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MIG-Fonds
02/10/2020

1.020 Österreicher ziehen gegen Fonds-Gruppe vor Gericht

Der Prozessfinanzierer AdvoFIn startet Sammelklage gegen die MIG-Fonds-Gruppe.

von Kid Möchel, Dominik Schreiber

„Als Venture Capital Investor sind wir auf der Suche nach bahnbrechenden Ideen und beeindruckenden Unternehmern. Uns interessieren insbesondere Beteiligungen, die über das Potenzial verfügen, in ihrer Branche den Markt und die Zukunft zu verändern“, wirbt das deutsche Emissionshaus HMW für seine MIG-Fonds. MIG steht für Made in Germany und für „neue Generation alternativer Investmentfonds für Privatanleger“. HMW verkauft Beteiligungen an angeblich erfolgversprechenden Start-ups im Bereich Biotechnologie, Umwelttechnik, Robotik und Medizintechnik, deren wirtschaftliche Entwicklung, verkürzt gesagt, aber noch nicht endgültig absehbar ist.

Darunter ist auch das Wiener Biotech-Firma Affiris, an der neun MIG-Fonds beteiligt sind. Rund 60.000 Anleger haben mehr als ein Milliarde Euro in MIG-Fonds investiert, darunter sind tausende Österreicher. Nun haben sich 1.020 Anleger einer Sammelklage-Aktion des Wiener Prozessfinanzierers AdvoFin angeschlossen. In den nächsten Tagen will AdvoFin-Anwalt Sven Thorstensen die ersten Klagen gegen HMW/MIG hierzulande einbringen.

Finanziell unter Wasser

Die Klagetenor lautet: Hätten sich die Anleger ein zutreffendes Bild über die Veranlagung der einzelnen MIG-Fonds machen können, hätten sie nicht in diese Fonds investiert. Oder anders gesagt: Sie sollen fehlberaten worden sein. Eine Schlüsselrolle spielen dabei jene selbstständigen Vermögensberater, mit denen die HMW/MIG-Gruppe Vertriebskooperationen abgeschlossen hat.

„Die meisten Fonds sind finanziell unter Wasser und haben zugleich extrem hohe Abschlussgebühren“, behauptet AdvoFin-Vorstand Gerhard Wüest. „So wird beim Fonds MIG 1 fast ein Viertel der investierten Gelder vorab abgezogen und es geht für Verwaltungs- und Vertriebsgebühren drauf.“ Beim Fonds MIG 16 belaufen sich die Abschlusskosten samt Ausgabeaufschlag auf 18,33 Prozent. Dazu kommen noch die laufenden Kosten. „Das Kapital neu aufgelegter Fonds wurde wiederholt in defizitäre Unternehmen investiert, an denen vorhergehende Fonds bereits Anteile gehalten haben“, behauptet AdvoFin.

Wertsteigerung?

Der Prozessfinanzierer errechnete, dass 22 Beteiligungsfirmen der MIG-Fonds 587 Millionen Euro negatives Eigenkapital ausweisen. Oder anders gesagt: Die Firmen schreiben Verluste. „Die Performance der Beteiligungen müsste exorbitant gut sein, dass sie Ertrag abwerfen“, sagt AdvoFin-Chef Wüest. Steige ein Fonds aus einer Beteiligung aus, kassiere die Managementgesellschaft angeblich noch einmal 20 Prozent des Erlöses.

Bei HMW/MIG weist man die Vorwürfe zurück. „Uns ist aufgefallen, dass die Ihnen vorliegende Informationsbasis zum Teil nicht zutreffend ist“, teilt ein HMW-Sprecher dem KURIER mit. „Ebenso fehlt es an einem tieferen Verständnis für das Geschäftsmodell der MIG-Fonds. Die stehen für Investitionen in außerbörsliche, junge Unternehmen in der Frühphase ihrer Entwicklung neuer Technologien oder Produkte.“ Diese kapitalintensive Forschungs- und Entwicklungsarbeit führe „bei den Beteiligungsunternehmen in der Regel zu hohen Aufwendungen ohne entsprechende Umsätze und zu bilanziellen Verlusten“. Das sage nichts über die Werthaltigkeit der Unternehmen aus. Zugleich verweist HMW/MIG auf den erfolgreichen US-Börsengang des Start-ups Biontech, an dem drei MIG-Fonds Aktien im Wert von 361 Millionen Euro halten. Wertsteigerung: angeblich 2.648 Prozent.

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