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Insolvenz
02/10/2016

500-Millionen-Pleite in der Solar-Branche

Activ-Solar legt die bisher größte Pleite in Österreich hin. Das Unternehmen soll fortgeführt werden.

von Kid Möchel

Die Geschäfte der Wiener Activ Solar GmbH sind offenbar in ein schwarzes Loch geraten. Das Unternehmen, das auf die Entwicklung, Finanzierung und Realisierung von großen Solarenergie-Projekten und großflächiger Photovoltaik-Anlagen spezialisiert ist, hat am Handelsgericht Wien ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beantragt. Das bestätigt Gerhard Weinhofer vom Gläubigerschutzverband Creditreform dem KURIER. Den Gläubiger wird 20 Prozent Quote geboten. Das Unternehmen soll auch fortgeführt werden. Das Insolvenzverfahren ist mittlerweile schon eröffnet worden.

Es sind 34 Gläubiger und drei Arbeitnehmer betroffen. Den Aktiva von rund 18,68 Millionen Euro stehen Passiva von rund 503,439 Millionen Euro gegenüber. Das ist damit die größte Insolvenz nach Passiva im Jahr 2016 bisher. (siehe unten)

Ukraine-Krise schuld

"Das Unternehmen wurde 2008 vom Investmentbanker Kaveh Ertefai gegründet und Wien wurde deshalb als Firmensitz gewählt, weil die Bundeshauptstadt die Funktion einer Drehschiebe zwischen Zentral- und Osteuropa hat. Activ Solar hat vor allem Tochterfirmen in der Ukraine, in Frankreich, Großbritannien, Malta und in den USA", heißt es im Antrag aus der feder der renommierten Sanierungsanwältin Ulla Reisch. "Noch im Gründungsjahr wurde ein Halbleiterwerk in der Ukraine erworben."

Die wirtschaftliche Krise in der Ukraine und die Annexion der Halbinsel Krim waren für das Unternehmen ein herber Rückschlag. "Nach und nach musste die Tätigkeit in der Ukraine eingestellt werden", heißt es weiter. Detail am Rande: Die Gesellschaftsanteile werden derzeit offenbar von einem Treuhänder gehalten. Das Wiener Unternehmen wird eigentlich zwei ukrainischen Oligarchen zugeschrieben, einer davon lebt am Stadtrand von Wien. Der Firmengründer soll ein Schwiegersohn eines der beiden Oligarchen sein.

Die Insolvenzursachen

"Mit Einsetzen der Krise kam das Kerngeschäft in der Ukraine innerhalb von zwei Jahren zum Erliegen", heißt es weiter. "Restrukturierungsmaßnahmen wurden eingeleitet, Investitionen wurden gestoppt. Die Projektentwicklung wurde eingestellt und unrentables Anlagevermögen verkauft, um die finanzielle Lage der Antragstellerin zu verbessern."

230 Millionen Euro Garantie

"Entgegen den Erwartungen, welche durch externe Rechtsberatung gestützt wurden, erging darüber hinaus im Oktober 2015 in Kiew ein Schiedsspruch, welcher die Activ Solar zu einer Zahlung von einem Betrag in Höhe von 57 Millionen Euro an die ukrainische Export-Import Bank Ukrexim verpflichtete", heißt es im Antrag. "Hintergrund des Schiedsspruches ist eine von Activ Solar zu Gunsten der Bank abgegebene Garantieerklärung in Höhe von 230 Millionen Euro zur Besicherung der Bank an der PSJC Semiconductor Plant (SIZ)." Letztere ist eine Beteiligungsgesellschaft der Active Solar in der Ukraine.

"Da nach Vorliegen dieses Rechtsgutachtens Ende November 2015 von einer grundsätzlichen Verbindlichkeit des Schiedsspruches und auch von der Möglichkeit einer Vollstreckbarerklärung in Österreich auszugehen war, hat das Unternehmen umgehend Gespräche über einen möglichen Vergleich hinsichtlich der geltend gemachten Forderung eingeleitet", so die interne Darstellung." Nachdem diese Gespräche zunächst aussichtsreich erschienen, stellte sich letztendlich Mitte Jänner 2016 heraus, dass kurzfristig keine Einigung umzusetzen ist. Daher musste die Antragstellerin die Zahlungsunfähigkeit eingestehen."

Weitere Pleite

Über die Firma SIZ mit einem Solar-Werk in der Ukraine wurde bereits im Jänner 2015 ein Insolvenzverfahren eröffnet. Auch die Activ Solar LLC mit Sitz in Kiew musste liquidiert werden. Der Sigma Solar LCC mit Sitz in Simferopol, deren Solar-Park auf der Krim kurz vor der Fertigstellung steht, ist auf Grund der Besetzung durch Russland nicht operativ tätig. Auch die Tochter Neptun Solar PJSC betreibt einen Solarpark in der Ukraine. Der Park ist in Betrieb und es wird an einem Verkauf an einen chinesischen Investor gebastelt.

Die Schulden

Die Verbindlichkeiten werden mit 503,439 Millionen Euro beziffert, davon entfallen 305,14 Millionen Euro auf Banken und 98,66 Millionen Euro auf Anleihegläubiger; rund 192,85 Millionen Euro schuldet Activ Solar ihrer eigenen Unternehmensgruppe.

Das Vermögen

Die Aktiva werden mit 18,687 Millionen Euro beziffert, davon entfallen 18,21 Millionen Euro auf Beteiligungen.

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