Wirtschaft
17.10.2017

Airbnb & Co.: Profi-Anleger heizen Immo-Preise an

Mittlerweile nehmen eigene Dienstleistungsunternehmen dem Vermieter die Arbeit ab.

Bei Online-Zimmervermittlern wie Airbnb & Co geht es längst nicht mehr um das bloße Bespielen einzelner Privatwohnungen, sondern um das große Geld: "Die Kurzzeitvermietung hat sich als eigenes Businessmodell etabliert", sagte Andrea Baidinger vom Kommunikationsberatungsunternehmen bauen wohnen immobilien, die für den Immobilienring IR auf den Sharing-Plattformen recherchierte, vor Journalisten.

Online-Plattformen für professionelle Investoren

Und sie stellte fest: Das tageweise Vermieten von Wohnungen via Sharing-Plattformen treibt die Immobilienpreise in attraktiven Großstädten und touristischen Destinationen europaweit in die Höhe. Denn hinter den Kulissen der Sharing-Plattformen gibt es mittlerweile eigene Profi-Investorenplattformen, auf denen die Renditemöglichkeiten einzelner Immobilien "realtime" abrufbar sind. Je besser die Auslastung desto höher der Wert einer Immobilie.

Weiters gibt es eigene Serviceunternehmen, die dem Wohnungsanbieter die Arbeit, die beim Vermieten anfällt, abnehmen. Das geht vom Einrichten über das Putzen bis hin zum Reagieren auf Beschwerden von Nachbarn, die sich von der Kurzzeitvermietung in ihrem Haus gestört fühlen.

Rund 10.000 Wohnungen in Österreich

In Österreich sind den Angaben zufolge rund 10.000 Wohnungen online kurzzeitig anzumieten, fast 5.500 davon in Wien. In mehr als der Hälfte der Fälle fungiert laut Baidinger ein einziger Gastgeber für mehrere Wohnungen. "Das zeigt, dass diese kurzfristige Vermietung ein neues Business ist - es bringt weit mehr Ertrag als das herkömmliche Vermieten", konstatierte der Präsident des Immobilienring IR Österreich, Georg Spiegelfeld, am Dienstag in einem Pressegespräch. "Gleichzeitig sind die Wohnungen weg vom klassischen Markt für Vermietung - da fehlen uns diese fast 10.000 Wohnungen."

"Niemand sagt etwas gegen die Privaten, aber der Profi-Anteil ist einfach wahnsinnig hoch"

Die zahlreichen professionellen Investoren, die hinter den Online-Zimmervermittlern stehen und via Kurzzeitvermietung an Touristen bei weitem mehr Geld machen als sie mit der herkömmlichen Langzeitvermietung ihrer Immobilien erzielen könnten, tragen seiner Meinung nach zu einem Gutteil dazu bei, dass die Immobilienpreise weiter steigen. "Niemand sagt etwas gegen die Privaten, aber der Profi-Anteil ist einfach wahnsinnig hoch", so Baidinger.

Europaweite Entwicklung

Die auf den Investorenplattformen angegebene Vermietungsleistung von "gesharten" Wohnungen in den österreichischen Landeshauptstädten steigerte sich zwischen 2014 und 2015 ihrer Erhebung zufolge um mehr als das Doppelte. In der Zeit von 2015 bis Ende September 2017 habe die Vermietungshäufigkeit noch einmal bis zum Dreifachen zugelegt. Diese Entwicklung sei - neben Wien - auch in europäischen Städten wie Kopenhagen, Amsterdam, Brüssel, Berlin, Paris, Rom, Barcelona, Athen und Venedig zu beobachten. Die Steigerung in Dublin habe zwischen 2014 und 2017 sogar mehr als 800 Prozent betragen, in London 600 Prozent und in Madrid 500 Prozent.

Dadurch sei die Preissteigerung bei Eigentumswohnungen nachvollziehbar, resümierte Spiegelfeld. Unter herkömmlichen Marktbedingungen hätte sich der Höhenflug der Immobilienpreise seiner Meinung nach schon seit 2014 abschwächen müssen. Weiters hebelten diese Wohnungen auch das Hotelthema aus.

"Juristischer Graubereich"

Das Kurzzeitvermietungsgeschäft ist laut Spiegelfeld "ein juristischer Graubereich, der jetzt seriös aufgebaut gehört". "Da muss sich jetzt die Politik und das gesamte wirtschaftliche Umfeld aufstellen, um diese neuen Geschäftsmöglichkeiten in einen Rahmen zu bringen", fordert der Immobilienexperte neue Spielregeln. Man müsse rechtliche und steuerliche Wege finden, damit es seriös sei, so etwas anzubieten.