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Betrugsverdacht
09/19/2013

36.861 Österreicher von Internet-Abzockerei betroffen

Strafgutachter Siart durchleuchtete die dubiosen Geschäfte der angeblichen IT-Firma Luck24.

von Kid Möchel

Die mutmaßliche Betrugsaffäre um den Wiener Glücksspiel-Dienstleister Luck24 sprengt jedes bisherige Ermittlungsverfahren. Der gerichtlich beeidete Sachverständige Rudolf Siart kommt nämlich in seiner Expertise zum Schluss, dass 36.861 Österreicher von der Abzockerei finanziell betroffen waren. Bei weiteren 11.431 Österreichern soll eine Abbuchung des „Spieleinsatzes“ vom Konto gescheitert oder widerrufen worden sein.

Siart hat zwei Gutachten für Staatsanwalt Markus Berghammer verfasst, der daraus eine 117 Seiten starke Anklage gegen die Luck24-Zampanos Stefan K. und Robert M. verfasste. Verdacht: schwerer gewerbsmäßiger Betrug. Mutmaßlicher Schaden: 191,61 Millionen Euro. Sie bestreiten die Vorwürfe.

Scheinfirmen

Laut Aktenlage soll Luck24 seit Mai 2008 für rund 150 Glücksspiel-Gesellschaften, darunter eine Vielzahl Scheinfirmen, zumindest 111 Spiele im World Wide Web aufgezogen haben. Luck24 soll deren Internet-Auftritte gestaltet und Kundendaten verwaltet, Postfachadressen angemietet und den Schriftverkehr abgewickelt haben. Auch den Zahlungsverkehr soll Luck24 gesteuert haben.

Über Callcenter sollen die „Kunden“ telefonisch kontaktiert und zu Spieleinsätzen von 50 bis 100 Euro überrumpelt worden sein – bei Spielen wie „Gewinndirekt“, „Win&Go“ oder „Glückskomet“. „Die Kontodaten der Kunden wurden von Luck24 an ein Payment-Unternehmen weitergeleitet, das Abbuchungen mittels Einzugsermächtigungen von Kunden-Bankkonten vornehmen ließ“, heißt es in den Akten.

Abbuchungen

Laut Aktenlage sollen den „Kunden“ zum Teil mehrfach Beträge vom Konto abgebucht worden sein, obwohl sie telefonisch nur zur Teilnahme an einem einzigen Glücksspiel zustimmten. Zweitens sollen auch jenen, denen die Kontodaten zwar herausgelockt wurden, die aber nicht mitspielen wollten, Beträge von ihren Konten abgezogen worden sein. Eine dritte Gruppe soll „niemals telefonisch kontaktiert worden sein, trotzdem erfolgten Abbuchungen“.

Der Staatsanwalt verdächtigt Luck24 „Zentrum der kriminellen Machenschaften“ zu sein, Telefon-Keilerei betrieb sie selbst aber nicht. Laut Gutachter soll das Netzwerk in Österreich, aber vor allem in Deutschland versucht haben, von 1,27 Millionen „Spielern“ 191,61 Millionen Euro mit Einzugsaufträgen zu lukrieren; 154 Millionen Euro sollen tatsächlich kassiert worden sein, davon 9,12 Millionen Euro in Österreich. Die Verteidiger der Verdächtigen wollen das Gutachten im Prozess widerlegen. Ihre Mandanten seien unschuldig.

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