Im Handel beträgt der Mindestlohn derzeit 1.500 Euro brutto.

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Mindestlohn
11/30/2015

1.700 Euro – weniger sollte ein Vollzeitjob nicht wert sein

Gewerkschaft macht sich für Mindestlohn stark, lehnt gesetzliche Regelung aber ab.

1.700 Euro brutto – so viel muss ein Vollzeitjob mindestens einbringen. Diese Forderung erhebt die Gewerkschaft anlässlich der Aktionswoche für einen Mindestlohn. 1.700 Euro brutto entspricht derzeit 1.253 Euro netto, mit der Steuerreform sollten es ab 2016 1.311 Euro netto sein, rechnet die Gewerkschaft vor. Am meisten davon profitieren würden Frauen, junge Menschen und Menschen mit geringer Ausbildung, die derzeit am häufigsten niedrigere Einkommen haben.

Das im Rahmen von Kollektivverträgen vereinbarte niedrigste Einkommen sei von 1.000 Euro im Jahr 2008 auf 1.300 Euro 2010 gestiegen, erläuterte Wolgang Katzian, Chef der Gewerkschaft GPA-djp, am Montag. In einzelnen Bereichen wie dem Handel gelte seit 2014 ein Mindestlohn von 1.500 Euro brutto (1.161 Euro netto), die Metaller haben jetzt schon mindestens 1.700 Euro brutto. Diesen Mindestlohn für alle will die Gewerkschaft nun in den nächsten fünf Jahren erreichen. Derzeit haben etwa 25 Prozent der Beschäftigten weniger, das sind fast 800.000 unselbstständig Beschäftigte. 270.000 Menschen (12 Prozent der Vollzeitbeschäftigten) verdienen derzeit sogar weniger als 1.500 Euro brutto.

Gegen gesetzlichen Mindestlohn

Einen gesetzlichen Mindestlohn will die Gewerkschaft allerdings nicht. 98 Prozent der Arbeitsverhältnisse unterlägen einem Kollektivvertrag, der nur von den Sozialpartnern geändert werden können. Ein gesetzlicher Mindestlohn könnte hingegen von der Regierung mit einfacher Mehrheit sogar abgesenkt werden, ohne dass die Gewerkschaft etwas dagegen tun könnte. Und in Krisenländern sei dies zuletzt auch geschehen.

Eine Sonderauswertung des Arbeitsklimaindex der Arbeiterkammer Oberösterreich zeigt, dass derzeit zehn Prozent der Männer, aber 27 Prozent der Frauen weniger als 1.250 Euro netto verdienen. Nach Alter geordnet kommen 46 Prozent der Unter-25-jährigen auf weniger als 1.250 Euro, aber nur rund zehn Prozent der Über-35-Jährigen. Auch die Bildungsabhängigkeit ist eindeutig: 46 Prozent der Pflichtschulabgänger bekommen netto weniger als 1.250 Euro, mit Lehre fällt dieser Anteil auf 17 Prozent, mit Universität oder Fachhochschule auf 4 Prozent, sagte IFES-Experte Georg Michenthaler.

Wenig überraschend sind Menschen mit einem Verdienst unter 1.250 Euro weniger zufrieden und kommen weniger gut mit dem Geld aus, als Arbeitnehmer mit Einkommen zwischen 1.250 und 1.500 Euro. "Es macht bei diesen Einkommen sehr wohl etwas aus, ob man 200 Euro mehr oder weniger hat", so Michenthaler.
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