Krank ins Flugzeug zu steigen, kann, muss aber nicht gefährlich sein.

© Manuel Faba Ortega/istockphoto

Welche Krankheiten fluguntauglich machen
07/10/2016

Welche Krankheiten fluguntauglich machen

Zu krank zum Fliegen - oder doch nicht? Ein Überblick über gefährliche und unbedenkliche Krankheitsbilder.

Man kennt das: Der lang ersehnte und wohlverdiente Urlaub steht vor der Tür und plötzlich machen sich Krankheitssymptome breit. Ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt, um krank zu werden. Doch nicht jede Krankheit erfordert es, eine Reise gänzlich abzusagen. Vor allem im Kontext von Flugreisen ist aber Vorsicht geboten. Grundsätzlich gilt: Im Zweifel sollte man immer einen Arzt konsultieren, um abzuklären, ob man reisetauglich bzw. ansteckend für Mitreisende ist. Trotz möglicherweise anfallender Stornogebühren sollte die Gesundheit stets vorgehen.

Grippe und Erkältung

Treten Symptome eines grippalen Infekts auf, muss festgestellt werden, ob es sich um eine anrollende Grippe oder eine Erkältung handelt. "Grundsätzlich stellen Verkühlungssymptome kein Problem dar. Solange ein Druckausgleich möglich ist, und der Druck im Mittelohr dem im Nasenrachenraum und somit auch dem Außendruck angeglichen werden kann, besteht kein Grund zur Sorge", erklärt Herwig Kollaritsch, Tropenmediziner am Wiener Institut für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin der MedUni Wien.

Während eine rinnende oder leicht verstopfte Nase also grundsätzlich kein Hindernis darstellt (hier verschafft abschwellendes Nasenspray Linderung), sollte man bei anderen für einen grippalen Infekt typischen Erkältungssymptomen (Husten, Fieber, schmerzende Nasennebenhöhlen etc.) von einer Flugreise oder beschwerlichen Urlaubsanfahrt absehen. "Sollten derartige Symptome vor der Abreise auftreten, muss in Absprache mit dem Arzt eine mögliche medikamentöse Behandlung, beispielsweise durch abschwellende Medikamente, besprochen und so eine Lösung gefunden werden", so Kollaritsch.

Im Ernstfall kann sich eine Grippe schnell zu einer gefährlichen Lungenentzündung entwickeln. Fieber kann bei körperlicher Anstrengung zu Schwächeanfällen führen, und der im Flugzeug vorherrschende Druck kann im Falle einer Nasennebenhöhlenentzündung Kopfschmerzen oder Risse im Trommelfell verursachen.

Vorsicht ist laut Kollaritsch bei Kindern geboten: "Bei Kindern sieht die Sache anders aus. Diese sind im Falle einer Verkühlung tatsächlich flugunfähig." Das Trommelfell sei bei Heranwachsenden kleiner als beim Erwachsenen, wodurch der Druckausgleich zwischen Kabinendruck und Mittelohr nicht so einfach vom Körper durchgeführt werden kann. Im Falle einer Infektion könne dies schnell problematisch werden. "Generell gilt, dass man sich bei Beschweren im Hals-Nasen-Ohren-Bereich am besten kurz von einem Arzt untersuchen und die Reisetauglichkeit feststellen lässt", warnt Kollaritsch.

Ohrenschmerzen

Bei Ohrenschmerzen oder einer akuten Mittelohrentzündung sollte keine Flugreise angetreten werden. Der Druckunterschied im Flugzeug bedingt nicht selten Schäden am Trommelfell oder unerträgliche Kopfschmerzen. "Hat man eine Entzündung des Ohres, die bakterieller Natur ist, dann steht es außer Frage, dass man nicht fliegen sollte. Ist lediglich der äußere Gehörgang entzündet, ist das kein Problem", so der Tropenmediziner.

Menstruationsbeschwerden

Regelschmerzen sind zwar unliebsam, stellen jedoch aus medizinischer kein Reise-Hindernis dar. Um sich selbst die Reise so angenehm wie möglich zu gestalten, sollte man Schmerzmittel, Tees mit Frauenmantel, Gänsefingerkraut, Kamillenblüten und Melisse oder krampflösende Magnesiumpräparate parat haben.

Magen-Darm-Beschwerden

Blähungen, Sodbrennen oder leichte Magenverstimmungen können mit pflanzlichen Arzneimitteln behandelt werden. Dem Reiseantritt sollte dann nichts im Weg stehen. Ist man an einer Magen-Darm-Grippe erkrankt, ist Bettruhe Pflicht und eine Reise kein Thema. Grund dafür ist neben der Ansteckungsgefahr auch die Gefahr der Dehydratation im ohnehin sehr trockenen Flugzeuginnenraum.

Erhöhtes Thromboserisiko

Bei Langstreckenflügen ist die Gefahr der Thrombosebildung allgemein bekannt. Übergewichtige oder adipöse Menschen, Raucher oder Senioren sollten auf Fernreisen so oft wie möglich aufstehen, die Beine bewegen, viel trinken, eventuell Stützstrümpfe tragen und dabei entwässernde Getränke wie Kaffee, Tee oder Alkohol meiden. "Das Thromboserisiko der breiten Masse ist relativ gering. Früher galten hier andere Annahmen, die sind mittlerweile überholt. Es gibt eine kleine Gruppe von Menschen, die Gerinnungsstörungen aufweist. Hierbei handelt es sich um Risikopersonen, die eine medikamentöse Behandlung vor einem Flug mit einem Arzt besprechen müssen", so Kollaritsch. Abgesehen davon gebe es kaum gefährdete Personen.

Der Experte rät bei Langestreckenflügen generell zu Stützstrümpfen: "Am vernünftigsten ist es, Stützstrümpfe anzuwenden. Diese sind billig, wiederverwertbar, schützen vor geschwollenen Knöcheln und sind wirksam." Außerdem solle man viel trinken, Alkohol meiden und keine Beruhigungsmittel einnehmen.

Auch spezielle Venenübungen, die die Venenmuskelpumpe anregen, sind ratsam.

Hier eine Liste einiger simpler Übungen:

1. Bein anheben und in der Luft mit dem Fuß eine "8" zeichnen.

2. Im Stehen auf den Zehen wippen.

3. Ein Bein hochheben, die Zehen strecken und einziehen.

4. Abwechselnd die Ferse und Zehen beider Füße anheben.

Aspirin zur Thromboseprophylaxe anzuwenden, ist laut Kollaritsch keine wirksame Option: "Die blutverdünnende Wirkung des Schmerzmittels Aspirin hat auf die Venen fast keinen Effekt. Zur Thrombose-Vorbeugung eignet es sich deshalb nicht."

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.