Wirtschaft 07.03.2018

100 Milliarden: Rekord im Handel mit Deutschland

Grenzverkehr Walserberg © Bild: AP/Kerstin Joensson

Warenaustausch klettert über historische Schwelle. Österreichs Handelsdefizit aber ebenfalls größer denn je.

Der Außenhandel zwischen Österreich und Deutschland hat laut dem deutschen Statistikamt Destatis 2017 erstmals die Schwelle von 100 Mrd. Euro geknackt. Das ergibt Platz acht der deutschen Handelspartner. Gemessen an der Einwohnerzahl sei Österreich sogar die Nummer eins, sagte Thomas Gindele, Chef der Deutschen Handelskammer in Österreich, am Dienstag. Die deutschen Exporte in die USA beliefen sich auf 340 Euro pro Amerikaner, hingegen sind es 7200 Euro pro Österreicher.

Höhere Investitionen

Freilich hat auch Österreichs Handelsbilanzdefizit (also Exporte abzüglich der Importe) mit Deutschland den Minus-Rekordwert von 21,6 Mrd. Euro erreicht. Ein Alarmsignal? Prinzipiell sollte jedes Land "ein Auge darauf haben", sagte Yvonne Wolfmayr vom Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) zum KURIER. Sie warnt aber davor, allzu viel in die Bilanz zwischen zwei einzelnen Ländern zu interpretieren.

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Grafik © Bild: Grafik

n diesem Fall sei nämlich weniger die sinkende Wettbewerbsfähigkeit der Grund, dass die Schere aufgeht. Vielmehr habe sich 2017 Österreichs gute Konjunktur und das Auflösen des Investitionsrückstaus ausgewirkt: Es wurden dadurch mehr Investitionsgüter wie Maschinen aus Deutschland importiert. Was ein positives Zeichen ist.

Und: "Österreichs Wirtschaft ist eng mit der deutschen verflochten." In deutschen Produkten, die für Drittmärkte bestimmt sind, steckten oft rot-weiß-rote Vorleistungen. Würde deren Wertschöpfung adäquat berücksichtigt, fiele die Bilanz günstiger aus. Im Warenhandel hat Österreich traditionell ein Minus, welches das Plus im Tourismus aber mehr als kompensiert.

Aktenordner am Bau

Ein Wunsch an die österreichische Politik eint jene Unternehmen, die in beiden Ländern tätig sind. Sie begrüßen zwar an sich das Gesetz gegen Lohn- und Sozialdumping, beklagen aber den Bürokratie-Aufwand. Selbst wenn ein hochqualifizierter und -bezahlter deutscher Spezialist nur für drei Tage nach Österreich entsendet wird, müsse man ihm einen ganzen Aktenordner voll Dokumenten mitgeben, sagte Strabag-Chef Thomas Birtel. Er würde sich dafür ein "gerne scharf formuliertes, aber wirksames Konzernprivileg" wünschen. Der heimische Baukonzern ist Marktführer in beiden Ländern.

Und auch der Technologiekonzern Robert Bosch AG klagt über die bürokratischen Hürden. Man habe früher ständig 50 bis 100 indische Ingenieure für die Fortbildung nach Wien geholt, sagte Firmenchef Klaus Peter Fouquet. Das sei aber vorbei, der Aufwand dafür war einfach zu groß: "Das schädigt also eindeutig den Standort Österreich."

( kurier.at ) Erstellt am 07.03.2018