Wirtschaft
19.12.2011

Abheben mit dem Geld der Öl-Scheichs

Die staatliche Fluglinie Etihad steigt bei Air Berlin ein. Arabische Staatsfonds sind in vielen Großkonzernen beteiligt. So bereiten sie sich auf eine Zukunft ohne Öl vor.

Die AUA hat vergeblich auf sie gewartet, bei der Air Berlin gehen sie nun an Bord. Die Retter aus dem Morgenland – und zwar in Form der arabischen Fluggesellschaft Etihad. Diese stockt ihre Anteile an der angeschlagenen Air Berlin von bisher knapp drei Prozent auf 29 Prozent auf. Mit einem Investment von 73 Millionen Euro steigen die Araber zum größten Einzelaktionär des deutschen Billigfliegers auf. Die beiden Fluglinien werden strategisch zusammenarbeiten und wollen 2012 Synergien von 35 bis 40 Millionen Euro heben. Etihad räumt den Deutschen zudem ein 195 Millionen Euro schweres Darlehen ein. Den Aktionären gefällt’s, das Air Berlin-Papier hob um rund 8,5 Prozent ab.

Im Aufsichtsrat der Air Berlin werden zwei Etihad-Vertreter Platz nehmen, darunter Chef James Hogan. Dort sitzt auch Niki Lauda nach dem Totalverkauf seines Carriers Flyniki an Air Berlin. Lauda begrüßt „den Einstieg des sehr potenten Partners. Damit setzt sich Etihad mit Air Berlin in Europa gegen die Konkurrenz von Lufthansa und AUA fest und setzt gleichzeitig einen Schritt gegen Emirates.“

Dass sich die Araber noch weitere Anteile holen, ist allerdings kein Thema. Denn die Hälfte der Anteile muss in deutscher Hand bleiben, sonst verliert Air Berlin Flugrechte in Deutschland.

Europäische Konkurrenten wie die Lufthansa werden mit dem Deal wenig Freude haben. Sie verlieren in ohnehin schwierigen Zeiten Passagiere an die wachsende arabische Konkurrenz von Emirates, Qatar Airways und Etihad. Lufthansa-Boss Christoph Franz sieht sich einem unfairen Konkurrenzkampf ausgesetzt. Er prangert immer wieder an, dass die teilweise ölreichen Golfstaaten hinter dem Expansionskurs der Golf-Airlines stehen. Die Araber weisen das zurück.

Ölreichtum

Staatsfonds sind vor allem im arabischen und asiatischen Raum zu finden, aber auch Norwegen verfügt über den zweitgrößten Staatsfonds der Welt. Deren Mittel von insgesamt mehr als drei Billionen Dollar kommen in vielen Fällen aus den Einnahmen der Öl- und Gasförderung oder Export-Überschüssen wie etwa im Fall Chinas. Die Gelder werden weltweit in alle möglichen Branchen langfristig investiert. Damit soll nicht nur das Vermögen vermehrt werden. Es dient auch der Verringerung von Risiken und Abhängigkeiten. Schließlich wird Erdöl nicht ewig sprudeln.

Katar etwa hat 2009 je zehn Prozent an VW und Porsche erworben und dafür zusammen elf Milliarden Euro gezahlt. Das Emirat ist auch am Baukonzern Hochtief beteiligt und besitzt seit dem Vorjahr das Londoner Traditionskaufhaus Harrods, vormals im Besitz des ägyptischen Milliardärs Mohammed Fayed. Interesse gibt es auch an einem Einstieg beim Luftfahrtkonzern EADS.

Umtriebige Scheichs

Umtriebig sind auch die Scheichs aus Abu Dhabi. Ihnen gehört der spanische Ölkonzern Cepsa und 24,9 Prozent an der OMV. Zudem halten sie neun Prozent an Daimler und sind damit vor dem Emirat Kuwait (sieben Prozent) größter Aktionär. Und der libysche Staatsfonds hat sich noch unter Zeiten von Diktator Gaddafi an der französischen Bank Société Générale und der Bank Austria-Mutter UniCredit beteiligt.

Die Wüstensöhne sind auch mit ihrem Privatvermögen dick im Geschäft. Am Montag beteiligte sich etwa der saudische Prinz Alwalid bin Talal am Kurznachrichtendienst Twitter. Für 3,8 Prozent der Anteile zahlte er 300 Millionen Dollar. Der Neffe des saudischen Königs hält bereits zehn Prozent am Medienkonzern News Corp von Rupert Murdoch.

Dass auch potente Staatsfonds ins Schlingern geraten können, zeigt jener aus Dubai. Er übernahm sich beim Bau der künstlichen Luxus-Palmeninseln im Emirat. Ende 2009 hatte er Schulden von 20 Milliarden Euro angehäuft und musste seine Gläubiger um Zahlungsaufschub bitten.

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