Eine von acht Frauen weltweit entwickelt nach der Geburt eine Wochenbettdepression.

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Wochenbettdepression: Wenn die Freude übers Baby ausbleibt
11/03/2016

Wochenbettdepression: Wenn die Freude übers Baby ausbleibt

Nach Hayden Panettiere sprach nun auch Sängerin Adele über ihre Wochenbettdepression. Was man über den "Baby-Blues" wissen sollte.

Der Tag der Geburt - er soll der schönste im Leben einer Frau sei. Bei vielen Frauen bleiben Freude und Euphorie nach der Entbindung jedoch aus. Stattdessen fühlen sie sich niedergeschlagen, aufgewühlt, verstimmt. Eine von acht Frauen weltweit entwickelt nach der Geburt eine Wochenbettdepression, die in besonders schlimmen Fällen bis zum Selbstmord führen kann. Nur jede Dritte wird entsprechend medizinisch behandelt. Bei vielen Frauen wird die Krankheit zudem erst nach einer zweiten Niederkunft erkannt.

Frauen sind nach der Geburt in der Regel einem enorm hohen emotionalen Stress ausgesetzt. Dieser ergibt sich nicht zuletzt aus der Erwartungshaltung des Umfelds. So verspüren viele nach der Entbindung unter anderem den Druck das Neugeborene sofort stillen zu müssen. Auch die erwartete Euphorie über das Wunder Mensch können manche Frauen nicht unmittelbar empfinden - was wiederum oft kritisch beäugt und zu einem weiteren Stressfaktor wird. Daraus entsteht wiederum Überforderung, Trauer, der Wunsch nach Isolation - auch vom eigenen Kind.

Postnatal und postpartal

Zu unterscheiden sind die Wochenbettdepression, die postnatale Depression, und die postpartale Depression. Erstere bezeichnet die emotionale Verstimmtheit kurz nach der Entbindung. In dieser Zeit kann es zu emotionaler Instabilität kommen, die aber nur kurz dauert. In den meisten Fällen ist der Baby-Blues nach einigen Tagen überstanden.

Wesentlich belastender und schwerwiegender ist die postpartale Depression. Darunter werden alle schweren, länger andauernden, behandlungsbedürftigen depressiven Erkrankungen im ersten Jahr nach einer Entbindung verstanden.

Durch Zuspruch heilbar?

Das weit verbreitete Phänomen der Wochenbettdepression kann medizinischen Studien zufolge durch professionellen Beistand in vielen Fällen geheilt werden. Auch Prävention ist demnach möglich. Der Rat eines Psychologen kann die Gefahr einer postnatalen depressiven Erkrankung um 40 Prozent verringern, wie eine Studie an der nordenglischen Universität Sheffield mit 4.000 jungen Müttern 2009 ergab. Der Zuspruch durch andere Frauen kurz nach der Entbindung sei sogar in 50 Prozent der Fälle erfolgreich. Eine kanadische Studie, die 701 Frauen untersuchte, kam im gleichen Jahr zum selben Ergebnis.

Eine Studie der französischen Universität Nancy zeigte 2008 zudem, dass die Geburt eines Buben Mütter besonders stark belastet. Nach der Entbindung eines Sohnes neigen Frauen wesentlich eher zu einer postnatalen Depression als nach der Geburt eines Mädchens. In Ländern, in denen die Geburt von Buben eher erwünscht ist als die eines Mädchens, leiden viele Frauen Studien zufolge stark darunter, wenn sie weiblichen Nachwuchs zur Welt bringen. In Gesellschaften, in denen das Geschlecht des Nachwuchses keine große Rolle spielt, ist dies offenbar umgekehrt.

Kaiserschnitt als Faktor?

Forschungen deuten auch darauf hin, dass das Risiko einer Wochenbettdepression nach einem Kaiserschnitt erhöht ist. Deshalb sollte nach einem Kaiserschnitt verstärkt auf Anzeichen einer Depression wie anhaltende Niedergeschlagenheit, Müdigkeit und Antriebslosigkeit geachtet werden. Möglicher Grund dafür ist, dass eine vaginale Entbindung die Freisetzung bestimmter Botenstoffe, wie zum Beispiel Oxytocin, im Gehirn auslöst, die eine emotionale Bindung fördern. Andere Studien widerlegen diese These. Hier ist man sich in Fachkreisen demnach nicht einig.

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