Wellness
31.12.2017

Wie Sie dem Neujahrskater entkommen

Für Nicht-Abstinente: Zwei Ernährungswissenschafterinnen haben die wichtigsten Tipps zusammengestellt, die wirklich etwas bringen.

Nichts trinken – dieser Anti-Kater-Tipp löst zu Silvester wenig Begeisterung aus. Mehr Interesse wecken die Ernährungswissenschafterinnen Sabine Bisovsky und Eva Unterberger. Sie haben die wissenschaftliche Literatur durchforstet und jetzt auf ihrem Blog www.essenzielles.at Tipps veröffentlicht, "mit denen Sie garantiert ohne Kater aufwachen".

  • Trinken Sie nicht auf leeren Magen. Eine gute "Unterlage" kann die Aufnahme des Alkohol ins Blut etwas verzögern "und ihn verträglicher machen". Allzu fett sollte das Essen aber trotzdem nicht sein, denn sonst belastet es den Magen nur zusätzlich.
  • Nach jedem Glas Alkohol Wasser. Zumindest die gleiche Menge – "besser ist die doppelte Menge", sagt Bisovsky. So bleibt der Flüssigkeitshaushalt im Lot – und es dämpft den Alkoholkonsum.
  • Bei einer Sorte Alkohol bleiben. Wer zu viel durcheinandertrinkt, über fordert den Körper mit zu vielen verschiedenen Begleitsubstanzen (Kongenere, z.B. Fuselalkohole oder Tannine). In dunklen, länger gelagerten Spirituosen wie Whiskey oder Tequila, aber auch in Rotwein ist deren Anteil vergleichsweise hoch. In weißen Alkoholika wie Wodka, Gin oder Weißwein ist er geringer – und damit die Kater-Gefahr kleiner. "Zumindest bei moderatem Konsum."
  • Wenig Histamine. Histamin-empfindliche Personen sollten nicht nur bei Rotwein, sondern auch bei Champagner und Sekt zurückhaltend sein. Je länger ein alkoholisches Getränk gelagert wurde, desto mehr Histamin enthält es.
  • Wärme, Zucker, Kohlensäure in Maßen. Diese drei lassen den Alkohol besonders rasch ins Blut schießen, betont Unterberger. Zucker hemmt außerdem den Abbau von Acetaldehyd – einer der Haupt-Auslöser der Kater-Beschwerden.
  • Suppen-Fondue am Silvesterabend. Und die übrig gebliebene Suppe als Anti-Katerfrühstück: Bereits in der Neujahrsnacht sollte man dafür sorgen, dass der Elektrolyt-Verlust nicht zu groß wird – "also eher salzige Snacks essen als in die Keksdose greifen". Kartoffelpüree oder Früchte füllen die Kalium-Speicher auf.
  • Kein Reparatur-Seidel, kein Paracetamol. Alkohol am Morgen belastet die Leber zusätzlich. Gegen Kopfschmerzen z.B. Acetylsalicylsäure (etwa Aspirin), aber nicht Paracetamol nehmen (ist in vielen Kombinationsschmerzmitteln und Erkältungsmitteln enthalten). Es benötigt zum Abbau dieselben Enzyme wie Alkohol und konkurriert daher mit ihm – das belastet die Leber.
  • Trinken Sie Ihr Glas nie ganz leer. Das beugt dem gut gemeinten Nachschenken aufmerksamer Gastgeber vor.
  • Hören Sie in sich hinein. "Wenn Sie selbst spüren, dass es genug ist, dann folgen Sie den Zeichen Ihres Körpers", betonen die Ernährungswissenschafterinnen. "Sie werden am nächsten Morgen froh darüber sein."
  • Keine "Wundermittel". Auf "Wundermittel" gegen den Kater – etwa spezielle Drinks oder Shots – sollte man sich nicht verlassen, sagen Bisovsky und Unterberger: "Auch eine Studie im renommierten British Medical Journal kam zu dem Schluss, dass es bis jetzt keine überzeugenden Beweise gibt, dass damit die Folgen übermäßigen Alkoholkonsums verhindert oder behandelt werden können." Suchtexperten betrachten derartige Präparate überdies als Aufforderung zu unkontrolliertem Alkoholkonsum.

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"Ein Zellgift"

"Die komplexe Vorgänge, was genau für den Kater verantwortlich ist, müssen noch genauer erforscht werden", sagt der Wiener Physiologe Wolfgang Marktl. "Wir wissen, dass Alkohol dehydrierend und entwässernd wirkt und dass er in großen Mengen ein Zellgift ist." Der britische Forscher Sean Johnson ("Alcohol Hangover Research Group") definiert es drastisch: "Alkohol zu trinken entleert den Körper von allen Dingen, die er braucht, und lässt seine schlechten Nebenprodukte zurück."

Höhepunkt nach zwölf Stunden

Zwölf bis 14 Stunden nach einem Fest erreicht der Kater seinen Höhepunkt. Im Schnitt dauert er 6,5 Stunden. Die schlechte Stimmung hat aber noch andere Ursachen als den Kopfschmerz. "Während des Trinkens steigt der Wohlfühl-Neurotransmitter Dopamin im Gehirn an. Aber gleichzeitig bringt Alkohol viele andere Chemikalien im Gehirn aus der Balance", erklärt Sean Johnson in The Times. Das beste Heilmittel ist noch immer – Zeit.

Hilfe aus der "Hangover-Klinik"

In London, New York, Las Vegas, San Francisco oder Sydney gibt es übrigens auch sogenannte „Hangover-Kliniken“. Seit einigen Jahren hat man sich dort auf die Behandlung der Kater-Symptome spezialisiert. Je nach Ausprägung gibt es Packages zwischen umgerechnet 60 und 120 Euro mit Sauerstoff, Vitamincocktails und Infusionen, die einen schnell aufrichten sollen.

Nein sagen ist nicht unhöflich

Und noch ein wichtiger Tipp – diesmal von Heidrun Thaiss, Leiterin der deutschen Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: "Beim Alkohol ‚Nein, danke‘ zu sagen, ist nicht unhöflich, sondern Ausdruck der Selbstbestimmung."