.

Pleite unvermeidbar

Letztendlich müssen mindestens 90 Prozent aller Gläubiger zustimmen. Falls nicht, ist das Land pleite.Papademos drohte am Mittwoch in der New York Times , dass er notfalls gesetzlich die Gläubiger zum Forderungsverzicht zwinge. Die Ratingagentur Fitch erklärte am Mittwoch, egal wie hoch die private Gläubigerbeteiligung ausfalle, ein Forderungsverzicht der privaten Gläubiger würde für Fitch jedenfalls eine zeitweilige Staatspleite bedeuten. Dies würde so lange gelten, bis die neuen Griechenland-Anleihen bewertet seien. Staatschef Papademos will von Staatspleite oder einer Rückkehr zur Drachme aber weiter nichts wissen. Allerdings strebt er laut Herald Tribune für April vorgezogene Neuwahlen an. Einen fixen Termin wollte er aber noch nicht nennen. Papademos hat das Amt seit November inne und immer wieder betont, dass er es nur für kurze Zeit ausüben wolle.

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( Kurier ) Erstellt am 18.01.2012