Wirtschaft
06.06.2017

AK-Kaske will Weiterbildungsgeld für alle Arbeitnehmer

Neues Angebot "Qualifizierungsgeld" soll Bildungskarenz, Bildungsteilzeit und Fachkräftestipendium ersetzen.

Arbeiterkammerpräsident Rudolf Kaske will mehr Arbeitnehmern die Chance auf Weiterbildung geben und will dafür die bestehenden Angebote wie etwa die Bildungskarenz durch ein neues Modell ersetzen. Das neue "Qualifizierungsgeld" soll insbesondere Arbeitnehmern mit schlechter Qualifikation und niedrigen bis mittleren Einkommen zu einer Neuorientierung und Weiterbildung verhelfen.

Das AK-Konzept präsentierte Kaske am Dienstag im Klub der Wirtschaftspublizisten vor Journalisten. Demnach sollen Arbeitnehmer ab dem vollendeten 25. Lebensjahr innerhalb einer Rahmenfrist von 15 Jahren bis zu 36 Monate Aus- und Weiterbildung absolvieren können. Zuvor sollen sie mindestens fünf Jahre lang in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung als Dienstnehmer oder freie Dienstnehmer tätig gewesen sein, als neue Selbstständige, als Beamte oder Vertragsbedienstete.

Rechtsanspruch

Im neuen Modell soll - anders als bisher - ein Rechtsanspruch auf Weiterbildung bestehen. Die Finanzierung soll dem Ausgleichszulagenrichtsatz für Alleinstehende entsprechen (2017: 889,84 Euro pro Monat) und jährlich valorisiert werden, mit Zuschlägen für unterhaltsberechtigte Personen. Wer parallel zur Weiterbildung berufstätig ist, bekommt einen aliquoten Teil davon.

Bedingungen

Das Modell soll auch Älteren zur Verfügung stehen, die Weiterbildung muss aber im Berufsleben verwertbar sein. Daher soll es bestimmte Fristen vor der Pension geben, in denen das Qualifizierungsgeld nicht mehr beansprucht werden kann. Zwischen dem Ende der Ausbildung und dem frühestmöglichen Pensionsantrittsalter soll eine Spanne liegen, die wenigstens doppelt so lange ist wie die Bezugsdauer des Weiterbildungsgelds.

Die bisherigen Formen der Unterstützung von Weiterbildung haben vor allem ohnehin schon Besserqualifizierte mit akademischer Ausbildung erreicht, meint Kaske. Ältere, Frauen und Personen mit mittlerer oder niedriger Qualifikationen verlören da leicht den Anschluss.

Das neue Modell soll auch schlechter Qualifizierten helfen, sich an den Wandel in der Arbeitswelt anzupassen und höhere Qualifikationen zu erlangen. Derzeit werde Bildungskarenz, Bildungsteilzeit und Fachkräftestipendium von insgesamt 15.000 Teilnehmern im Jahr genutzt. Mit dem neuen Modell sollen etwa 40.000 Personen jährlich die Möglichkeit zur Weiterbildung nutzen. Bei 40.000 Teilnehmern würden laut Berechnungen des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) in Summe Nettokosten (inklusive Ersatzkraft) von 178 Millionen Euro jährlich entstehen.

Wie finanzieren?

Die Finanzierung solle aus allgemeinen Steuermitteln erfolgen. In Zeiten des Strukturwandels, der Digitalisierung und des zunehmenden Drucks zu höherer Qualifizierung müsse das Angebot zu weiterer Ausbildung eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sein. "Bildung wirkt wie eine Schutzimpfung am Arbeitsmarkt", ist Kaske überzeugt. Für das Modell wäre eine gesetzliche Regelung notwendig. Kaske zeigte sich zuversichtlich, dass nach den Wahlen bald eine Regierung gebildet werde, die das Projekt auch umsetzen könne.