Nicht der Sex selbst, sondern das Vor-und Nachspiel machen happy.

© Getty Images/vgajic/istockphoto

Sex: Der wahre Schlüssel zum Glücksempfinden
03/14/2017

Sex: Der wahre Schlüssel zum Glücksempfinden

Menschen, die regelmäßig Sex haben, sind glücklicher. Das ging in der Vergangenheit aus zahlreichen Studien hervor. Verantwortlich für das gesteigerte Wohlbefinden ist allerdings nicht der Sexualakt selbst, wie Forscher nun beweisen konnten.

Sex allein macht den Menschen nicht glücklich – vielmehr sind es die innigen Aktivitäten vor und nach dem Geschlechtsverkehr, die den Unterschied machen. Eine Studie, die kürzlich im Fachblatt Personality and Social Psychology Bulletin veröffentlicht wurde, widmete sich der Frage, welche intimen Komponenten beim Sex wirklich für das emotionale Hoch danach verantwortlich sind.

"Wie haben demonstriert, dass ein wichtiger Grund für die Assoziation von Sex und Wohlbefinden jener ist, dass Sex die Zuneigung zum Partner erlebbar macht", sagt Anik Debrot, Professorin an der Universität von Toronto und Koautorin der Studie. Die einzelnen Komponenten dieser intimen Erfahrung zu kennen, sei essentiell, um "die positiven Effekte von Sex zu verstehen".

Glücksfaktoren beim Sex

Um der glücksfördernen Wirkung von Geschlechtsverkehr auf den Grund zu gehen, führten die Forscher insgesamt vier eigenständige Studien durch. In den ersten beiden Untersuchungen wurden Paare aus unterschiedlichen Regionen in den USA zu ihren sexuellen Gewohnheiten, dem Austausch von Zärtlichkeiten und ihrem Wohlbefinden befragt. In einer der beiden Befragungen wurden bestimmte Emotionen wie Freude, Zufriedenheit und Stolz gezielt erhoben.

Zärtlichkeiten als Mediator

Es zeigte sich, dass Sex mit einer positiven Lebenseinstellung und Zufriedenheit einher geht – dabei spielte jedoch vor allem der Austausch von Zärtlichkeiten eine wesentliche Rolle. Die Quantität der sexuellen Kontakte führte also nicht zu einem gesteigerten Wohlbefinden, vielmehr war die Qualität der Intimität, also Kuscheln, Küssen und Streicheleinheiten, ausschlaggebend für die förderlichen Effekte.

Sex führt zu Wohlbefinden, nicht umgekehrt

In der vierten und fünften Studie gaben über 150 Schweizer Paare mittels digitaler Aufzeichnung Selbstauskünfte über ihre Gefühlszustände, Stimmungen und sexuelle sowie zärtliche Kontakte. Die Forscher konnten so feststellen, dass Sex positive Emotionen bedingt (die Probanden fühlten sich unmittelbar und einige Stunden nach dem Sex besser und empfanden mehr Zuneigung füreinander), angenehme Gefühle jedoch nicht die zu häufigerem Geschlechtsverkehr führen. "Das ist ein Anzeichen dafür, dass die Menschen sich gut fühlen, weil sie Sex haben und nicht Sex haben, weil sie sich gut fühlen", betont Debrot. Dies würde wiederum belegen, dass Zuneigung eine Schlüsselrolle in einem erfüllten Sexleben einnimmt.

Im Studienbericht verweist Debrot auch auf frühere Studien, die gezeigt hätten, dass gute Gespräche zwischen Partnern oft nach dem Geschlechtsverkehr stattfinden, dass das zeigen von Zuneigung nach dem Sex die Beziehungsqualität erhöht und dass Liebesbekundungen nach dem Sex auf eine gesunde Beziehungen hindeuten.

Dass Kuscheln und andere zärtliche Berührungen für den Menschen wichtig sind, ist unterdessen hinlänglich bekannt. Streicheleinheiten und angenehmer Körperkontakt fördern die Ausschüttung des Glückshormons Oxytocin. Wie Studien gezeigt haben, können so depressive Verstimmungen gelindert und die Fähigkeit, Stresssituationen zu meistern, verbessert werden. Außerdem fördern Berührungen Vertrauen, Bindungsgefühle und können sogar Schmerzen lindern (mehr dazu hier).