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Wirtschaft
12/05/2011

4 Jahre Haft für Ex-Kaffeeboss

Der einstige Chef von Nespresso-Österreich sagt, man habe nicht gewusst, wohin mit der Kohle. Also nahm er sie: 2,7 Millionen €.

von Ricardo Peyerl

Der frühere Geschäftsführer von Nespresso-Österreich, Wolfgang W., versuchte in seinem Untreue-Prozess, George Clooney in den Schatten zu stellen. Die Werbeauftritte des Stars ("Nespresso - what else?") hätten bloß eine Umsatzsteigerung von vier Prozent gebracht. Er aber, Wolfgang W., habe durch seine Ideen den Kaffeekapsel-Umsatz in Österreich um 50 Prozent hinaufgetrieben.

"Er hat gearbeitet wie ein Viech, 24 Stunden am Tag und länger", rühmt Verteidiger Herbert Eichenseder seinen Mandanten.

Dummerweise hat der Nestlé-Konzern, zu dem Nespresso gehört, angeblich aus steuerlichen Gründen sehr starre Budgetvorgaben. Man dürfe die geplanten Einnahmen um nicht mehr als fünf Prozent überschreiten, behauptet der Angeklagte: "Es hat keiner mehr gewusst, wohin mit der Kohle. Wir haben so viel Fernseh-Werbung gezahlt, dass der ORF das alles gar nicht mehr senden konnte."

Was macht man bloß mit dem "überschüssigen" Gewinn? Man "parkt" ihn, schaltet eine Agentur dazwischen, die fingierte Rechnungen und sonst nichts produziert. So eine Agentur gründete Wolfgang W. auf den Namen seiner Frau, die früher ebenfalls für Nespresso gearbeitet hatte.

Eigene Tasche

Und weil W. die (mangelhaften) Kontrollmechanismen seiner Firma kannte, "habe ich einfach was dazugeschlagen und in die eigene Tasche gesteckt." 2,7 Millionen Euro.
Vier Jahre ging das gut, dann kam eine Überprüfung. W. und seine mitangeklagte Frau Sandra nahmen in der Schein-Agentur pro forma eine Sekretärin auf, "die sich gelangweilt hat" (Richterin Helene Gnida). Der Schwindel flog trotzdem auf, W. wurde entlassen.
Im Prozess versuchte er, seine Frau zu schützen. Sie habe lange Zeit von den Malversationen nichts mitbekommen und nicht aktiv mitgewirkt.

Die Richterin bezweifelt, dass Sandra W. der Luxus verborgen geblieben ist: Wolfgang W. kaufte Reitpferde sowie drei Oldtimer, die er restaurieren ließ, man machte Urlaubsreisen nach Südafrika ... Er habe ihr eingeredet, dass man ein 50.000 Euro teures Pferd schon um 1000 Euro bekommt. Erst als er sich einen Jaguar um 60.000 Euro anschaffte, habe sie gefragt: "Können wir uns das leisten?"

Einer der Schöffen trägt ein Poloshirt mit einem VW-Emblem, was denkt sich der dabei? Neid scheint ihm fremd zu sein, denn das Urteil des Senats fällt mit vier Jahren Haft (bei 10 Jahren Strafrahmen) relativ mild aus. W. nahm Bedenkzeit. Der Prozess gegen seine Frau wird fortgesetzt.

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