100.000 grüne Arbeitsplätze mehr

100.000 neue "Green-Jobs" will Landwirtschaftsminister Berlakovich.
Foto: KURIER/Stephan Boroviczeny

Jobs der Zukunft sind nach Ansicht von Umweltminister Berlakovich "grün". Er hofft auf 100.000 neue Jobs im Umweltbereich.

Umwelt- und Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich will mehr Jobs im Umweltbereich schaffen. Derzeit würden rund 200.000 Personen in "Green Jobs" arbeiten. In den nächsten Jahren sollen 100.000 neue Arbeitsplätze dazukommen, meint Berlakovich. "Das sind eindrucksvolle Zahlen. Und das heißt, dass die Jobs der Zukunft grün sind. Mir geht es darum, zu zeigen, dass sich Umwelt- und Klimaschutz mit Wirtschaftswachstum vereinbaren lassen", so der Minister.

Erst am Dienstag wurde einmal mehr bekannt, dass Österreich vom Kyoto-Klimaziel meilenweit entfernt ist. Berlakovich wies am Mittwoch darauf hin, dass das Umsatzwachstum in der Umweltbranche im Vorjahr 11,8 Prozent betrug, das Beschäftigtenwachstum 5,3 Prozent und die Exportquote 84,7 Prozent.

Kritik von der Arbeiterkammer

Kritik kommt von der Arbeiterkammer. "Entscheidend für die Jobs der Zukunft ist nicht das Etikett >Green< sondern die Frage, ob es sich um gute und zumutbare Arbeitsplätze handelt", so AK Umwelt-Ökonom Thomas Ritt. Gute Arbeitsplätze sind so bezahlt, dass die Beschäftigten davon leben können. Gute Arbeitsplätze machen die Beschäftigten nicht krank. Und gute Arbeitsplätze bieten Entwicklungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten für die Beschäftigten, so Ritt weiter. Ein Großteil der sogenannten Green Jobs erfüllen diese Kriterien nicht - viele dieser Jobs gehören sogar zu den schlechtesten, die am österreichischen Arbeitsmarkt zu finden sind. Neben schönen Zahlenspielereien braucht es vor allem eine Qualitätsoffensive für viele der bereits bestehenden Green Jobs.

So werden bisher viele Arbeitsplätze zu den Green Jobs gezählt, die nur am Rande etwas mit Umweltschutz zu tun haben, etwa eine Handels-Mitarbeiterin die Biojoghurts in ein Regal einschichtet oder eine Reinigungskraft, die mit einem Staubsauger saugt, dessen Strom im Ökohotel aus Photovoltaik (Green Job in Dienstleistung) kommt. Die Arbeit der Zukunft braucht mehr Qualität und nicht mehr Ökoschmäh.

Mit Green Jobs allein wird Österreichs Umwelt noch lange nicht sauberer, so Ritt weiter. "Viele Green Jobs sind auch ein Zeichen für eine schlecht Umweltpolitik." "Denn wenn etwa viel Abfall von tausenden Green Jobbern händisch sortiert werden muss, heißt das nur, dass die Politik die Weichen nicht rechtzeitig auf Müllvermeidung gestellt hat."

Gute Jobs, die auch der Umwelt nützen, gibt es durchaus, wenn weiter in thermische Sanierung oder den öffentlichen Verkehr investiert wird. Denn weitere Investitionen in die thermische Sanierung sind nicht nur langfristige Investitionen in den Klimaschutz. "100 Millionen für Fernwärme, Niedrigenergiewohnungen und thermische Sanierungen bringen über 7.300 neue, meist gute Arbeitsplätze", so Ritt. Die Mieter der sanierten Wohnungen haben außerdem Vorteile durch niedrigere Heizkosten.

(apa / js) Erstellt am
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