Wirtschaft
01.03.2018

200-Millionen-Pleite: So kommen geschädigte NIKI-Passagiere zu ihrem Geld

Österreichische Ticketkäufer müssen ihre Forderungen nun doch in Deutschland anmelden.

Die insolvente Billig-Airline NIKI (870 Mitarbeiter) ist seit gestern, Mittwoch, Geschichte. Das Konkursgericht Korneuburg hat die Schließung des Betriebs rechtskräftig bestätigt. Wie der KURIER berichtete, wird die neue Airline Laudamotion um Ex-Rennfahrer Niki Lauda am 25. März von Frankfurt und von Düsseldorf erstmals nach Palma de Mallorca abheben – in Kooperation mit der Thomas-Cook-Tochter Condor.

Lauda kaufte die NIKI-Geschäfts- und Betriebsunterlagen und den Kundenstock, übernahm 15 Leasing-Flugzeuge und die damit verbundenen Kosten sowie das Darlehen an die Insolvenzmasse (16,5 Millionen Euro) für insgesamt fast 50 Millionen Euro.

Sommerflug-Plan

Mit im Übernahmepaket sind geschätzte 60 bis 70 Start- und Landerechte (Slots), das wertvollste Gut einer Airline. Ohne Airport-Slots keine Flüge.

Dazu kommt, dass diese Slots von der Airline mindestens zu 80 Prozent genutzt werden müssen, damit diese auch in der folgenden Saison zur Verfügung stehen. Die Sommerflugperiode umfasst 30 Wochen, die Winterperiode den Rest.

Hangar in Wien-Schwechat

Wie viele der zuletzt 700 NIKI-Mitarbeiter bei Laudamotion angeheuert haben, ist derzeit noch unklar. Das weiß nicht einmal die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA), die mit Lauda ab 13. März einen neuen Kollektivvertrag aushandeln soll. Der Flughafen Wien hingegen bestätigt dem KURIER, dass Gespräche mit Laudamotion bezüglich der Übernahme des NIKI-Standortes samt Hangar in Wien-Schwechat geführt werden. "Lauda braucht einen Hangar für die technische Wartung seiner Airbus-Flugzeuge", sagt ein Insider.

"Maulkorb"

Am Mittwoch wurde am Konkursgericht Korneuburg die Prüfungstagsatzung über die NIKI Luftfahrt GmbH abgehalten. Der Inhalt ist streng geheim, das bestätigen die Gläubigerschutzverbände. Von einem "Maulkorb" ist sogar die Rede. Eine Begründung dafür liegt nicht vor.

Dem Vernehmen nach sollen fast 500 Gläubiger rund 211 Millionen Euro Forderungen angemeldet haben. Die geschädigten NIKI-Kunden sind noch nicht eingerechnet. Sie haben von der Verlagerung des Primär-Insolvenzverfahrens von Berlin nach Korneuburg keinen Vorteil.

Zwei Gruppen

Jene Kunden, die vor dem 15. August 2017 Tickets über das Buchungssystem der Air Berlin gekauft haben, können ihre Forderung im deutschen Insolvenzverfahren anmelden, haben aber Pech. Sie werden mangels Vermögens leer ausgehen.

Jene Kunden, die nach dem 15. August die Tickets gelöst haben, können ihre Forderung mithilfe der Homepage www.airberlin-inso.de in Deutschland anmelden. Der Ticketpreis wird erstattet, weil das Geld auf einem Treuhandkonto liegt.

"Wir reden hier von Zigtausenden Anträgen, das dauert eine Weile, bis diese bearbeitet werden", sagt ein Sprecher des deutschen Insolvenzverwalters. "Es geht um einen hohen zweistelligen Millionen-Betrag."

Lediglich jene NIKI-Kunden, die Schadenersatzansprüche etwa wegen verlorener Koffer haben, können ihre Forderungen im Korneuburger Verfahren anmelden. Detail am Rande: Forderungsanmeldungen sind in Deutschland kostenlos, in Österreich kostet eine Forderungsanmeldung 23 Euro Gerichtsgebühr.