Wirtschaft
09.10.2017

Airbus-Chef an Mitarbeiter: "Stellen Sie sich auf turbulente Zeiten ein"

Laut Tom Enders sei (...) "die Möglichkeit schwerwiegender Konsequenzen, einschließlich erheblicher Strafen für das Unternehmen, durchaus gegeben". Es geht um angeblich geschmierte Geschäfte.

Noch bevor das deutsche Nachrichtenmagazin Der Spiegel am Samstag seine umfangreichen Korruptionsvorwürfe gegen den Airbus-Konzern und seinen Chef Tom Enders veröffentlichte, hat der Airbus-Chef in einem Schnellschuss seine Verteidigungsstrategie offenbart.

„Wie Sie aus vorangegangenen Mitteilungen wissen, wird gegen unser Unternehmen derzeit im Zusammenhang mit angeblichen Verstößen gegen Antikorruptionsgesetze ermittelt. In dieser Situation befinden wir uns aufgrund unserer im vergangenen Jahr getroffenen Entscheidung, Probleme, die wir selbst aufgedeckt haben, den Regierungs- und Untersuchungsbehörden per Selbstanzeige offenzulegen“, schrieb Enders am 6. Oktober 2017 an seine Maitarbeiter. „Dieses Vorgehen war richtig – und der einzige Weg im Einklang mit unseren Wertvorstellungen, Ethikstandards, Compliance-Regeln und gesetzlichen Verpflichtungen - ein Schritt, den unser Board of Directors uneingeschränkt mitgetragen hat. Auf unserer Sitzung in der vergangenen Woche in Hamburg hat das gesamte Board mir als Vorstandschef und dem General Counsel John Harrison erneut sein volles Vertrauen ausgesprochen und uns gebeten, diese Sache für unser Unternehmen zu einem Abschluss zu bringen."

Entwaffnende Offenheit

Laut Enders "dürfte es jedoch ein langer Weg werden, und die Möglichkeit schwerwiegender Konsequenzen, einschließlich erheblicher Strafen für das Unternehmen, ist durchaus gegeben". Über diese entwaffnende Offenheit dürfte sich die Anti-Eurofighter-Koalition aus Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil und dem Ex-Grünen Peter Pilz ordentlich freuen.

"Im Laufe dieses Prozesses werden die Medien vermutlich häufig – und mal mehr, mal weniger fair – über uns berichten; zudem ist mit Leaks, falschen Informationen und auch mit Versuchen Einzelner zu rechnen, im eigenem Interesse das Top-Management zu diskreditieren. Mit anderen Worten: Stellen Sie sich auf turbulente Zeiten ein", heißt es in dem Schreiben weiter. "Was können SIE in dieser Situation tun? Erstens: Unterstützen Sie Ihr Top-Management und das Board und verlassen Sie sich darauf, dass wir das Richtige tun. Zweitens bitte ich Sie, nicht auf vereinfachendes und nationalistisches Gerede zu hören und sich nicht zu Gerüchten zu äußern oder diese zu verbreiten. Drittens: Konzentrieren Sie sich auf Ihre Arbeit, oder wie die Briten sagen: „keep calm and carry on!“ – denn wir haben im Geschäft Berge von Arbeit vor uns. Wenn wir jetzt alle an einem Strang ziehen, bin ich sicher, dass Airbus aus dieser Krise als besseres, stärkeres und wettbewerbsfähigeres Unternehmen hervorgehen wird."

Detail am Rande: Enders selbst ist im deutschen Ermittlungsverfahren rund um die Eurofighter-Deal mit Österreich kein Beschuldigter.