Gesund durch Brausewasser: Ist das möglich?

Effervescent fizzy tablet of vitamin C
Foto: Getty Images/iStockphoto/DariaZu/iStockphoto Waterdrops sollen Vitamine in Brauseform liefern.

Waterdrop, so der Name eines neuen Produkts, soll Wasser mit Aromen, Vitaminen und Superfood-Extrakten anreichern. Das Ganze wird als Lifestyle-Produkt im Brauseformat verkauft. Ernährungswissenschafter sind nicht vollends überzeugt.

Ein österreichisches Unternehmen bringt eine neue Vitaminbrause auf den Markt. Waterdrops sollen das Trinkverhalten revolutionieren. Ein problematischer Ansatz, wie Ernährungswissenschafterin Verena Wartmann findet.

Von Vitaminen, Aromen und Superfoods

Geworben wird vor allem mit natürlichen Aromen, Vitaminen und Superfood-Extrakten, die durch das Auflösen der Brause ins Leitungswasser gelangen sollen. Trinkwasser täglich damit anzureichern ist aber gar nicht notwendig, wie Wartmann schildert. "Laut dem Österreichischen Ernährungsbericht besteht beim Durchschnittsösterreicher bei den angeführten Vitaminen gar kein Mangel." Die Vitamine, die in den Waterdrops enthalten sind, müsse man also eigentlich nicht extra über Flüssigkeit zuführen. Hinzu komme, dass gerade die wasserlöslichen Vitamine, wie beispielsweise natürliches Vitamin C sowie der B-Vitamin-Komplex, sehr flüchtig sind und in einem offenen Krug innerhalb von wenigen Stunden aus der Flüssigkeit verschwinden.

Die als natürlich angepriesenen Früchtearomen müssen wiederum nicht zwingend mit dem echten Obst zu tun haben. Die allgemeine Bezeichnung gewährleistet noch nicht, dass das Lebensmittel, zum Beispiel eine Johannisbeere, mit dem Aromastoff in Kontakt gekommen ist. "Jeder kennt Erdbeeren im gekauften Erdbeerjoghurt. Erdbeergeschmack kann beispielsweise wunderbar aus den bekannten Sägespänen produziert werden – und Sägespäne sind bekanntlich etwas Natürliches", so die Geschäftsführerin des Wiener Ernährungsinstituts Snitex. Wird in der Bezeichnung auch das Ausgangsprodukt genannt (z.B. natürliches Johannisbeerenaroma), dann muss das Aroma zu mindestens 95 Prozent tatsächlich aus besagter Frucht stammen.

Auch die sogenannten Superfoods in den Waterdrops sieht Wartmann kritisch. Superfoods seien ohnehin nicht immer "super" und eine wissenschaftliche Definition dieser Trendlebensmittel gebe es ebenfalls nicht. "Generell sagt man ihnen nach, dass sie zum Beispiel das allgemeine Wohlbefinden unterstützen, stresslindernd wirken und zu mehr Energie verhelfen, aber im Grunde kann diese Wirkung, wenn überhaupt, nur von kurzer Dauer sein. Für einen längeren Effekt müsste man diese Superfoods nämlich regelmäßig essen und das macht in Österreich eigentlich niemand." Grund dafür sei, dass die Superfoods nicht bei uns wachsen, sondern aus dem Ausland importiert werden müssen. Das geht nicht nur mit ökologischen Problemen, sondern auch mit hohen Kosten einher, die sich im Produktpreis bemerkbar machen. Ständig Superfoods zu essen ist also nicht nur nicht nachhaltig, sondern auch echt teuer. Umso verwunderlicher sei es, dass bei Waterdrop damit geworben werde, dass es sich um ein nachhaltiges Produkt handelt. "Da darf man Superfoods eigentlich nicht in einem Atemzug nennen."

Ganz grundsätzlich ist es immer besser Vitamine nicht über Getränke, sondern direkt über das Nahrungsmittel, zuzuführen. Sonst droht ein gefährlicher Gewohnheitseffekt. "Bei solchen Präparaten ist die Gefahr sehr groß, dass die Menschen das Vitaminwasser trinken und sich nebenbei aber schlecht ernähren. Aber dann hat der Körper unterm Strich nicht viel davon", erklärt Wartmann.

Seitens des Herstellers sieht man, angesprochen auf die ernährungswissenschaftlichen Zweifel, in dem Produkt, das ab dem 16. Jänner online erhältlich sein wird, keinerlei Risiko für den Konsumenten. "Waterdrop ist kein Nahrungsergänzungsmittel, sondern ein vitaminangereichertes Getränk", betont Carla Baumer, Marketing Director der Kvell Group, die das Produkt produziert.

Brausewasser als Trinkmotivator?

Doch nicht alles an den Waterdrops ist schlecht. Wartmann begrüßt, dass das Produkt ohne Zucker auskommt. In jedem Fall könne man damit auch den einen oder anderen dazu motivieren mehr zu trinken, "weil das Glas dann hübsch aussieht und das Produkt ja auch nett präsentiert wird und spielerisch in Wasser aufgelöst wird." Die Frage, die sich dann stelle, sei aber, ob man sich nicht auch wieder schnell daran satt trinkt. Die Waterdrops seien außerdem verhältnismäßig teuer.

Die Trinkmotivation, genau darauf zielt man bei der Kvell Group mit den Waterdrops laut eigenen Angaben ab. "Ein optimaler Wasserhaushalt ist essentiell für Gesundheit und Wohlbefinden. Das Trinken fällt aber nicht allen leicht und hier bieten wir auf innovative Art eine gesunde Alternative", so Baumer. Waterdrop eröffne damit eine Nische, die es den Konsumenten ermöglicht, jederzeit und nach den eigenen Präferenzen gesunde Getränke auf Basis von Wasser herzustellen.

Nahrungsergänzungsmittel in Brauseform sieht die Ernährungswissenschafterin dennoch kritisch. Vor allem im Winter greifen viele Menschen aus Angst vor einem geschwächten Immunsystem darauf zurück. Doch das hat nur wenig Sinn: "Der Körper scheidet das dann einfach aus. Entweder man bezieht solche Nahrungsergänzungen bei einem diagnostizierten Mangel über den Arzt, in Form von hochwertigen Präparaten, oder gar nicht. Die Menschen müssen einfach wieder lernen ausgewogen zu essen."

Tipps für geschmackvolles Trinken

Für Trinkmuffel hat Wartmann dennoch ein paar Tipps parat: "Man kann sich zum Beispiel tatsächlich eine Ingwerscheibe ins Wasser geben oder Pfefferminzblätter, die sind gut für die Konzentration." Auch Thymian, Salbei und eine Orangenscheibe schmecken zusammen in heißem Wasser hervorragend. Man kann auch Zitrone und Ingwer kombinieren.

Zu allererst muss der Mensch jedoch das Trinken wieder neu erlernen. Wenn der Körper daran gewöhnt ist wenig zu trinken, dann zeigt er kein Durstgefühl mehr. Idealerweise sollte man sich im Büro oder daheim schon in der Früh einen mit Wasser gefüllten 1-Liter-Krug hinstellen und diesen bis Mittag leeren. Auch ungesüßter Tee kann gut sein, hier muss man aber entwässernde Sorten meiden. Pfefferminztee eignet sich zum Beispiel hervorragend.

Verena Wartmann ist freiberufliche Ernährungswissenschafterin in Wien.

(kurier / pama) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?