Wirtschaft 22.01.2012

Agrarsektor vor großen Umbrüchen

© Bild: dpa

Verhandlungen: 2012 bringt neue Steuern und EU-Weichenstellung.

Zahlreiche neue Spielregeln stehen den heimischen Bauern bevor: „2012 werden entscheidende Weichen gestellt“, meint Landwirtschaftskammer-Chef Gerhard Wlodkowski, „sowohl in Österreich als auch in Brüssel.“ Dort laufen aktuell die Verhandlungen zur Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) bis 2020.

EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos stellte anlässlich der Grünen Woche in Berlin seine Pläne vor: Das Greening der Flächenförderungen soll Themen wie Bodenerosion, Fruchtfolge oder Artenvielfalt betreffen. Bei den Umweltförderungen fordert er nationale Vorschläge. „Ich hoffe, dass die finalen Entscheidungen dann unter irischer Präsidentschaft fallen“, meinte Ciolos – heißt im Frühjahr 2013.

Auf nationaler Ebene wird immer lauter über eine Reform des 40 Jahre alten Einheitswert-Systems nachgedacht, das Basis für Grund- oder Einkommenssteuer für die Bauern ist: „Hier wird demnächst eine Arbeitsgruppe geschaffen“, erklärte Bauernbund-Chef Jakob Auer. 2013 könnte das neue System stehen, Verteuerungen für gewisse Gruppen nicht ausgeschlossen.

Neue Steuer

Umweltminister Berlakovich
Nikolaus Berlakovich (VP), 2 von 5 Der Landwirtschafts- und Umweltminister kann nicht nur heimische Produkte, sondern auch sich … © Bild: apa

Als fix gilt auch die Einführung einer Abgabe auf Umwidmungsgewinne: „Die Schließung dieser Steuerlücke ist für mich ein sinnvoller und gangbarer Weg und ein Beitrag der Landwirtschaft zur Budgetsanierung“, erklärte nun auch Agrarminister Niki Berlakovich.

Zur Debatte stehen im Zuge der Budgetsanierung auch Kürzungen bei bestehenden Förderungen, eine neue Abgabe auf Düngemittel, ein Ende der Subvention von Agrardiesel oder das Streichen des Prämien-Zuschusses für die Hagelversicherung. „Vom Bundesbudget von 70 Milliarden Euro macht die Landwirtschaft nur drei Prozent aus“, schließt Berlakovich eine Budgetsanierung nur durch die Bauern aus. Er bietet Einsparungen in der Verwaltung an, etwa die Zusammenlegung von Bundesanstalten oder einen Aufnahmestopp. Bauernbund-Chef Auer warnt zudem, die „Wirtschaft am Land“ durch das Sparpaket abzuwürgen: „Man sollte daher neben dem Sparpaket auch ein Investitionsprogramm zur Verfügung stellen, etwa durch die Einführung eines Investitionsfreibetrags.“

Mehr zum Thema

  • Hauptartikel

  • Hintergrund

Erstellt am 22.01.2012