Innenaufnahme eines Airbus A380 am Flughafen Wien-Schwechat

© Kurier/Juerg Christandl

Großraumflieger
03/08/2017

A380: Mehr Sitze geplant, Treppe soll weg

Die Zahl der Sitze soll in der Standardversion um 40 bis 50 auf über 600 aufgestockt werden.

Das "Kreuzfahrtschiff am Himmel" verliert womöglich sein Markenzeichen: Die ausladende Vordertreppe zwischen den beiden Decks soll es in Neufassungen des Airbus-Großraumfliegers A380 wohl nicht mehr geben, wie aus Branchenkreisen verlautete. Demnach denkt das Management über Änderungen an der Maschine nach, mit denen die schwächelnden Verkäufe wieder angekurbelt werden sollen.

Außerdem ist eine Überarbeitung der Flügelspitzen geplant, um den Luftwiderstand und damit den Treibstoffverbrauch zu verringern. Ziel der Eingriffe ist den Insidern zufolge, für die Abnehmer die Kosten pro Fluggast zu senken. Dazu soll auch die Zahl der Sitze in der Standardversion um 40 bis 50 auf über 600 aufgestockt werden.

Treppe wird schmäler

Um den nötigen Raum zu schaffen, wird die Vordertreppe schmaler gemacht. Das breite Modell mit Reminiszenzen an die große Zeit der Kreuzfahrt sorgte bei der Markteinführung 2005 für Aufsehen. Auch die hintere, weniger auffällige Wendeltreppe soll nun angepasst werden.

Eine noch weitergehende A380-Neuversion mit neuen Triebwerken hatte Airbus kürzlich aus Kostengründen verworfen. Die aktualisierten Pläne sind noch nicht endgültig beschlossen. Das Unternehmen lehnte eine Stellungnahme dazu ab.

Nachfrage gesunken

Die Nachfrage nach dem A380 ist in den vergangenen Jahren zurückgegangen, weil deutlich gesunkene Betriebskosten die Attraktivität kleinerer Flugzeuge erhöht haben. Der US-Rivale Boeing, dessen Großraummodell 747-8 sich ebenfalls nur schwach verkauft, sieht keine Zukunft mehr für solche Maschinen. Airbus dagegen setzt darauf, dass der Bedarf wegen des wachsenden Flugverkehrs wieder anziehen wird.

A400M bleibt teurer Ballast für Airbus

Immer wieder Ärger mit dem Militärtransporter A400M. Airbus-Chef Enders sieht als Grund einen Geburtsfehler des Programms. Nun sollen die staatlichen Auftraggeber helfen, die Verluste zu begrenzen.

Airbus-Chef Tom Enders lässt sich seinen Frust deutlich anmerken. Wieder einmal muss der deutsche Top-Manager erklären, warum der Ärger mit dem pannengeplagten Militärtransporter A400M noch nicht vorbei ist. Man habe die besten Leute aus dem Konzern zusammengezogen, um das Programm endlich auf Kurs zu bringen, versichert er. Doch auch 2016 zogen Milliarden-Zusatzkosten für das Flugzeug den Gewinn des europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerns mächtig nach unten.

Die ständigen Mehrkosten seien nicht akzeptabel, sagt Enders am Mittwoch. Der frühere Fallschirmjäger setzt jetzt die staatlichen Auftraggeber unter Druck - sie sollen helfen, den finanziellen Aderlass zu mildern. Wenn das nicht gelinge, drohe eine "gewaltige Belastung für das gesamte Unternehmen", warnt der Manager. Auf 2,2 Mrd. Euro summierten sich allein im vergangenen Jahr die Mehrbelastungen bei der A400M, nachdem in den Propeller-Getrieben starke Verschleißerscheinungen aufgefallen waren.

Die miesen Zahlen kommen nur wenige Tage, nachdem Österreich wegen Betrugsvorwürfen beim Kauf von Eurofighter-Jets Klage gegen Airbus eingereicht hat. Der Hersteller weist alle Anschuldigungen zurück - doch als Eindruck bleibt ein ewiger Ärger im Rüstungsgeschäft. Seit Jahren ringt Airbus um Neubestellungen für A400M und Eurofighter. Bei dem Kampfjet rettete jüngst ein Großauftrag aus Kuwait die Produktion am Standort Manching bei Ingolstadt, an dem sonst ab 2018 die Arbeit knapp geworden wäre.

Bei der A400M sind neue Aufträge nicht in Sicht. Selbst die deutsche Bundeswehr, die 53 Maschinen bestellt hat, schaut sich anderweitig nach Ersatz für ihre überalterte Transall-Flotte um. Enders versucht dem desaströsen Eindruck entgegenzutreten: Die A400M habe Fortschritte gemacht bei den militärischen Fähigkeiten - und beim Propeller-Getriebe. Das Problem sei bei mehr als der Hälfte der ausgelieferten Maschinen behoben.

Der Chef betrachtet den Dauer-Ärger als Resultat eines Geburtsfehlers: "Wir müssen uns immer noch mit der Ursprungssünde herumschlagen, die wir vor 12, 13 Jahren begangen haben, als wir einen Vertrag abgeschlossen haben, der bei Budget und Zeitplan eindeutig zu eng war." Zwar hat Airbus jahrzehntelange Erfahrung im Flugzeugbau. "Aber die A400M ist viel komplexer als eine A350 oder A380", sagt Enders mit Blick auf die größten Airbus-Passagierjets. So kann die A400M kopfüber fliegen, auf kurzen Graspisten starten und landen sowie Panzer transportieren.

Doch viele Anforderungen der Käuferstaaten etwa zu Fallschirmsprüngen, dem Transport größerer Lasten und beim Selbstschutz erfüllt der Flieger noch nicht. Erst nach und nach will Airbus fehlende Fähigkeiten nachrüsten.

Die sechs Länder, die bereits Flugzeuge bekommen haben, behalten Geld zurück oder machen Schadenersatz geltend. Das kommt Airbus teuer zu stehen - zusätzlich zur Lösung der Triebwerksprobleme. Deshalb fordert Enders nun ein Entgegenkommen der Staaten. Anders als vor einigen Jahren, als nur eine Milliarden-Finanzspritze das Programm vor dem Aus rettete, gehe es diesmal aber nicht um neue Zuschüsse.

Für die deutsche Bundeswehr zählt die A400M zu den problematischsten Rüstungsprojekten. Nach dem aktuellen Rüstungsbericht des Verteidigungsministeriums werden sich die Verzögerungen bis 2019 auf acht Jahre und elf Monate summieren - bei Mehrkosten von 1,49 Mrd. Euro.

Fast in den Hintergrund tritt dabei, dass der Airbus auch in anderen Bereichen große Baustellen hat. Beim modernisierten zivilen Mittelstreckenjet A320neo verzögerten Hitzeprobleme des neuen Triebwerkstyps die Auslieferung gleich reihenweise. Und der weltgrößte Passagierjet A380, einst als Hoffnungsträger auf den Markt gebracht, ist inzwischen ein Ladenhüter - die Airlines setzen lieber auf mittelgroße Maschinen.

An der Airbus-Spitze versucht man es mit Hoffnung. "Ich glaube, dass es eine langfristige Zukunft für dieses Flugzeug gibt", sagt Verkehrsflugzeug-Chef Fabrice Bregier mit Blick auf die A380. Und Konzernchef Enders zeigt sich bei der A400M "optimistisch, eine signifikante Zahl an Kunden für den Export zu finden". Dann könnte Airbus mit dem Modell vielleicht irgendwann Geld verdienen. Denn eigentlich, meint Enders, sei es "ein großartiges Flugzeug".